Neues Notarztkonzept Notruf 112: Wer hilft wann und wie in Bramsche?

Meine Nachrichten

Um das Thema Bramsche Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Bramsche. „Wer kommt und hilft, wenn die 112 gewählt wird?“ Mit dieser Frage hat Kreisrat Winfried Wilkens den Ausgangspunkt aller Debatten um den Notarztstandort Bramsche benannt, denn dieser ist zwar gesichert, allerdings mit reduzierten Bereitschaftszeiten. Wilkens und der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes im Landkreis Osnabrück, Andreas Mennewisch, sehen darin allerdings keinen Anlass zur Sorge.

„Der Arzt ist nicht der einzige Akteur im Spiel“, meinte Wilkens am Montagabend bei der Vorstellung des Konzeptes . Danach ist der Notarzt in Bramsche von Montag bis Donnerstag von 7.30 bis 19 Uhr und von Freitag, 7.30, bis Sonntag, 23 Uhr, durchgängig in Bramsche in Bereitschaft. Zu diesen wie auch den nicht abgedeckten Zeiten laufen die Anrufe über die zentrale Notrufnummer 112 bei den Rettungsleitstellen auf, die wiederum nach einem standardisierten Fragenkatalog die sogenannten „Rettungsmittel“ in Gang setzen. Dazu zählen die Rettungswagen ebenso wie der Notarzt, der, wenn Bramsche nicht mehr besetzt ist, aus Ankum, Ostercappeln oder Osnabrück kommen muss. Die zukünftigen Bereitschaftszeiten deckten allerdings gut drei Viertel der Einsätze ab, so Wilkens.

„ Verbesserung“

„Zwei Anästhesisten werden in ihrer Kernarbeitszeit nur in Bramsche und dort nur in der Notfallversorgung eingeplant“, erläuterte der Geschäftsführer des Niels-Stensen-Verbundes als Krankenhausträger. Mennewisch bezeichnete diese Regelung als „qualitative Verbesserung“, da die Mediziner nicht mehr wie bisher über die Notfalleinsätze hinaus in den regulären Klinikbetrieb eingebunden seien. Notärzte seien heute übrigens nur zu einem Teil Chirurgen, meinte er zu Bedenken aus der Bevölkerung in Zusammenhang mit der Schließung der Bramscher Chirurgie, sondern in erster Linie Anästhesisten als Fachleute für Notfall- und Intensivmedizin.

„Die Analyse der Einsätze hat gezeigt, dass in Bramsche in 95 Prozent der Fälle innerhalb der vorgeschriebenen 15 Minuten das erste Rettungsmittel vor Ort war. Das war aber nur in fünf Prozent der Fälle der Notarzt“, erläuterte Wilkens. „Der Satz ‚Hier stirbt jemand, weil der Notarzt nicht da ist‘ gehört definitiv der Vergangenheit an“, ergänzte der Anästhesist und Notfallmediziner Mennewisch.

In der Debatte um die Notarztstandorte dürfe die wichtige Rolle der Rettungsassistenten nicht vergessen werden. Sie seien hoch qualifiziert, in der Regel zuerst bei Kranken oder Verletzten und in der Lage, fast alle lebensbedrohenden Zustände vom schweren Asthmaanfall bis zum Herzinfarkt zu versorgen und dürften nach einer entsprechenden Zertifizierung auch Medikamente verabreichen. Mennewisch verwies auf das neue Berufsbild des Notfallsanitäters, die über noch mehr Kompetenzen verfügten als derzeit bereits die Rettungsassistenten. „Die hohe Qualität dieser Dienstleistung wollen wir noch weiter ausbauen“, versichert Wilkens.

Der Faktor Zeit

Die Bedeutung des Faktors Zeit schilderte Mennewisch am Beispiel eines Schlaganfallpatienten. Hier erfolge die Erstversorgung meist durch Rettungskräfte, dann müsse der Patient so schnell wie möglich zum Spezialisten beziehungsweise in Schlaganfallzentren, sogenannte „Stroke units“. Nur so könnten die nötigen Untersuchungen und die Lyse-Behandlung (die Auflösung des den Schlaganfall auslösenden Gerinnsels, die Red.) unternommen werden. „Hier zählt jede Minute“, so Mennewisch. „Da kann man manchmal nicht mal auf den Notarzt warten.“ Der Rettungsdienst arbeitet seit mehreren Jahren bei Schlaganfällen mit der „Stroke Unit“ des Klinikums Osnabrück zusammen.

Für Kreisrat Wilkens gibt es daraus nur eine Konsequenz: Die Rettungswachen bleiben. „Hier müssen wir noch nachrüsten“ – auch in Bramsche. Der Kreistag wird sich am 8. Dezember mit dem Konzept beschäftigen.


Das Rettungswesen und damit auch die Notarztstandorte fallen in den Zuständigkeitsbereich des Landkreises Osnabrück. Per Vertrag ist die Notarzt-Versorgung in Bramsche an die Niels-Stensen-Kliniken delegiert. Der bestehende Vertrag über den Notarztstandort Bramsche läuft zum Ende diesen Jahres aus, sodass eine Neuregelung nötig war. Vorgeschrieben ist, dass das erste „Rettungsmittel“, das ist in der Regel der Rettungswagen - innerhalb von 15 Minuten nach Alarmierung am Einsatzort ist. Das Gebiet, dass von Bramscher Notärzten versorgt wird, reicht von der Osnabrücker Stadtgrenze bis zum Alfsee sowie nach Mettingen und nach Kalkriese.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN