BN-Serie: Tao-Yoga trifft Qigong Ein Stück mentale Fitness im Alloheim in Bramsche



Bramsche. „Vor halb acht wird hier viel geredet. Danach nicht mehr“, hat Ursula Bock soeben noch verkündet. Und sie behält recht. Im kleinen Raum des Alloheimes an der Breuelstraße in Bramsche ist es sehr still geworden. Tao-Yoga ist angesagt, gemischt mit Elementen des Qigong. Elf Frauen haben sich eingefunden, dazu die Kursleiterin Ursula, unser Fotograf Rolf Kamper – und ich.

Bei „Fit in unserer Stadt“ (inzwischen Folge 17) geht es diesmal nicht um Tempobolzen wie zuletzt bei der Radsportgruppe des TuS Bramsche, sondern um „das Wiederfinden von Achtsamkeit, Gelassenheit und der inneren Mitte.“ So beschreibt es Ursula Bock.

Stuhl, im Stehen, Matte

Ein Dutzend Frauen finden sich hier in der Regel immer mittwochabends ein. Einige sind schon seit mehreren Jahren dabei. Andere erst seit kurzer Zeit. Alle betonen, das Tao-Yoga tue ihnen gut. Das Licht im Raum ist nicht allzu hell. „Wir liegen hier aber nicht nur herum“, betont die Kurstrainerin, „es ist auch sportlich.“

Die ersten Übungen werden noch im Sitzen auf dem Stuhl ausgeführt. Dabei spielen die richtige Atmung und die Augen eine zentrale Rolle. Das Dehnen und das Kräftigen der Muskulatur schließen sich an. Dazu das gezielte Anspannen und Loslassen. Anfangs begleiten uns asiatische Musikklänge. Die Stuhlübungen liegen hinter uns, wir führen die Bewegungen mittlerweile im Stehen aus.

Weil mir persönlich autogenes Training nicht fremd ist, kann ich mich relativ schnell und gut auf das Tao-Yoga konzentrieren. Es ist jetzt so ruhig im Saal, dass jedes Klicken des Fotoapparates von Rolf sehr, sehr deutlich zu hören ist. „Wir wollen unser inneres Lächeln finden“, gibt Ursula unterdessen vor. Die Übungen heißen Baum, Fünf Elemente oder Traumreise. „Wir wollen die Energie in unserem Körper wieder fließen lassen“, unterstreicht sie als Zielvorgabe.

Ausnahmslos lassen sich die anwesenden Kursteilnehmerinnen auf die Vorgaben und Aufforderungen von Ursula ein. So macht es Sinn. Alle gehen intensiv mit. Auf dem Stuhl, im Stehen – und nun im Liegen. Die ausgerollten Matten, die mitgebrachten Decken und Kissen kommen zum Einsatz. Die letzte halbe Stunde gehört der Meditation. Endgültig gewinnt die Entspannung die Oberhand. „Das geht so tief, dass gelegentlich auch mal jemand einschläft“, sagt Ursula Bock mit einem Lächeln.

Bock: „Auch sportlich“

Ein helles Geräusch beendet schließlich die Meditation. Ein „Kling …“ Mit gezieltem Drücken und Pressen kontrollieren alle Damen nun die Energiepunkte an ihren Händen, Armen und Füßen. Weitere Körperstellen werden danach gezielt abgeklopft – und so wieder vorsichtig aktiviert. 90 Minuten Tao-Yoga liegen hinter den Frauen, Rolf und mir.

Ich bin froh, mir die Zeit für diese Einheit genommen zu haben. Sie hat nach einem eher hektischen Arbeitstag ihre Wirkung nicht verfehlt. Gezielt konnte ich mein Tempo am Abend ein gutes Stück entschleunigen. Ich nehme die wichtige Erkenntnis mit, dass diese Fähigkeit erlern- und trainierbar ist. Sie kann somit ein großer Zugewinn sein. Und sie ist für mich persönlich ein weiteres Stück Fitness – mentaler Fitness.


Unsere Expertin Iris Greff sagt: Übungen für ein Mehr an innerer Ruhe

Der Taoismus ist einige Tausend Jahre alt. Er kommt aus dem früheren China. Dessen „Gründerväter“ entwickelten unter anderem eine ganze Reihe von Körperübungen, die den Menschen helfen, mehr innere Ruhe zu finden. Und aus dieser Entspannung neue Kraft für den Alltag zu schöpfen.

Das Tao-Yoga und Qigong sollen vor allem die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren, aber auch einen festen (mentalen) Stand im Leben vermitteln. In einer Zeit voller Hektik und Stress sind sie somit wohltuende Alternativen.

Linderung können Tao-Yoga und/oder Qigong beispielsweise bei Durchblutungs- und Schlafstörungen, bei Kopf- und Rückenschmerzen sowie nervöser Unruhe bringen. Generell Menschen mit psychosomatischen Störungen dürfen gerne – allerdings nach Rücksprache mit ihrem Arzt – prüfen, ob ein solcher Kurs für sie infrage kommt.

Viele Sportvereine bieten inzwischen entsprechende Gruppen an. Aber auch Fitnessstudios und manche Volkshochschule haben Tao-Yoga, Qigong oder artverwandte Angebote in ihr Programm aufgenommen.

Unsere Expertin Iris Greff (Foto) ist ausgebildete Fitnesstrainerin und gibt im Osnabrücker „aktivital“ Sportkurse.

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