Das Stachelschwein und der Hut Kreativität und Können beim Bramscher Tuchmarkt

Von Hildegard Wekenborg-Placke


Bramsche. Unter dem Motto „Klein, aber fein“ hatte das Tuchmachmacher-Museum am Sonntag wieder zum Tuchmarkt eingeladen. Eine Jury hatte zuvor rund 30 Aussteller ausgewählt, die in dem Areal am Mühlenort Textiles und ausgefallenes Zubehör anboten.

„Ich bin überrascht über die wunderbaren Angebote hier“, macht Bärbel Schubert aus ihrer Begeisterung keinen Hehl. Gemeinsam mit ihrer Schwiegertochter stöbert sie zwischen den hängenden Fischen, Vasen aus Teppichresten und gefilzten Übertöpfen der jungen Designerin Christine Wiegelmann . Ein Fisch hat es ihnen besonders angetan. Irgendwie erinnert der an einen Hai. „Man soll bei meinen Objekten ruhig ein bisschen schmunzeln“, meint die Designerin aus Meschendorf im Sauerland und zeigt auf „Cleo“, die Teppichvase. „Manche Objekte haben eben auch einen Namen“. Ganz so bierernst möchte Wiegelmann ihre Arbeit eben nicht sehen, und auch die Betrachter oder „Befühler“ müssen sich auf die eine oder andere Überraschung einstellen. Die kuschelig weich anmutenden gehäkelten Übertöpfe sind bretthart, weil mit einem speziellen Härtungsmittel behandelt.

Weniger auf den Überraschungseffekt als auf nostalgische Träume setzen Dorothea Landefeld und Ulrike Kohn, die Damastwäsche und Stoffe aus Großmutters Zeiten feilbieten. Aussteuerware ist dabei, noch mit Monogramm oder Lochstickerei verziert. „Diese Stoffe haben wir noch selbst gewebt.“ Dorothea Landefeld zeigt auf einen festen Kleiderstoff aus reiner Wolle. „Und aus so einem Smokingstoff wurde der Hochzeitsanzug meines Vaters gearbeitet.“ Landefeld entstammt aus einer alten Bramscher Tuchmacher-Familie – und mehr noch, die rüstige Seniorin setzte sich seinerzeit in einem absolut männlich dominierten Umfeld durch. Sie war seinerzeit Bramsches einzige Tuchmachermeisterin.

In der Kornmühle bietet Karin Müller ihre Hutkreationen aus Wollfilz an. Ihre Mit-Marktbeschickerin Tanja Niebuhr-Offermann hat sie bereits von einem kleinen grauen Hütchen überzeugt. „Der ist auch für Spaziergänge bei schlechtem Wetter optimal“, erklärt sie ihrer Kundin, die eine passende Kopfbedeckung für den morgendlichen Hundegang sucht. „Einfach wieder trockenschleudern und über der Hand in Form ziehen“. „Ich finde Hüte toll“, sagt Müller. „Nichts verändert einen Menschen so zum Positiven“, meint sie und zeigt auf eine schwungvolle violett-rote Filzkreation, die sie mit Stachelschweinborsten dekoriert hat. Ein spannender Kontrast.

Andere Beschicker präsentieren wollige Decken, Tücher oder Patchworkstoffe. Einlegesohlen aus reiner Wolle für kalte Wintertage, Einkauftaschen aus Filz, in denen ein Tageseinkauf verschwindet oder niedliche bunte Stoffhühnchen, die man gleich im Dutzend für das nächste Osterfest einlagern möchte.

„Wir legen Wert darauf, dass hier Designer und Produzenten ausstellen und nicht reine Händler“, sagt Museumschefin Kerstin Schumann. Manche sind bereits zum wiederholten Male da, für andere ist es eine Premiere. „So gibt es immer mal was Neues für die Besucher.“ Der Zuschauerandrang bestätigt das Konzept.