Wo Familien bummeln gehen Wieder Herbstkirmes in Bramsche

Von Holger Schulze


Bramsche. „Papa, Schoko, Geld!“, derart klare Ansagen in Verbindung mit einem Winken führten sicherlich nicht nur bei der Regierungserklärung eines etwa vierjährigen Knirpses dazu, dass sich der väterliche Geldbeutel öffnete und ein Standbetreiber auf der Herbstkirmes ein paar Euro mehr in seiner Kasse verbuchen konnte. Am Samstagnachmittag war ganz klar Familienzeit auf dem Rummel. Kinderbedürfnisse spielten die Hauptrolle, und das akustische Bild in den Fahrgeschäften wurde von einem jungen Stimmgewirr bestimmt.

Doch auch Kurzsätze aus dem Munde der Erwachsenenwelt gab es gelegentlich zu vernehmen. „Einmal kannst du noch, dann ist Schluss“, hieß es knapp und bündig an jenem Geschicklichkeitsspiel, bei dem es darum ging, mit einem zangenartigen Instrument bunte Plüschtiere zu ergattern.

Ein paar Meter weiter hieß es ebenfalls „einmal noch“. „Barbercut“ nennt sich die Geldeinsammelmaschine, bei der mittels einer durch zwei Tasten zu steuernden Schneidevorrichtung, durchaus veritable Gewinne wie ein Tablet, einen Receiver oder eine Kfz-Videokamera vom Faden getrennt werden können, wenn es denn gelingt. Hier stand Bülent Barsgan, der stets nur um einen knappen Millimeter seinen Erfolg verfehlte und deshalb immer wieder „nur noch einmal“ wollte. Doch auch bei ihm gebot weibliche Vernunft einer Endlosschleife an Euroverlusten Einhalt. Nina Barsgan hatte neben ihrem Mann noch zwei Kinder dabei, die ebenfalls etwas von der Kirmes haben wollten.

Simulator, Dosenwerfen, Afrozöpfe und der Skooter zählten bereits zu den Zielen der Familie. „Ich lass die Kinder fahren“, beschrieb Nina Barsgan ihr eigenes Kirmesverhalten, fand jedoch den Rummel selbst aus der Beobachterperspektive „toll, es sind viele Fahrgeschäfte hier, für den kleinen Ort ist das in Ordnung“, so ihre Einschätzung, bevor sie ihren Mann vom Geldschlucker weglotste.

Janik Schwan aus Bramsche gehört mit seinen 16 Jahren eher zu der Zielgruppe, für die auf der Kirmes ein knapp 24 Meter hoher Schwenkarm mit einer Beschleunigung von 5,6 g aufgebaut ist. Den jedoch hatte der junge Mann schon einmal bei einem der vorangegangenen Jahrmärkte getestet. „Viermal hintereinander, danach war mir kotzübel“, war ihm Lehre genug. In diesem Jahr galt sein Kirmesbesuch lediglich dem Genuss von Crêpes. „Nur Essen heute ist das Beste“, war der Kurzkommentar von Janik Schwan, zu seinen Kirmesvorlieben befragt.

Dies fand im Grundsatz auch Claudia, 18 Jahre alt. Allerdings wollte sie nach dem Döner noch eine Runde auf dem Break Dance drehen. „Der Magen schafft das schon“, gab sie sich zuversichtlich.

„Der Breake Dance ist cool, waren sich die Zwillingsschwester Luisa und Leonie aus Alfhausen einig. „Weil er schnell ist. Es ist wie fliegen“, konnten sie aus bereits gemachten Erfahrungen berichten. Doch auch die weitere große Auswahl an Ständen und Fahrgeschäften überzeugte die beiden 13-Jährigen. „Schade nur, dass dabei das Taschengeld so schnell weg ist“, war bei ihnen der einzige Wermutstropfen in ihrem Herbstkirmesnachmittag.