Bramscher Wirtschaft im Porträt Bramsche: Sostmann mit Qualität erfolgreich

Von Christoph Lützenkirchen

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Bramsche. „Bullerei“ – so heißt ein Restaurant des Fernsehkochs Tim Mälzer in Hamburg. Der prominente Küchenchef ist bekannt für seine hohen Qualitätsansprüche. Einkaufen tut er unter anderem in Bramsche. „Tim Mälzer bestellt regelmäßig Fleisch bei uns“, bestätigt Christian Sostmann, Chef der Feinkost-Fleischerei Sostmann an der Bramscher Münsterstraße. Zu den überregionalen Kunden zählen außerdem die Autostadt Wolfsburg oder Feinkosthändler aus Hamburg und Berlin. Offenbar hat sich die Qualität der Sostmann-Fleischprodukte herumgesprochen.

Dazu dürften die zahlreichen Auszeichnungen beigetragen haben, die das Unternehmen im Laufe der Zeit erhalten hat; sicher aber auch die Leidenschaft, mit der Christian Sostmann sein Unternehmen führt.

Mit leuchtenden Augen erzählt der 39-Jährige, dass er schon immer Fleischer werden wollte. „Ich bin in der Welt der Fleischer aufgewachsen. Wir wohnten früher direkt über unserem Hauptgeschäft. Meine Hausaufgaben habe ich oft im Büro meiner Eltern gemacht.“ Schon als Kind half Sostmann im Betrieb der Eltern mit. Fleisch isst er für sein Leben gern. Was lag da näher, als den Traumberuf Fleischer auch selbst zu ergreifen? „Daran habe ich nie gezweifelt“, sagt Sostmann: „Auch dass ich später den Betrieb übernehmen würde, erschien mir selbstverständlich.“ Im Anschluss an das Abitur begann er 1994 in Versmold seine Berufsausbildung. Es folgte ein betriebswirtschaftliches Studium in Münster. „Das beinhaltete ein halbjähriges Praktikum“, erinnert sich Sostmann, „ich arbeitete in einem Betrieb im Schwarzwald. Von dort beziehen wir bis heute Schinken.“

Nachdem der heute 39-jährige sein Studium 2001 als Betriebswirt abgeschlossen hatte, besuchte er noch eine Meisterschule für Fleischer in Frankfurt. „Ich wollte mich gut vorbereiten“, sagt Sostmann: „Wir haben ein drastisches Fleischersterben in Deutschland.“ Sein Ziel: Der elterliche Betrieb sollte so strukturiert werden, dass er zukunftsfähig ist. Ab 2002 arbeitete Christian Sostmann Vollzeit im Unternehmen mit.

Hat er in der Geschäftsführung der Fleischerei von den vielen Erfahrungen und Kenntnissen profitiert, die er sich im Laufe seiner achtjährigen Ausbildung aneignete? Was hat sich seitdem verändert? „Mein erstes Projekt war unser Anbau und die Modernisierung des Hauptgeschäfts“, sagt Sostmann: „Wir haben unser Sortiment erweitert und umgestaltet. Insbesondere bieten wir heute mehr küchen- und tafelfertige Produkte an als vor meiner Zeit. Der Schwerpunkt hat sich von der Fleischerei mehr zur Feinkostfleischerei verschoben. Da gibt es auch Dinge wie hausgemachte Antipasti.“

Das in Bramsche etablierte neue Konzept hat Sostmann nach und nach auf alle seine elf Filialen übertragen. Mehr als 200 verschiedene Fleisch- und Wurstwaren sowie Feinkostartikel bietet das Unternehmen an. Hergestellt werden sie aus gut 2000 Zutaten, die man nach Möglichkeit regional einkauft. Sein Fokus liege auf der Qualität, betont Christian Sostmann immer wieder. Zwar sind seit seinem Einstieg ins Geschäft drei Filialen hinzugekommen, doch der 39-Jährige ist überzeugter Mittelständler.

Eine Firmenstrategie, die einseitig auf Wachstum setzt, kommt für ihn nicht infrage. Ganz wichtig ist ihm das Leitbild, das er für die Fleischerei entwickelt hat. Darin verpflichtet sich das Unternehmen beispielsweise zu intensiven Bemühungen um Tierschutz, handwerkliche Herstellung und umweltgerechtes Wirtschaften. Akkordarbeit gibt es bei Sostmann nicht. „Unsere Mitarbeiter sollen das ernst nehmen“, wünscht sich der Chef: „Wenn wir davon abweichen, sollen sie mich ansprechen.“

Für seine Qualitätsgrundsätze ist Christian Sostmann auch bereit, Abstriche bei der Wirtschaftlichkeit zu machen. „Wir schlachten in unserer eigenen Schlachterei rund 160 Schweine in der Woche“, erklärt er: „Doch die behördlichen Auflagen werden von Jahr zu Jahr umfangreicher. Das ist teuer für uns. Viel billiger wäre es, das Fleisch von Großbetrieben zu kaufen, die wöchentlich 200000 Schweine schlachten.“ Trotzdem investierte Sostmann kontinuierlich in den Standort. Für ihn ist zentral, dass er alle Wertschöpfungsstufen im eigenen Unternehmen kontrollieren kann, vom Stall bis auf den Tisch. Die ständige Herausforderung liege darin, trotz des höheren Aufwands einen wettbewerbsfähigen Preis zu realisieren, so Sostmann. Schon sein Vater habe dieses Konzept verfolgt.

Vor dem Hintergrund des hohen Qualitätsanspruchs wundert es kaum, dass Christian Sostmann mit seinem Unternehmen schon 2006 offizieller Förderer der Organisation „Slow Food“ wurde. Diese hat sich unter anderem das Ziel gesetzt, alte Pflanzensorten und Tierrassen zu schützen. Der Fleischer bringt es auf eine ebenso einfache wie prägnante Formel: „Erhalten durch Aufessen.“ Aus der Unterstützung für Slow Food erwuchs wenig später das Engagement des Bramscher Unternehmers für die traditionelle Schweinerasse „Bunte Bentheimer“. Seit sechs Jahren stellt die Fleischerei Produkte aus dem Fleisch der Tiere her, die nach den Richtlinien des biologischen Landbaus zertifiziert werden. Die Bunten Bentheimer werden etwa zweimal so alt wie normale Mastschweine. Sie fressen in dieser Zeit mehr als das Doppelte. Ihr Fleisch hat mehr Fett. Kenner wissen, dass es deshalb besonders aromatisch schmeckt. „95 Prozent unserer Kunden bevorzugen aber mageres Fleisch“, sagt Sostmann: „Wir müssen das Produkt deshalb sehr gut erklären.“ Damit die Mitarbeiter im Verkauf das leisten können, gibt es regelmäßig betriebsinterne Schulungen. Auch im Verkauf setzt der Fleischer auf solide Qualifikation. „Wir arbeiten in unseren Läden fast ausschließlich mit Fleischereifachverkäuferinnen“, so Sostmann.

Ist es nicht sehr zeitaufwendig und kraftraubend, ein derart komplexes Unternehmen zu führen? Christian Sostmann hat noch nie ausgerechnet, wie viele Stunden er wöchentlich in der Firma verbringt. Die Fleischerei war schon immer und ist bis heute ein fester Bestandteil seines Lebens. Trotz allem findet er Zeit für die Familie und sein großes Hobby, das Grillen. Oft reicht es auch zum Basketball mit Freunden. „Wir spielen seit Jugendzeiten zusammen“, sagt Sostmann.


Sostmann

Die Feinkostfleischerei Sostmann feierte im letzten Jahr ihr 175-jähriges Firmenjubiläum. Der heutige Chef Christian Sostmann führt das Familienunternehmenbereits in sechster Generation. Gegründet haben es 1838 Johann Friedrich Sostmann, Sohn eines Bramscher Tuchmachers, und seine Frau Katharine Elisabeth.

Schon in den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts belieferte Sostmann Kunden weit außerhalb der Region Osnabrück, darunter das Hotel „Schneefernerhaus“ auf der Zugspitze und das „Stern-Hotel“ in Bonn.

Seit den 1960er-Jahren eröffnete das Familienunternehmen erste Filialen; inzwischen betreibt Sostmann insgesamt elf Läden von Neuenkirchen/Oldenburg im Norden bis Georgsmarienhütte und Ibbenbüren im Süden.

Zum Firmenprofil gehört der regionale Einkauf. Die Tiertransporte sollen nicht länger als 30 Minuten dauern. Alle Lieferanten sind Firmenchef Christian Sostmann persönlich bekannt.

In Zukunft will Sostmann den Feinkostbereich weiter ausbauen. Möglicherweise könnten auch weitere Filialen hinzukommen.

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