Automobilzulieferer investiert drei Mio. Euro Neuausrichtung bei Heyform in Engter: 20 Mitarbeiter müssen gehen

Blick in die Bücher über den Werkshallen: Der Vorsitzende der Geschäftsführung, Dr. Gerhard Müller-Broll (r.), die Kaufmännische Geschäftsführerin, Elke Hüttker, und der Betriebsratsvorsitzende, Dietmar Schminkel (l.). Foto: Marcus AlwesBlick in die Bücher über den Werkshallen: Der Vorsitzende der Geschäftsführung, Dr. Gerhard Müller-Broll (r.), die Kaufmännische Geschäftsführerin, Elke Hüttker, und der Betriebsratsvorsitzende, Dietmar Schminkel (l.). Foto: Marcus Alwes

Engter. Erst seit wenigen Wochen ist er da. Doch Gerhard Müller-Broll ist sich sicher, „die Konsolidierung ist abgeschlossen, ohne dass es Schrammen gegeben hat. Das heißt, wir haben keinen Kunden verärgert. Und wir haben investiert in das Automobilgeschäft. Auf der Basis dieser Investitionen werden wir in den nächsten Jahren wieder wachsen.“ Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Heyform Bramsche GmbH sendet damit ein positives Signal aus Engter. Der Automobilzulieferer mit seinen künftig 340 Mitarbeitern richtet sich neu aus.

Aus defizitären Geschäftsbereichen, vor allem dem sogenannten Nicht-Automobilgeschäft (beispielsweise dem Kabinenbau für Radlader), steigt Heyform aus, kündigt Müller-Broll im Gespräch mit unserer Zeitung an. Diese Schritte habe auch die Unternehmensberatung Roland Berger empfohlen.

„Dieser Ausstiegsprozess ist jetzt in diesen Tagen abgeschlossen“, so der neue Unternehmensmanager weiter. Und zwar im Einvernehmen mit den jeweiligen Kunden und Vertragspartnern. „Parallel dazu haben wir damit begonnen, unsere Automobilaktivitäten zu stärken. Wir werden am Ende des Jahres hier am Standort etwas mehr als drei Millionen Euro investiert haben. In den Ausbau für neueste Technologie. Namentlich ins Pkw-Geschäft.“

Künftig 340 Beschäftigte

Müller-Broll unterstreicht: „Diese Kapazitäten, die wir da aufbauen, dienen der Herstellung von Leichtbauteilen.“ Das seien zum Beispiel Ladeböden für Autos oder das, was man früher die klassische Hutablage nannte. Also „die Abtrennung zwischen dem Gepäckraum und dem hinteren Fahrgastbereich.“

Die klare Fokussierung auf die Produktion von Leichtbauteilen solle das Unternehmen „schon bald wieder wachsen“ lassen und ihm eine bessere Marktposition bescheren. „Wir sind sicher, mit dem Thema Leichtbau im Moment in einem Segment unterwegs zu sein, das eine solide Plattform ist.“

Den unlängst eingeschlagenen Weg nennt Müller-Broll „eine klassischen Konsolidierung“. Dies habe auch zur Folge, dass sich Heyform von zwanzig seiner zuletzt 360 Mitarbeiter trennen werde. Nicht an der Produktion beteiligte Mitarbeiter (sogenanntes Indirektes Personal) seien von den betriebsbedingten Kündigungen betroffen. Dazu gehören Leih- und Zeitarbeitskräfte ebenso wie Mitarbeiter aus dem Unternehmensstamm.

Diese Grundsatzentscheidung war den Heyform-Angestellten in Engter vor zwei Wochen während einer Mitarbeiterversammlung offiziell verkündet worden. „Nach der erfolgten Anhörung des Betriesrates werden wir nun die entsprechenden Einzelgespräche mit den 20 Betroffenen führen“, erläutert die Kaufmännische Geschäftsführerin, Elke Hüttker. Sie betont: „Wir wollen eine vernünftige, für alle verträgliche Vorgehensweise finden.“

Umsatz-Tal im Jahr 2015

Der Betriebsratsvorsitzende Dietmar Schminkel nennt die Kündigungen „sicherlich sehr bedauerlich“, doch augenblicklich seien sie „wohl eine bittere, aber notwendige Maßnahme für die notwendige Neuausrichtung“. Arbeitnehmervertreter Schminkel hofft für das Jahr 2016, „dann wieder Personal aufbauen“ zu können. Bis dahin sollen sich auch die Umsatzzahlen bei Heyform verbessert haben, selbst wenn nach den jüngsten finanziellen Aufwendungen für das Jahr 2015 noch einmal eine Delle nach unten droht..

Bislang bediente das Unternehmen, dessen zentraler Gesellschafter die Nordholding aus Hannover ist, übrigens mit ihren Produkten vor allem Kunden im westeuropäischen Markt, ebenso in Ungarn. Doch neuerdings reifen auch Auslandspläne zu Niederlassungen in Amerika und in Asien. Das soll künftig ebenfalls die strategische Wettbewerbsposition der Bramscher verbessern.

Weitere Wirtschaftsnachrichten aus der Region Osnabrück-Emsland unter www.noz.de/regionale-wirtschaft


Wir meinen: In dem umkämpften Markt, in dem die Heyform Bramsche GmbH unterwegs ist, werden Aufträge an Firmen häufig aufgrund von Cent-Preis-Unterschieden vergeben. Wer sich hier behaupten will, muss also äußerst konkurrenz- und leistungsfähig sein. Da ist es nur richtig und konsequent, dass sich Heyform – einer der Nachfolger der einstigen Julius Heywinkel GmbH – modernisiert und seine Produktionsbedingungen in Engter auf Vordermann bringt. Künftig einen Schwerpunkt auf die Herstellung von Leichtbauteilen zu setzen könnte sich ebenfalls als goldrichtig erweisen. Schließlich sind mit Blick auf CO2-Ausstöße und Wendigkeit immer leichtere Autos am Markt gefragt. Da sollte es sich auszahlen, wenn Heyform unter den Automobilzulieferern gerade solche Produkte anbieten kann.

Auslandspräsenz: Heyform denkt an China und Mexiko

Bei der Schaffung einer Präsenz im Ausland folgt die Heyform Bramsche GmbH den Vorschlägen der Berater-Firma Roland Berger. Insbesondere den amerikanischen Markt (Nafta – Kanada, USA, Mexiko) und den asiatischen Raum hat der Vorsitzende der Geschäftsführung, Gerhard Müller-Broll, ins Visier genommen.

„Wir führen schon in dieser Woche Gespräche mit potenziellen chinesischen Partnern. Und wir sind auch schon in Gesprächen mit einem möglichen Partner in Mexiko“, sagt Müller-Broll.

„Mexiko ist hochinteressant“, betont der Manager, weil zentrale Kunden von Heyform – nämlich BMW, Audi, Volkswagen – dort in näherer Zukunft ihr Engagement „noch einmal deutlich ausbauen wollen“.

Die rechtliche Struktur eines Auslandsengagements ist dagegen noch offen. Denkbar: Tochtergesellschaften oder Joint Ventures.

0 Kommentare