Mittel von EU und Land Frisches Obst und Gemüse für Bramscher Schüler

Von Hildegard Wekenborg-Placke


Bramsche. Die EU gibt einen aus und die Grundschüler profitieren. Noch in diesem Herbst bekommen Niedersachsens Erst- bis Viertklässler dreimal pro Woche eine Portion frisches Obst und Gemüse. Dabei sind auch etliche Bramscher Grundschulen und zwei Lieferanten aus der Region.

„Gesunde Ernährung ist für uns ein ganz wichtiges Anliegen“, sagt die Leiterin der Bramscher Meyerhofschule, Petra Tiemeyer. Ihre Schule ist deshalb genauso selbstverständlich dabei wie die Grundschule Im Sande und die Martinusschule, die Grundschulen in Engter, Hesepe, Ueffeln sowie die Waldorfschule und die Johannesschule sowie die Wilhelm-Busch-Schule. „Frisches Obst und Gemüse sind leider längst nicht allen Kindern vertraut“, klagt die Rektorin. „Wir wollen sie auf den Geschmack bringen, damit sie anschließend sagen: ‘Das kann ja richtig lecker sein.“ Günter Kruse-Joachim von der Grundschule Engter nennt das EU-Programm „eine richtig gute Idee“. Besonders mundgerecht portioniert kommen Äpfel, Möhren, Paprika und Gurken prima an,Deshalb hat er in einem Elternbrief die Väter und Mütter um Unterstützung. „Und wenn dann noch der Kumpel sagt, dass es gut schmeckt, dann wird das was“, meint Kruse-Joachim.

Die Engteraner Grundschule bekommt die Frische-Kiste von den Gemüsegärtnern aus Kalkriese. Einmal in der Woche, am Montag, wird der Transporter vorfahren, Mittwoch, Donnerstag und Freitag wird verteilt. „Das ist für uns kein Problem“, meint der Rektor. „Wir können die Lieferung lagern, weil uns ja noch die Küche der Hauptschule zur Verfügung steht“.

„Endlich ist das Programm auch in Niedersachsen angekommen“, freut sich Udo Engelke von den Gemüsegärtnern. In Bayern und Baden-Württemberg, aber auch in Nordrhein-Westfalen gehört die Extra-Portion Vitamine schon seit Jahren zum Schulalltag. Niedersachsen und Bremen sind jetzt die Bundesländer Nummer acht und neun, in denen die Kinder mit einer Extraportion Vitamine versorgt werden.

Vor den ersten Biss in den Apfel hat die EU-Bürokratie allerdings die Überwindung diverser Papierberge gesetzt. Zunächst mussten sich die Schulen in einem offiziellen Verfahren um die Teilnahme bewerben. Dazu war ein 17 Punkte umfassender Katalog von Förderbedingungen abzuarbeiten. Gleiches gilt für die Anbieter, denen das Ministerium auf der Seite www.schulobst.niedersachsen.de zudem eine exakte Liste der förderfähigen Waren vorgibt. Dann kann vor Ort verhandelt werden. Die Schulen erteilen eine Auftragsbestätigung, die wiederum vom Lieferanten zur Landwirtschaftskammer Niedersachsen weiter geleitet werden. Erst dann kann irgendwann das Obst verteilt werden. „Wir hoffen, dass es nach den Herbstferien endlich soweit ist“, meint Engelke.

Trotz des bürokratischen Aufwands haben sich auch Martina Heidebreck und Michael Kruse vom gleichnamigen Biolandhof in Pente nach reiflicher Überlegung entschieden: „Wir machen’s“. Befreundete Hofbesitzer in Nordrhein-Westfalen trugen ihre ermutigenden Erfahrungen bei. Man überlegte einen Lieferplan und ein Portionierungskonzept. „Dann sind sind wir in den Schulen Klinken putzen gegangen“, schmunzelt der Landwirt. Bei manchen Schulen rannte Martina Heidebreck mit ihrem offene Türe ein, mancherorts musste doch reichlich Überzeugungsarbeit geleistet werden und in einigen wenigen Fällen holte sie sich auch eine Abfuhr. Zuviel Arbeit, Bedenken wegen der Hygiene oder der Abfalltrennung, habe es geheißen, erinnert sich Martina Heidebreck..

Dennoch steht Bramsche, was die Teilnehmerzahl angeht, hervorragend da. Obwohl es die Schulen und die Schüler keinen Cent kostet, haben sich längst nicht alle niedersächsischen Schulen in das Projekt eingeklinkt. Wohl deshalb bekamen alle Schulen, die sich bewarben, auch grünes Licht aus Hannover. Geld ist offenbar reichlich vorhanden. Landwirtschaftsminister Christian Meyer von der Grünen verspricht sich von dem Programm neben den gesundheitsfördernden Aspekten auch positive Effekte für die Obst- und Gemüsebauern des Landes.

Dass in der Bramscher Region zwei Bio-Betriebe den Zuschlag bekommen haben, ist übrigens nicht zwingend im Programm vorgesehen. Aber es kam gut an. „Wenn schon Obst und Gemüse, dann Bio“, beschreibt Engelke seine Eindrücke von den Gesprächen.

Jetzt geht es in die praktische Umsetzung. Von A wie Ananas bis Z wie Zucchini kann nach Liste des Ministeriums in die Kisten gepackt werden. Michael Kruse hat an diesen Vorgaben als Verfechter des Saisonalen und Regionalen und Vater mehrerer Kinder noch einige Zweifel. „Spargel roh in Stücken. Welches Kind isst das denn?“ Und Paprika außerhalb der Saison müsste zugekauft werden und wären deshalb teurer. 3,50 Euro pro Kind und Woche bekommen die Bio-Lieferanten, 3 Euro die konventionellen Betriebe. Die Bio-Anbieter können damit keine großen Geschäfte machen. Was zugekauft werden muss, ist schon im Einkauf wesentlich kostspieliger als konventionelle Lebensmittel. Im Herbst wird deshalb in den Kisten mit Sicherheit reichlich zu finden sein, was die meisten Kinder ohnehin mögen: Knackige Äpfel, Birnen und Möhren. „Der Rest wird sich einspielen“, meinen Heidebreck und Kruse.


Das Schulobstprogramm wird zu 75 Prozent aus EU-Mitteln und zu 25 Prozent aus Landesmitteln finanziert. Im zeitraum vom 15. September 2014 bis 23. Juli 2015 stehen nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums insgesamt 3.670.777 Euro zur Verfügung. Zielgruppe des Programms sind Grundschulen mit den Klassen 1 bis 4 und Förderschulen sowie Landesbildungszentren mit den Klassen 1 bis 6 und die Schulkindergärten.

Potentielle Nutznießer wären damit in Niedersachsen rund 313.000 Kinder an 2070 Schulen.

Im BN-Gebiet beteiligen sich die Martinusschule, die Meyerhofschule, die Grundschulen Im Sande, Hesepe, Ueffeln und Engter, Neuenkirchen und Vörden, die Waldorfschule Evinghausen sowie die Wilhelm-Busch-Schule und die Johannesschule Evinghausen.