Großes Programm bei Justus Bauernmarkt in Engter regt auch zum Nachdenken an

Von Holger Schulze


Engter. Den Tag der offenen Tür mit einem Bauernmarkt zu kombinieren ist bei der Bäckerei Justus eine inzwischen gewachsene und etablierte Tradition. Am Sonntag war es wieder einmal soweit. Ein umfangreiches Bühnenprogramm, mehr als 40 Stände im Außengelände und die geöffnete Bäckerei, auch zum Mitmachen, bescherten dem Backwarenhersteller bei schönem Wetter regen Zulauf, ein volles Festzelt sowie das Interesse eines generationenübergreifenden Publikums.

Mit nachdenklicher Note startete der Tag. Um zehn Uhr fanden sich Bürgermeisterin Liesel Höltermann, Ute Schwarz von der Bramscher Außenstelle der Osnabrücker Tafel und Dieter Möllmann, die Tafel in Osnabrück vertretend, als Gäste vor den Mikrofonen im Festzelt ein. Der Umgang mit den Lebensmitteln lautete das Thema der Gesprächsrunde. Neben allgemeinen Informationen über die Arbeit der Tafel war ein spezieller Gesprächsgegenstand die Überproduktion im Bäckerhandwerk. Auf „um die 15 Prozent“ taxiert Betriebsinhaber Jörg Barowski den Anteil der Waren aus seiner Tagesproduktion, der lediglich dafür hergestellt werden muss, „damit die Kunden auch noch kurz vor Feierabend ein ansprechendes Sortiment in den Regalen vorfinden“. Hochgerechnet auf sämtliche Bäcker in Deutschland kommt da schon ein bedenkenswerter Backwarenberg tagtäglich zusammen.

Hinsichtlich dieser für den Verkauf letztlich nicht benötigter Lebensmittel hat Justus bereits seit 1996 mit der Tafel in Osnabrück einen Partner gefunden, der solche Lebensmittel vor der sonst fälligen Vernichtung bewahrt. In diesem Jahr wurden die Tafel Osnabrück und deren Außenstelle Bramsche zusätzlich der „Benefizpartner“ der Bäckerei. Statt Standgelder zu erheben, bat Justus die Aussteller nach dem Ende des Bauernmarktes um eine Spende für die Tafel, die demnächst offiziell überreicht werden wird.

Blasmusik und Zumba, Kinderballett und Line Dance, Volkstanz und Samba sowie Zaubereien und Trommeleien bestimmten nach dem Podiumsgespräch das Geschehen auf der Bühne im Zelt. Nebenan konnten in der geöffneten Produktionshalle Kinder ihre Kreativität bei der Süßwarenverzierung ausleben, legten Bäcker gekonnt Hand an das Ausgangsmaterial von Broten an, und zu erwerben gab es natürlich auch die eine oder andere Spezialität aus dem Hause Justus. Ob Filzwaren und Handgearbeitetes, Gemüse und Obst, Ponyreiten und Kunst mit der Kettensäge, die Strohballenburg oder Holzschmuck, das Angebot des Bauernmarktes war gleichfalls üppig ausgefallen.

„Es ist jedes Jahr anders hier“, stellte Esther Pfänder fest, die mit Mann und ihren beiden Töchtern auf dem Markt unterwegs war. „Es wird immer größer. Man kann Leute treffen und das schöne Wetter genießen. Auch dass die Kinder selbst mal Bäcker spielen können, finde ich gut“, zeigte Esther Pfänder vom Bauermarkt angetan.

Aber nicht nur Kinder wurden fast zu großen Bäckern. Auch eine Entwicklung ein wenig in die entgegensetzte Richtung beobachtete man am Stand der Kaninchenzüchter aus Engter. Füttern und streicheln war dort erlaubt. „Und wenn die Kinder keine Lust haben, dann streichelt eben der Opa“, ließ eine amüsierte Züchtergemeinschaft wissen.