Interview mit Christian Grade Eper Schulleiter: Kinder brauchen Zeit zur Entwicklung

Von Björn Dieckmann

Christian Grade
              
              Foto: wekChristian Grade Foto: wek

Bramsche. 275 Kinder in Bramsche erleben am Samstag ihren ersten Schultag, darunter 24 Jungen und Mädchen an der Honigmoorschule in Epe. Was die Kinder und ihre Eltern, aber auch das Lehrerkollegium in den kommenden Jahren erwartet, erklärt Honigmoor-Leiter Christian Grade.

Herr Grade, Einschulung an der Honigmoorschule: Was ist geplant zur Begrüßung der Erstklässler?

Wir bekommen 24 neue Schüler, die zusammen eine Klasse bilden werden – die größte an unserer Schule, wir hatten vergleichsweise viele Anmeldungen. Diese Kinder werden wir herzlich willkommen heißen. Zu Beginn mit einem Gottesdienst in der Turnhalle mit Pfarrer Kotte und Pastor Unterderweide. Es folgt die offizielle Einschulung, bei der ich als Schulleiter einige Worte sage. Die neuen Schüler werden dann von ihren Paten aus der vierten Klasse in den Klassenraum zu ihrer ersten Schulstunde begleitet, während der Förderverein die Eltern, Geschwister und Angehörigen zu Kaffee und Keksen einlädt. Wir erwarten viele Gäste. Die Einschulung hat sich ja allgemein zu einer größeren Feier für die Familien entwickelt.

Für die Kinder beginnt der „Ernst des Lebens“. Sind auch der Schulleiter und seine Kollegen etwas aufgeregt?

Es ist für uns jedes Jahr aufs Neue eine Herausforderung, die Jungen und Mädchen an das Schulleben heranzuführen und sie zu integrieren. Dabei kommt uns entgegen, dass wir zu den Kindern und ihren Eltern schon seit Mai vergangenen Jahres Kontakt haben. So lange ist die Anmeldung bereits her. Danach haben wir immer mal wieder die zukünftigen Erstklässler zu uns eingeladen, zu Sommer- und Weihnachtsfeiern und zu einem Schnuppertag, bei dem sie ihre Paten kennengelernt haben. Ebenso haben seit Beginn dieses Jahres Elternabende stattgefunden. Und der Austausch mit den Kitas ist sehr eng, da halten wir viel Rücksprache. Dadurch können wir die Jungen und Mädchen gut einschätzen, wenn sie zu uns kommen, und die Kinder sind mit ihrer neuen Umgebung auch schon vertraut.

Was gibt der Schulleiter seinen neuen Schülern, aber auch den Eltern mit auf den Weg?

Wir sind eine kleine Schule, in diesem Jahr mit 86 Kindern, haben aber einen weitläufigen Einzugsbereich. Mir ist es deshalb sehr wichtig, ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu entwickeln, Schule als Ort des gemeinsamen Erlebens für die Kinder und genauso für die Eltern anzubieten. Ansonsten gilt: Ruhe bewahren! Es funktioniert nicht bei allen alles gleichzeitig. Deshalb werbe ich auch dafür, die Kinder nicht untereinander zu vergleichen, nicht mit anderen Schülern, auch nicht mit Geschwistern. Man sollte den Kindern Zeit geben, sich zu entwickeln.

Haben die Kinder denn diese Zeit? Es heißt oft, der Leistungsdruck sei auch in der Grundschule enorm gestiegen.

Es ist so, dass durch die Abschaffung der Orientierungsstufe die Entscheidung darüber, welche weiterführende Schule die Kinder einmal besuchen werden, in die Grundschulen verlagert worden ist. Das entscheidet sich anhand der Noten, insofern baut sich mit der Zeit sicherlich ein gewisser Druck auf. Doch da sollte man sein Kind hineinwachsen lassen: Jeder macht auf seine Weise Fortschritte, und in dieser individuellen Entwicklung gilt es die Kinder zu begleiten und zu fördern – durch uns im Lehrerkollegium und ebenso durch die Eltern.