Eine Stunde mit Marc Zweers Ueffelner Sandgrube exportiert bis nach China

Von Christoph Lützenkirchen

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Elektronik auf dem Radlader: auf der Anzeige kann Marc Zweers lesen, wie viel er geladen hat. Foto: Christoph LützenkirchenElektronik auf dem Radlader: auf der Anzeige kann Marc Zweers lesen, wie viel er geladen hat. Foto: Christoph Lützenkirchen

Ueffeln. Einen Teil seiner Kindheit hat Marc Zweers in einer Sandgrube verbracht. „Ich konnte schon mit zehn Radlader fahren“, erzählt der 43-Jährige aus Ueffeln: „Von außen sah das seltsam aus, weil in der Kabine kein Fahrer zu sehen war.“ Zusammen mit seinem Bruder Uwe gehört ihm die Sandgrube. Mitarbeiter sind neben Marc und Uwe zwei Söhne des Bruders und zwei Angestellte. Die Mutter der Brüder und Uwes Frau arbeiten im Büro mit. Das Familienunternehmen besitzt in Ueffeln insgesamt drei Sandgruben, zwei davon werden aktiv bewirtschaftet.

Heute bereitet Zweers Füllsand vor. Dafür vermischt er mithilfe des Radladers Sand mit lehmigem Sand. Die Schaufel der Maschine fasst zehn Tonnen. Eine elektronische Anzeige im Führerhaus zeigt Zweers an, wie viel er geladen hat. So ein Radlader Marke „Liebherr“ kostet mehr als 200000 Euro. Dennoch arbeitet der Familienbetrieb fast ausschließlich mit eigenem Gerät, das weitgehend auch selbst gewartet wird. Einer der Neffen von Marc Zweers ist Kfz-Meister für Nutzfahrzeuge, der zweite Landmaschinenmechaniker. Morgens um sieben beginnt der Arbeitstag in der Sandgrube, nachmittags um fünf ist Feierabend. „Samstag sind wir auch in der Grube“, erzählt Zweers. Dann rollen die Privatkunden mit ihren Anhängern an. Sie holen Material für den neuen Sandkasten oder Pflastersand.

Schon Zweers Vater hat in Ueffeln Sandgruben bewirtschaftet. Die Grube, in der wir unterwegs sind, besteht seit vierzehn Jahren. Vorher war das alles Acker. Familie Zweers hat den Standort gezielt gekauft, um dort Sand abzubauen. Der 43-Jährige hat schon immer gern im elterlichen Betrieb mitgearbeitet. Da gebe es im Laufe des Tages viel Abwechslung, sagt er: „Man muss alles machen. Maschinen reparieren und instand halten, es kommt immer was Neues.“

„Immer was Neues“

Im Unterschied zum Bergmann, der ebenfalls Bodenschätze nutzt, existiert für die Arbeit in der Sandgrube keine Berufsbezeichnung. Was man auf jeden Fall braucht, ist ein Führerschein für Lastkraftwagen. „Berufskraftfahrer war meine erste Ausbildung“, so Zweers. Bei einem Unfall in einer Sandgrube verlor er vor 20 Jahren den linken Arm. Dennoch blieb er dabei. „Ich kam aus dem Krankenhaus und bin gleich zur Arbeit gefahren“, erinnert er sich: „Das Leben geht weiter.“

Abgebaut wird der Sand aus den steil abfallenden Wänden ringsum. Außerdem fördert der Saugbagger Sand, er schwimmt auf dem See in der Mitte der Sandgrube. Wie stark die Sandschichten sind, kann Zweers auch nicht genau sagen. Mindestens 40 bis 50 Meter sollten es sein, die kommen zusammen, wenn man die Tiefe des Sees und die Höhe der Steilwände addiert. Marc Zweers rechnet damit, dass die Vorräte noch 20 Jahre reichen werden. Der roh abgebaute Sand muss bearbeitet werden, damit er für die verschiedenen Anwendungen optimale Eigenschaften mitbringt. Er wird gesiebt, gewaschen und gemischt. Die Sandwerker sind in der Lage, viele Tonnen Sand auf eine Körnung von einem Millimeter zu sieben. „Wir setzen dafür Wasser und sehr feine Siebe ein“, erklärt Marc Zweers.

Die Spezialsande von Zweers sind zertifiziert. Das Unternehmen liefert bis zu 20 verschiedene Mischungen. Für Betonwerke etwa soll die Körnung bei null bis zwei Millimetern liegen. „Die Qualität 01 mit einem Millimeter Körnung wird hauptsächlich zum Mauern verwendet“, sagt Marc Zweers. Wer ihn über Sand sprechen hört, begreift, dass Sand mitnichten gleich Sand ist. Von speziellem Sand spricht er, von scharfem Sand, von gewaschenen Sanden. Kunden von weit her schätzen die Produkte der Ueffelner Sandgrube. „Ich bin mal für zwei Kubikmeter bis nach Hamburg gefahren“, erzählt Marc Zweers, „der Kunde wollte unbedingt unseren Sand.“ Ein großer Abnehmer ist das Quick-Mix-Betonwerk in Schwagstorf. Von dort reist manche Tonne Sand um die halbe Welt. Zweers berichtet von einer Großbestellung aus China.

Ein kleiner Lkw kommt vom Tor herunter. Er steuert direkt den Radlader an und hält neben uns. Durch das geöffnete Fenster ruft der Fahrer: „Moin! Fünfeinhalb Meter Mutterboden.“ Zweers bestätigt die Bestellung. Auch der Mutterboden kommt aus der Sandgrube, er liegt als oberste Schicht auf dem Sand. Für den Verkauf wird er gesiebt und laufend unkrautfrei gehalten. Marc Zweers weiß, dass ein Kubikmeter Mutterboden in etwa eineinhalb Tonnen wiegt. So kann er genau die Menge mit der Schaufel aufnehmen, die der Kunde haben will. „Schwierig wird das bei den kleinen Mengen für die Privatkunden“, sagt er: „Da muss man schon etwas Gefühl haben.“

Eigenkonstruktionen

Die Anlagen auf dem Gelände sind zum Teil Eigenkonstruktionen. „Für unseren Sand kann man keine Anlagen kaufen“, sagt Zweers: „Man muss sich das selbst zusammensuchen.“ Er beschreibt, wie er ständig über Verbesserungen an den Maschinen nachdenkt. Dort etwas mehr Wasser, hier ein anderer Winkel, irgendwann entstehe die richtige Idee. Manchmal versucht man auch etwas Neues und muss feststellen, dass es nicht funktioniert. „Wenn es nicht klappt, hat man Pech gehabt“, sagt Zweers gleichmütig, dann startet man eben einen neuen Versuch.

Erstaunlich gelassen nimmt er auch die ungebetenen Abendgäste auf dem Gelände der Sandgrube. „Im Sommer sammeln wir morgen oft eine ganze Schubkarre voll Flaschen und Dosen ein“, sagt Zweers: „Kürzlich hatte ich mal neun Euro Pfand zusammen.“ Dabei ist das Baden im See der Grube lebensgefährlich. Zweers hat schon erlebt, dass große Stücke Sand von einem Moment zum anderen in die Tiefe rutschen. Außerdem ist das Wasser ab einer Tiefe von etwa einem Meter eiskalt. Wer dort hineingerät, könne schnell Probleme mit dem Kreislauf bekommen, warnt er.


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