Austausch unter Kollegen Erstes Treffen der „Viehfahrer“ in Engter

Von Holger Schulze


Engter. Treffen der Treckerfreunde haben inzwischen Kultstatus erreicht. Der eine oder andere automobile Oldtimerklub rollt inzwischen ebenfalls durch die Stadt Bramsche. Dass sich aber Fahrer von Viehtransportern in Bramsche einfinden, das hatte am Wochenende Premierencharakter.

Rolf Kreyenhagen aus Schleptrup, selbst seit 30 Jahren auf dem Bock und stets mit Tieren hinter sich, hatte vor einiger Zeit die Idee, einmal ein solches Treffen zu organisieren. „Man sieht sich immer nur kurz auf irgendwelchen Schlachthöfen“, dies sollte geändert und Gelegenheit zum Fachsimpeln und Feiern geschaffen werden. Anfang des Jahres nahm Rolf Kreyenhagen deshalb 3000 Flyer mit zu den Abladestellen der Tiere und verteilte sie an die Berufskollegen mit der Bitte um Weitergabe. Innerhalb einer Woche waren die Flyer dann in ganz Deutschland verteilt.

Und so standen dann auch am Wochenende Viehtransporter aus dem Allgäu, aus Mecklenburg-Vorpommern, dem Emsland oder aus Holland am Schleptruper Strang.

18 bis 20 Meter lang sind diese Fahrzeuge. Zwischen 1200 bis 1400 Kilometer pro Tag legen ihre Fahrer in Zweierteams in ihnen zurück. Im Doppeldecker befinden sich dann bis zu 25 Stück Großvieh oder maximal 160 Schweine, genau berechnet nach der zur Verfügung stehenden Quadratmeterzahl in Relation zum Gewicht der Tiere.

Exakt festgelegt sind ebenfalls die Fahrtzeiten, die den Tieren innerhalb der EG zugemutet werden dürfen. Zweimal 14 Stunden mit einer Stunde Trinkpause, dazwischen darf das Großvieh transportiert werden. Schweine bei geöffneter Trinkanlage kann man ununterbrochene 24 Stunden fahren.

Kälber hingegen dürfen sich lediglich zweimal neun Stunden, wiederum unterbrochen durch eine einstündige Trinkpause, vor dem Abladen im Viehtransporter aufhalten.

Für die Fahrer gelten andere gesetzliche Regelungen bezüglich der Lenkzeiten. Neun Stunden pro Tag maximal, an zwei Tagen in der Woche zehn, sind erlaubt. Danach seien neun Stunden Pause fällig, erläutern der Schleptruper Sven Kreyenhagen und Tobias Look aus dem Allgäu den Alltag der „Viehfahrer“, wie sich diese spezielle Sektion unter den Berufskraftfahrern selbst nennt. Die Stunden als Beifahrer sind dabei Bereitschaftszeiten und werden nicht als Pausen gewertet.

Vor allem aber sind es die sonstigen Lebensumstände der Fahrer, die oftmals hinter den Standardbedingungen für die von ihnen transportierten Tiere zurückstehen. Während sich das Gewerbe bemüht, möglichst schonend beim Ver- und Entladen vorzugehen, mit einer vorausblickenden Fahrweise, einer den Jahreszeiten angepassten Temperaturregulierung und Vorschriften zur Reinigung und Desinfektion der Transporter Verantwortung für den Schutz der Tiere zu übernehmen, sieht es im Fahrerleben mitunter deutlich anders aus.

Abwesenheiten von drei Wochen am Stück von Zuhause sind für Tobias Look nicht ungewöhnlich.

Zu den Problemen allerdings zählte dieser Umstand noch nicht, über die sich die Viehfahrer am Wochenende austauschen konnte.

Tobias Look führte hier einiges an. Wütende Tierschützer, die einen Shit-Storm auf Facebook auslösen oder Telefonterror betreiben, lassen es für ihn besser sein, in Deutschland keine Raststätten mit Service wie mal den Kaffee zwischendurch anzufahren. Stinkefinger und Ausbremsen kommen während der Fahrt regelmäßig vor.

An den Entladestellen selbst geht man mit den Fahrern gelegentlich auch nicht besser um. „Die wollen nur schnell ihr Fleisch, wir interessieren nicht“, muss Tobias Look auf seinen Fahrten immer wieder feststellen. Verdreckte Duschen oder gar nur kaltes Wasser aus einfachen Schläuchen machen es schwer für ihn und seine Kollegen, nach dem Entladen und Säubern des Transporters selbst wieder sauber zu werden.

Hinzu kommt das Berufsrisiko, unter eine Kuh zu kommen oder sich auf einem Horn wiederzufinden.

Deshalb sind es meistens Fahrer, die aus der Landwirtschaft kommen und von Kindesbeinen an den Umgang mit den Tieren gewohnt sind, die zu Viehfahrern werden. Denn „diesen Umgang zu lernen, das dauert ewig“, ist die Erfahrung von Sven Kreyenhagen, was manchen normalen Lkw-Fahrer schon während der Probezeit zum Aufgeben brachte.

„Viehfahrer müssen schon einen an der Waffel haben, ein normaler Mensch macht das nicht“, fügte Tobias Look noch hinzu.

Für den Mann aus dem Allgäu wäre es allerdings wünschenswert, „wenn die Leute verstehen würden, dass auch ihr Fleisch nicht im Supermarkt wächst“.