Abschlusskonzert in der Kirche Däne begeistert beim Bramscher Orgelsommer

Von Holger Schulze

Michael Turkat und Mikael Børresen gaben das Abschlusskonzert des diesjährigen Orgelsommers. Foto: Holger SchulzeMichael Turkat und Mikael Børresen gaben das Abschlusskonzert des diesjährigen Orgelsommers. Foto: Holger Schulze

Bramsche. Am frühen Samstagabend nahm der Orgelsommer 2014 in der St.-Martin-Kirche mit einer nochmals wohltuend ungewöhnlichen Programmgestaltung Abschied. „Alles, was das Herz begehrt“, lautete der vielversprechende Titel des sechsten und letzten Konzertes dieser Reihe im aktuellen Sommer.

Seine Premiere in Bramsche gab dabei der dänische Soloklarinettist und Komponist Mikael Børresen in Begleitung von Michael Turkat, Organist und Kantor in Hamburg.

Seit 1982 spielen die beiden Berufsmusiker zusammen. Das allein lässt sich hören. Und eröffnet Freiheiten in der Zusammensetzung des Vortrags. Apropos Vortrag. Mikael Børresen erzählte beim Konzert die unglaublichsten Geschichten zu seinen Stücken. Immer unter der augenzwinkernden Behauptung „Dänen lügen nicht“.

Ja ja, ist klar, mittelalter Däne! Doch Genaueres dazu später.

Laut und schrill empfing das Duo sein nochmals in der sehr ansprechenden Größenordnung von 75 Zuhörern erschienenes Publikum. „Wir wollen so starten, dass die Leute eigentlich ihr Kommen bedauern, doch so höflich sind, dennoch zu bleiben“, so hierzu Mikael Børresen im Vorgespräch. „Cantus Coralis“ hatte er harmlos diesen von ihm komponierten Toleranztest getauft.

Versöhnung für die Ohren war dann aber auch schon im zweiten Stück das musikalische Thema. Leicht und gefällig blies Mikael Børresen ein Allegro von Händel von der Orgelempore hinab.

Es lebe die Vielfalt: Gospelklänge im Anschluss hieran zeigten die melancholisch greinenden Möglichkeiten der Klarinette eindrucksvoll auf. Ein Solostück für die Orgel leitete zu dem Evergreen der Klarinettenliteratur schlichtweg über. Das Adagio aus dem berühmten Klarinettenkonzert von Mozart erklang getragen und belcanto von Altarraum aus über die Köpfe des Publikums hinweg zur Orgel empor.

Unten zunächst verbleibend, ging Mikael Børresen zu den nachfolgenden Stücken über. Es folgte sein Zyklus „Der 7.Himmel“. Alles aus seiner Feder stammend, entstand dieser aus der Stimmung eines Donnerstagabends heraus, „an dem man einmal Lust hatte, etwas Gutes für andere zu tun“, so Mikael Børresen in seine Werke einführend. Den siebten Himmel wollte er hierfür erforschen.

Der Beamte am Bahnhof war hingegen bereits mit der Bitte um eine Rückfahrkarte zum siebten Himmel überfordert. Ein Ticket zur Himmelspforte immerhin konnte Mikael Børresen erhalten. Dänen lügen eben nicht. „Nicht alle jedenfalls!“, milderte Mikael Børresen ab, den Bericht von der Entstehungsgeschichte seines siebten Himmels vervollständigend.

Dort oben angekommen, empfingen ihn bereits die ersten Himmelstöne. Endlich vom heiligen Petrus eingelassen, fand Mikael Børresen den siebten Himmel als Ballsaal vor.

Da wurde ein Tanz nach dem nächsten aufgespielt. Den Tanz der Freundschaft, des Traumes, der Liebe, der Seligkeit gar, einen Kindertanz sowie abschließend den „Tanz des Tanzes“ konnte Mikael Børresen ergattern und mit seiner Klarinette nun auch dem Bramscher Publikum präsentieren.

Weltliche Kompositionen waren es, mit denen dieses unkonventionelle Konzert seinem Abschluss entgegenging. Mit dem Popsong „All of me“, den nochmals aus der Komponistenfeder von Mikael Børresen stammenden „Tränen der Nacht“, dem Klezmerstück „Halleluja“ und schlussendlich mit dem „Wild Cat Blues“ verabschiedeten sich Mikael Børresen und Michael Turkat.

Gäbe es einen internen Wettbewerb innerhalb der Konzertreihe des Orgelsommers , bei dem Originalität, Unterhaltungswert, Vielfalt von der Klassik bis hin zur Musik der Gegenwart, Kontrastreichtum sowie eine nie abhandenkommende Gefälligkeit für das Zuhörerohr die Wertung konkretisieren würden, dann gehört der Abschiedsabend des Orgelsommers mit einiger Gewissheit zu den ganz heißen Titelaspiranten. Applaus als Dank vom Publikum, im Stehen gespendet, unterstrich die Begeisterung für dieses Konzert.

Beide Musiker werden wiederkommen. Superintendent Hans Hentschel engagierte sie unmittelbar nach dem Konzert zu einem weiteren Auftritt im kommenden Jahr für die „Kultur in der Suptur“.