Spaß ohne Verständigungsprobleme Baseballcamp auf dem Bramscher Wiederhall


Bramsche. Baseball ist eine Sportart, die in Deutschland eigentlich kaum Beachtung findet. In Bramsche ist dies zumindest für eine Woche in den Sommerferien anders. Seit 2010 organisiert die evangelisch-freikirchliche Gemeinde Bramsche ein Baseballcamp auf dem Wiederhall, das in jedem Jahr weiter wächst.

Über eine neue Rekordzahl von fast 180 Teilnehmern zwischen sieben und 19 Jahren freut sich Pastor Holger Niehausmeier. „Mit den Übersetzern, Trainern und Helfern sind wir über 200 Leute.“ Ein gutes Zeichen sei für ihn, dass es sowohl neue Gesichter als auch alte Hasen darunter gebe. In diesem Jahr kann das Baseballcamp den gesamten Sportplatz an der Jahnstraße in Beschlag nehmen. „Dadurch können wir immer vier Spiele gleichzeitig machen und insgesamt acht Mannschaften bilden“, erklärt Niehausmeier.

Neben den Spielen werden aber natürlich auch einzelne Aspekte des für viele unbekannten Sports erlernt. So üben einige Teilnehmer das Schlagen des ungewohnt harten Balls mit den Metallschlägern. Damit niemand getroffen werden kann, findet dies in einem Netzkäfig statt. Gleichzeitig üben andere Teams die Aufstellungen auf dem Spielfeld ein und lernen, wann der Ball wohin geworfen werden muss.

Fester Bestandteil des Camps sind Trainer aus den USA, die eigens für dieses Camp nach Deutschland reisen und die Bramscher Jugendlichen in die Eigenheiten der amerikanischsten aller Sportarten einführen. Seit knapp zwei Jahren pflegt die Bramscher Gemeinde eine Partnerschaft mit der Faith Connection Church in Chattanooga in Tennessee, aus der zehn Mitglieder in dieser Woche in Bramsche sind. Dazu kommt noch eine Handvoll Gäste aus anderen Bundesstaaten. Pastor Jimmy Large ist bereits zum vierten Mal beim Camp dabei, seit zwei Jahren führt er die Delegation aus Übersee auch an. „Wir freuen uns sehr, ein Teil hiervon zu sein. Unsere Leute und die Bramscher scheinen sich schnell miteinander zu verstehen. Die Trainer und Übersetzer arbeiten wirklich gut zusammen.“

Die Sprache scheint auf dem Wiederhall ohnehin kein Problem zu sein. Schon am zweiten Tag schallt eine Mischung aus deutschen und englischen Begriffen über den Sportplatz, ohne dass Verwirrung bei den Teilnehmern aufkommt. „Das ist auch dem deutschen Schulsystem geschuldet“, lobt Jimmy Large. „Die Jugendlichen lernen schon als Kinder verpflichtend Englisch, und man sieht hier, dass sich das lohnt.“ Die etwa 20 Übersetzer, die bei den Trainingseinheiten und den Spielen mitmachen, sind allerdings nicht überflüssig. Sie greifen immer dann ein, wenn kompliziertere Dinge von den amerikanischen Coaches erklärt werden. Einer von ihnen ist Piet Ludwig. „Ich mache zum vierten Mal im Camp mit, aber zum ersten Mal als Übersetzer“, erklärt der 19-Jährige. Die Regeln des in Deutschland eher unbekannten Sports seien in diesem Jahr kein großes Problem gewesen. „Wir haben in jedem Team neue Leute, aber auch welche, die schon häufiger mitgemacht haben. Die Älteren nehmen die Jüngeren mit und können helfen, wenn es mal Fragen gibt.“

So steht er mit Coach Cindy nicht vor ratlosen Teilnehmern, sondern alle Teilnehmer lernen schnell und mit Spaß. Das Schlagen sei für die Anfänger am schwierigsten, „weil man das aus keiner anderen Sportart kennt“, meint Piet Ludwig. Im letzten Jahr hat er sogar einen Film über das Camp gedreht. „Der ist aber noch nicht ganz fertig.“

Es ist eine ganz besondere Stimmung im Camp, das sich gänzlich von einem normalen Trainingslager absetzt. Misserfolge, wenn also einmal ein Schlag oder Wurf danebengeht, werden nicht kritisiert, sondern es folgt nur die Motivation, es noch einmal zu versuchen. Die Teams bestärken sich gegenseitig. Vor jedem Spiel schwören sich die Mannschaften im Huddle ein, und nach einer Partie wird fair mit dem Gegner abgeklatscht: „Good Game!“, hallt es dann hundertfach über den Sportplatz. „Es ist ein großartiger Spirit“, meint auch Jim Goforth. Der 49-jährige Amerikaner lebt seit einigen Jahren in Kaiserslautern, wo er als Pastor an der dortigen US-Militärbasis arbeitet. Zu viert sind sie von dort nach Bramsche gekommen, um am Camp mitzuwirken.

Für besondere Motivation und gute Stimmung sorgt aber auch die Cheerleader-Gruppe, die zum ersten Mal Teil des Camps ist. Vormittags üben die sieben bis zwölf Jahre alten Mädchen Figuren und Choreografien ein. Instruiert werden sie dabei von Becky Kollaus, die mit viel Energie und guter Laune bei der Arbeit ist. „Die Mädchen lernen wirklich schnell und sind ganz mutig. Ich bin sehr stolz auf sie.“

„Das Camp finde ich sehr gut, und besonders freue ich mich auf den Turniertag am Ende der Woche“, sagt Marvin Mittmann. Der 12-Jährige trägt ein leuchtend oranges T-Shirt der „Orioles“, eines Profi-Teams aus Baltimore . Jede der acht Mannschaften ist mit den bunten Shirts mit den Namen echter Baseball-Teams ausgestattet: Yankees, Angels, Rangers und so weiter. Und Marvin Mittmann hat auch allen Grund, auf sein Team stolz zu sein: „Wir haben heute den goldenen Schläger!“ Diesen bekommt jeden Morgen die Gruppe, welche am Vortag am lautesten war und besonders motiviert trainiert hat.

Ein Highlight jeden Tages ist für Marvin Mittmann, der zum dritten Mal am Camp teilnimmt, die sogenannte „Team-Time“. Dann wird es nämlich ganz still auf dem Wiederhall. Die Teilnehmer setzen sich mit ihren Mannschaften zusammen und lernen sich in entspannten Gesprächsrunden kennen. „Es geht dabei aber auch um christliche Inhalte“, erklärt Pastor Holger Niehausmeier. Das Camp sei eine Gelegenheit, Sport und Spaß mit der Religion zu verbinden. „Gott ist schließlich nicht nur da, wenn es uns schlecht geht, sondern auch wenn wir Spaß haben.“

Während das Training für die Jüngeren am Vormittag und das der Älteren am Nachmittag stattfindet, können sich alle Teilnehmer abends am Gemeindehaus der Freikirche an der Hasestraße treffen. Bei diesen Camp-Abenden wird miteinander geredet, gesungen und gelacht. Das Ganze in ungezwungener Atmosphäre und unabhängig davon, ob man Mitglied der Gemeinde ist. „Wer meint, dass in Bramsche im Sommer nichts los ist, der war noch nie bei uns“, lacht Holger Niehausmeier.


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