Feld- und Flurfahrt Per Planwagen auf den Spuren Sögelner Abenteuer

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Sögeln. „Deutschlands letztes Abenteuer“. So nennen die echten Sögelner mit einigem Stolz ihr Dorf. Und dafür gibt es gute Gründe, wie bei einer Erkundungstour des Heimatvereins durch Ober- und Niedersögeln deutlich wird.

Der Plattdeutsche Gesprächskreis des Heimatvereins um Irmgard Hölscher hatte die Idee zu dieser „Feld- und Flurfahrt“. Es gebe so viele alte Geschichten und Begebenheiten , von den die alten Sögelner noch erzählen können und die sie an Jüngere weitergeben sollten, sagt sie zur Begrüßung. Auch wenn an Bord des Planwagens fast alle Platt küren, gibt es Begrüßung und auch die weiteren Erläuterungen überwiegend „up Hauge“. Vielleicht mit Rücksicht auf einige jüngere Mitfahrerinnen und den Zeitungsmenschen, der allerdings auch Sögelner Wurzeln hat.

Nach nur wenigen Metern Fahrt vom Dorftreff aus muss Fahrer Peter Beinke das erste Mal anhalten. Der Aueweg, verrät Hermann Hellmich als Seniorführer, hieß bei den alten Sögelnern nur Brummerweg. Der Grund: Hier stand früher einmal ein Transformator, der mit ziemlicher Lautstärke Stromstärken umwandelte.

Ein bisschen weiter, vorbei an den „Kattenkuhlen“, geht es zu einem Maisacker, der früher einmal der Sportplatz von Sögeln war, wie sich Hermann Hasemann erinnert. Lange bevor der Bolzplatz am Kindergarten mit der Thekenmannschaft „Otto United“ seine Blütezeit erlebte , stürmten hier Otto Wrocklage senior und Co über den Platz, erzählt Hasemann. Und Heinz-Erich Brinkmann weiß noch, wie die Kinder hier in der Sprunggrube übten, bevor es nach Hesepe zur Sportabzeichenprüfung ging.

Die Fläche schräg gegenüber heißt „uppe Striet“. Dies und die Flurbezeichnung „Neuer Streit“ für eine andere Wiese in der Nähe sind für Hasemann Indiz dafür, dass die Vorfahren damals Ärger hatten, wahrscheinlich mit irgendwelchen Riestern. Das Nachbardorf, erzählen die Mitfahrer, war damals noch viel weiter weg als heute: „Rieste war doch dunkel für uns. Wenn überhaupt, dann sind wir nach Bramsche gefahren.“

Immerhin sorgten die Riester gelegentlich für Abwechslung. Unvergessen ist bei den Planwagenfahrern ein Boxkampf in einer alten Sandgrube zwischen zwei Riestern. Hunderte Zuschauer säumten den Ring. Die Information über das Spektakel machte per Laufzettel die Runde. „Jeder wusste, wohin er den Zettel zu bringen hatte, und da war keiner, der das nicht gemacht hätte. Heute würde das doch gar nicht mehr funktionieren“, sagt Irmgard Hölscher.

Der Planwagen rumpelt über den unbeschrankten Bahnübergang einer Bahnstrecke (in Sögeln gibt es die Delmenhorster und die Oldenburger Bahn). Hanna Kallweit erinnert sich, wie sie hier früher die Kühe über die Schienen treiben musste, keine ganz leichte Aufgabe bei einer ganzen Herde.

Goldopas Schatz

Weiter geht die gemütliche Fahrt vorbei an der Stelle, wo „der Goldopa seinen Schatz vergraben hat“, und dem Wäldchen, in dem Korfmakers Karl“ seine Höhle hatte. Der Goldopa gehört wohl ins Reich der Sage, aber den Korbmacher Karl, den soll es wirklich gegeben haben. Ein scheuer Mensch, „den fand so schnell keiner“, wird im Planwagen erzählt.

Weiter geht es vorbei am Armenhausplatz, wo im 19. Jahrhundert das Sögelner Armenhaus gestanden hat, vorbei an der „Franzosenkoppel“, die französische Kriegsgefangene im Ersten Weltkrieg kultiviert haben, am Brothammerweg, dessen Namen sich niemand erklären kann, hin zum heutigen Verteilerbauwerk der Hase. Hier liegen die Sögelner „Pötte“, kleine Erdfallseen, in denen viele Sögelner schwimmen gelernt hätten, wie Hermann Hellmich berichtet.

Schließlich geht es durch die idyllische „Liebesallee“, in der sich die Sögelner Liebespaare trafen, als es noch keine Disco gab, zum ebenso schön gelegenen Kolk, der lange Sögelns beliebteste Badeanstalt gewesen ist. Vor 70 Jahren sei sie hier zum letzten Mal gewesen, erzählt eine Teilnehmerin. „Da wör ick unnergaun un häww schon de Engel sehn.“ Noch ein Sögelner Abenteuer, das gut ausgegangen ist.


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