50 Jahre Wilhelm-Busch-Schule Bramsche: Begleitung auf dem Weg ins Leben

Von Hildegard Wekenborg-Placke


Bramsche. Die Wilhelm-Busch-Schule in Bramsche, Förderschule mit den Schwerpunkten Lernen und geistige Entwicklung, feiert in dieser Woche ihr 50-jähriges Bestehen. Viel hat sich in diesen Jahren geändert. Aus Separierung wurde Integration, dann Inklusion. Das Thema der Woche greift Geschichte und Arbeitsbereiche der Schule auf, blickt aber auch in die Zukunft: Heute: der Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“.

Jedes Metier hat seine Abkürzungen – auch die Pädagogik. „GE“ – das steht für „Geistige Entwicklung“. „GE“ steht an der Wilhelm-Busch-Schule aber auch für das, was bleibt. Anders als Schüler mit dem Förderschwerpunkt Lernen, werden Kinder und Jugendliche mit kognitiven Behinderungen weiter an der Einrichtung an der Schleptruper Straße aufgenommen, gefördert, gefordert und auf dem Weg ins Leben begleitet. Und das wird vorerst auch so bleiben.

Carola Schikowski unterrichtet jahrgangsübergreifend die „Kleinen“, die Unterstufe. Es ist Mittag, nach und nach trudeln die Kinder vom Schwimmunterricht ein. „Du musst dir noch die Haare trocknen. Draußen ist es windig“. „Ja, du kannst schon zum Essen gehen und dann auf den Pausenhof.“ Samuel und Jeremy möchten noch einmal in ein Buch gucken, ganz nah bei ihrer Lehrerin. Unterricht in der GE-Gruppe ist schon ein bisschen anders. Der Tag beginnt mit einem Morgenkreis. Am Stimmungsbarometer mit seinen lachenden, wütenden oder traurigen „Smilies“ stellt jedes Kind ein, wie es sich fühlt. Und warum. Zum Abschluss eines Unterrichtstages wiederholt sich das Ritual: „Im Moment sind eigentlich alle ganz fröhlich“, sagt Carola Schikowski.

Im Augenblick sind sieben Kinder in der Unterstufe, neben Schikowski gehört eine pädagogische Mitarbeiterin zum Team, sodass individuell mit den Kindern gearbeitet werden kann. Es gibt zusätzliche Schwimmstunden. Ergotherapie und Logopädie stehen den Kindern ebenfalls zu, und das „alles ohne Rezept“, betont die Lehrerin. Neben diesen Angeboten steht die Vermittlung der „Kulturtechniken“ verpflichtend auf dem Stundenplan. „Wir haben jeden Tag Deutsch und Mathe“, unterstreicht sie. Die Kinder, bei denen häufig während der ersten Schulmonate an einer Regelschule der Förderbedarf GE festgestellt wird, sollen so gut wie eben möglich später ihren Weg ins Leben gehen können.

Die jungen Leute, die Christian Bruns unterrichtet, sind auf diesem Weg schon einige Schritte weiter. Einige werden später in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen arbeiten, andere schaffen es in den ersten Arbeitsmarkt, aber für alle sind ganz praktische Dinge wichtig, erläutert Bruns. Und so trainieren die Schüler, den öffentlichen Personennahverkehr zu nutzen, sie lernen, mit ihrem Geld umzugehen, ein Konto zu führen, einzukaufen, ihren Alltag und die Freizeit zu organisieren. „Einen festen Abschluss gibt es hier nicht“, sagt Bruns. „Wir schauen nach den Fähigkeiten, fördern das Selbstbild und gleichen das dann mit den Erfordernissen der Arbeitswelt ab.

Am regelmäßigen Berufspraxistag an den Berufsbildenden Schulen Bersenbrück gibt es erste Einblicke in die Bereiche Holz, Metall, Bau oder Hauswirtschaft. Anreise und Zurechtfinden in der unbekannten Umgebung stellen viele Schüler bereits vor große Herausforderungen. Praktika in Behindertenwerkstätten oder Betrieben und die Beratung durch die Bundesagentur für Arbeit ergänzen das Programm. Immer wieder schaffen Schüler den Sprung in eine theoriereduzierte Ausbildung oder auf einen regulären Arbeitsplatz.

André ist einer von ihnen. Nach 13 Jahren Schule und einer Qualifizierungsmaßnahme bekam er ein Praktikum in einer Osnabrücker Wäscherei. „Im Betrieb waren sie zufrieden mit mir und haben gefragt, ob ich weiterarbeiten will. Da habe ich ‚Klar, gern‘ gesagt“, erzählt er. Seit einem Dreivierteljahr ist er jetzt dabei, arbeitet in Wechselschicht, füllt und leert die riesigen Maschinen, in denen die Wäsche aus Altenheimen oder Krankenhäusern gereinigt wird, und sortiert Laken und Bezüge. Die Arbeit ist nicht immer leicht, aber der 19-Jährige ist zufrieden. „Ich hätte nicht gedacht, dass das so gut geht“, sagt er. Jetzt hofft er auf die Verlängerung seines Zeitvertrages.

„Die Schüler kämpfen oft mit sich, ob sie es auf dem ersten Arbeitsmarkt versuchen sollen. Wir versuchen, ihnen auf diesem Weg ins Leben Sicherheit zu geben“, sagt Bruns. So viel Sicherheit, dass viele Ehemalige gern ihre alte Schule wieder besuchen. So wie Peter, auf den seine ehemalige Lehrerin Maria Gerdes ganz stolz ist. Der 22-Jährige absolviert in Osnabrück eine überbetriebliche Ausbildung zum „Fachpraktiker für Metallbau“. Bei der Handwerkskammer lernt er Schweißen, Bohren, Feilen und kann später unter Anleitung eines Metallbauers arbeiten. Für den theoretischen Part gibt es gezielte Förderung. Den Mofa-Führerschein hat er noch an der Schule gemacht, jetzt spart er auf den Autoführerschein. Ausdauer ist alles.

Dafür, dass es bei den „Großen“ nicht nur bierernst und theoretisch zugeht, sorgt Christian Bruns am Donnerstagnachmittag. Dann trifft sich die Fußball-AG, und hier verbindet der VfL-Fan und Hobbykicker Bruns Beruf und Hobby. Einen pädagogischen Hintergrund hat die AG natürlich auch. Die Jungen und Mädchen („das funktioniert gut“) lernen, mit Frust umzugehen und im Team etwas zu erreichen. Vier bis fünfmal im Halbjahr gibt es Spiele gegen andere Mannschaften aus GE-Schulen und ein Schlussturnier am Stützpunkt des Niedersächsischen Fußballverbandes in Barsinghausen. „Bei den Spielen geht schon mal ein Vormittag drauf“, sagt Bruns. Es scheint nicht nur den Schülern Spaß zu machen.


0 Kommentare