50 Jahre Wilhelm-Busch-Schule Bramsche: Im Schulcafé Praxis trainieren

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Milchshakes und belegte Brötchen haben die Siebtklässler für ihre Mitschüler vorbereitet. Foto: Hildegard Wekenborg-PlackeMilchshakes und belegte Brötchen haben die Siebtklässler für ihre Mitschüler vorbereitet. Foto: Hildegard Wekenborg-Placke

Bramsche. Die Wilhelm-Busch-Schule in Bramsche, Förderschule mit den Schwerpunkten Lernen und geistige Entwicklung, feiert in dieser Woche ihr 50-jähriges Bestehen. Viel hat sich in diesen Jahren geändert. Aus Separierung wurde Integration, dann Inklusion. Das Thema der Woche greift Geschichte und Arbeitsbereiche der Schule auf, blickt aber auch in die Zukunft: Heute: der Förderschwerpunkt Lernen.

Ein Donnerstagmorgen, kurz vor neun herrscht im Schulcafé die Ruhe vor dem Sturm. Raphael und Björn belegen die letzten Brötchen, Paprikastreifen und Gurkenscheiben sind appetitlich auf einem Teller angerichtet, auf einem Beistelltisch stehen frisch gemixte Milchshakes mit Erdbeeren und Vanille in Reih und Glied. Nur noch ein paar Minuten bis zur großen Pause. „Ich hol jetzt mal das Eis“, sagt Ulla Becker-Kleih. Raphael erklärt: „Das ist für die Milchshakes.“ Jetzt noch eine Kugel in jedes Glas – unter den Wilhelm-Busch-Schülern aus den Schwerpunkten Lernen und Geistige Entwicklung und ihren Lehrer gibt es viele Leckermäuler.

Vorpraktikum

Die vier Schüler, die hier ein Frühstücksbuffet für ihre Kameraden herrichten, gehören der Klasse 7 des Förderbereichs Lernen der Wilhelm-Busch-Schule an. In Klasse 8 werden sie – wie Haupt- und Realschüler auch – in Betriebspraktikum absolvieren. „Das Projekt ist eine Art schulinternes Vorpraktikum“, erläutert Schulleiterin Vera Wennemann. „Manche Schüler waren von dem plötzlichen Wechsel in den Berufsalltag doch überfordert“, berichtet sie von den Beobachtungen der Vorjahre. „Hier können die Mädchen und Jungen in einem geschützten Rahmen Schlüsselqualifikationen trainieren wie Höflichkeit, Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Planung.“

Acht Schüler sind an diesem Projekt beteiligt, in zwei Vierer-Gruppen, jeweils wochenweise wechselnd einmal in der ersten und zweiten und dann in der dritten und vierten Stunde. Klassenlehrer Christian Hillmann erklärt: „Zur Arbeit am Frühstücksbuffet gehören nicht nur die Vorbereitung und der Verkauf, sondern auch die weniger angenehmen Dinge wie Aufräumen und Spülen. So kommt jeder mal dran.“

„Wir schauen, wo die Schüler stehen, und können gezielt daran anknüpfen. Das macht den Übergang zum Praktikum leichter“, sagt Becker-Kleih, die das Frühstücksangebot gemeinsam mit Anja Grawe und Margret Schneiders betreut.

„Tolles Erlebnis“

„In der siebten Klasse des Förderschwerpunktes Lernen haben wir viele Schüler, die mit massiven Misserfolgserlebnissen von den Regelschulen kommen“, sagt Wennemann. „Hier erfahren sie Anerkennung, wenn sie sehen, wie es ihren „Kunden“ schmeckt. Sie merken auf einmal, dass sie auch ganz viel können. Das ist für die Jugendlichen ein tolles Erlebnis“. Hillmann ergänzt: „Die Jugendlichen sollen sich ihre Praktikumsplätze in der achten Klasse selbst suchen. Viele müssen erst mal den Mut finden, andere Menschen anzusprechen.“ Beim Frühstücksprojekt können sie das üben – die Lehrer nennen das einen „handlungsorientierten Ansatz“. Manche Schüler wachsen dabei über sich hinaus, wie die Schülerin mit Autismus-Problematik, die per Durchsage die ganze Schulgemeinschaft informiert, dass angerichtet ist. „Die Jugendlichen sehen, dass sie etwas bewirken können, und sie lernen durchzuhalten“, meint die Schulleiterin.

Durchhalten – das ist in den Betrieben gefragt. „Dann kommen auch die positiven Rückmeldungen: ‚Wir nehmen auch Förderschüler‘“, erzählt Hillmann. Aus dem Bereich Straßenbau gab es bereits Anfragen, ob die Schule nicht Interessenten für eine Ausbildung wisse. „Die Betriebe sehen, dass es klappt. Außerdem kennen wir die Stärken und Schwächen der Schüler und sind gleich da, wenn es einmal Probleme geben sollte.“ Im Förderbereich Lernen besteht durchaus die Möglichkeit, in der Klasse 10 den Hauptschulabschluss zu erwerben, eine Chance, die in jedem Jahr etliche Jugendliche nutzen.

Kassensturz

Nach und nach werden im Zuge der Inklusion die Schüler mit einer Lernschwäche in die Regelschulen integriert. Ob dann auch das Projekt „Frühstücksbuffet“ ausläuft? An diesem Morgen lässt es sich das Quartett selbst schmecken, als der Pausenansturm vorbei ist. Anschließend muss Kassensturz gemacht werden. Lehrer zahlen 50, Schüler 40 Cent – das fließt wieder in die Einkaufskasse. Obst und Gemüse sind kostenlos. Vielleicht gibt es bald wieder Hot dogs. „Davon hätten wir wohl 50 Stück mehr verkaufen können“, sagt Hillmann. Andere Angebote liefen nicht so gut. Das muss bei der Planung berücksichtigt werden.

Raphael sprudelt vor Ideen. „Man könnte die Shakes mal mit anderem Obst machen. Oder Quark mit Smarties.“ Betreuerin Ulla Becker-Kleih ist nach dem Ansturm ein bisschen geschafft, aber glücklich: „Hier ist einfach eine schöne Atmosphäre.“

Weitere Informationen über das Schulleben und verschiedene Projekte unter www.wbs-bramsche.de.


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