Serie: „Fit in unserer Stadt“ Ernährung & Sport in Bramsche: „Kein Zahlendenken“



Engter. Mechthild Auf dem Berge hat für mich gekocht. Sie serviert Hirsebrei mit Rosinen, dazu Apfelkompott. Alles warm. Sowie Gewürze und Schlagsahne. Es ist 10.30 Uhr morgens, es ist ein Frühstück. Und wir reden im Rahmen unserer BN-Breitensportserie über die richtige Ernährung und das gezielte Abnehmen. Na, klar – mit Schlagsahne...

Heute geht es bei „Fit in unserer Stadt“ also nicht um das Mitmachen in einer der örtlichen Sportgruppen, sondern um das sinnvolle Begleitmöglichkeit der Aktiven, die ihre regelmäßige Bewegung mit einer gesunden Ernährung kombinieren wollen. Ich mache mich dabei in Engter kundig. Bei Mechthild Auf dem Berge, die eine Ernährungsberatung nach Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) anbietet.

Kein Zahlendenken mehr

Und ich komme zunächst aus dem Staunen nicht heraus. Auf meinen Hinweis, dass ich innerhalb von zweieinhalb Jahren 17 Kilogramm abgenommen habe, verteilt sie zwar ein Lob, sagt aber auch: „Das gelingt ja nicht jedem, der es möchte. Es wäre für uns alle besser, von diesem reinen Zahlendenken wegkommen. Weg von Kalorienrechnern, Waagen, Body-Mass-Index und Maßband.“ Auf dem Berge drückt mir ein Papier in die Hand. Darauf steht: „Umstellung auf bekömmliche, sättigende warme Mahlzeiten mehrmals täglich. Besonders zum Frühstück! Anstelle häufiger Brot- oder Salatmahlzeiten.“ Das ist eine Kampfansage an mein bisheriges Denken und Handeln.

Die ärztlich geprüfte Ernährungsberaterin, die Im Faldieke in Engter ihre Gesprächsräume hat, erläutert mir, warum bei der TCM die sogenannte Chinesische Diätetik eine zentrale Säule ist und dort „die wichtigste vorbeugende Rolle“ einnimmt.

Auf warmes Essen setzen

Das warme Frühstück mit Hirsebrei, Rosinen, Apfelkompott und Schlagsahne schmeckt mir jedenfalls. Genüsslich esse ich eine Schale voll davon. Mechthild Auf dem Berge erklärt mir unterdessen: „Eine genussvolle Achtsamkeit und die Umstellung auf warme Speisen führen zur Stabilisierung des Hunger-Sättigungs-Gefühls. Daher ist es auch ein gutes Hilfsangebot für Ratsuchende mit problematischem Essverhalten.“

Die Ernährungsfachfrau schildert mir die weiteren Schwerpunkte einer möglichen Beratungsreihe bei ihr: „Erstens: Umstellung auf überwiegend warme Mahlzeiten. Das reguliert kalte Hände und Füße. Zweitens: Stärkung der Verdauungskraft. Drittens: Klärung des Stoffwechseltyps. Viertens: Die Achtsamkeit für den eigenen Körper wiedererlangen. Fünftens: das Schmauen – also Schmecken und Kauen. Sechstens: Unterstützung beim Einkaufen und Zubereiten frischer Lebensmittel.“

Ich bemerke, dass ich mich gerade auf einen komplett anderen Zugang zur Ernährung einlasse. Aber ich bin neugierig und möchte mehr erfahren. Zur persönlichen Fitness gehört eben auch das richtige Essverhalten. Verstanden habe ich aber noch nicht, warum mir vor allem warme Mahlzeiten – und das auch schon zum Frühstück – helfen sollen. Ich hake nach.

Weniger Fettpölsterchen

Mechthild Auf dem Berge gibt mir auf meine Frage jedoch eine Erklärung, die ich nachvollziehen kann. „Warme Speisen bringen Energie in den Verdauungstrakt. Sie aktivieren den Stoffwechsel. Dadurch werden die Nahrungsauswertung sowie der Abtransport der unverdaulichen Bestandteile erleichtert“, sagt sie: „Durch warme Mahlzeiten nimmt die Neigung zur Einlagerung von Fettpölsterchen ab, da nichts unverdaut liegen bleibt.“ Und durch das warme Essen, so Auf dem Berge, „hält das körpereigene Sättigungsgefühl nachweislich wesentlich länger an. Folglich wird insgesamt weniger gegessen.“

Als ich schlussfolgere, dass dann abendliche, gewichtsschädliche Hungerattacken nicht mehr so häufig vorkommen müssten, nickt die Expertin. „Mahlzeiten statt Schlingzeiten“, sagt sie kurz, aber treffend. Und sie könnte mir wohl noch stundenlang von der TCM, der Ernährung im Gleichgewicht, ihren Rezepten und einer Gewichtsreduzierung erzählen. Zum Abschluss, als ich noch wissen möchte, welchen Sportkurs sie mir empfiehlt, nennt sie Qi Gong: „Das bieten viele Vereine an. Qi Gong mobilisiert den Körper auf die sanfte Weise.“

Beeindruckt und zum Nachdenken angeregt verlasse ich nach etwa 90 Minuten die Räume von Mechthild Auf dem Berge. Die 12. Folge unserer BN-Breitensportserie war keine körperlich harte Übungseinheit für mich – und dennoch ein Gewinn, den ich weiter nutzen will.


Unsere Expertin Iris Greff – Fitnesstrainerin im „aktivital“ in Osnabrück – sagt:

„Wir können uns vor ihnen kaum retten: Die Ratschläge für die richtige Ernährung finden wir überall. Ebenso die Tipps für den Weg zum Idealgewicht. Doch was sollen und dürfen wir Verbraucher davon tatsächlich glauben?

Ein echter Anker, an dem ich mich gerne orientiere, ist die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Deren Empfehlungen für eine vollwertige Ernährungsform sind allgemein anerkannt. Da habe ich Vertrauen.

Spannend finde ich auch die für unsere „Breitengrade“ eher alternativen Ansätze der Traditionellen Chinesischen Medizin, weil sie sehr naturorientiert sind.

Aber: Den individuell richtigen Ernährungsberater zu finden setzt eine solide Recherche voraus. Welche Qualifikationen bringt er oder sie mit? Wie arbeitet er oder sie? Prüfen Sie es. Nehmen Sie sich Zeit für diese wichtige Entscheidung.“

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