Versponnene Geschichten Märchenausstellung im Bramscher Tuchmacher-Museum

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Bramsche. Märchen haben ihren ganz eigenen Zauber. Viele sind seit Jahrhunderten überliefert und von Generation zu Generation weitergegeben, andere wurden von feinsinnigen Geistern erdacht. Sie sind manchmal gruselig, manchmal moralisch, manchmal witzig oder lehrreich, aber ganz oft auch versponnen. Das Bramscher Tuchmacher-Museum hat in seiner Jahresausstellung neun Märchen thematisiert. „Stroh zu Gold – Spindel, Schiffchen, Märchenhelden“ wird am Sonntag um 11Uhr eröffnet.

„Diese Ausstellung ist etwas für die ganze Familie“, findet Museumsleiterin Kerstin Schumann. Deshalb auch der ungewöhnliche Eröffnungstermin an einem Sonntagnachmittag. Normalerweise lädt das Haus immer am Freitagabend zur Vernissage. „Es ist ausdrücklich eine öffentliche Veranstaltung“, wirbt Schumann bei Eltern dafür, ihre Kinder mit in die alte Tuchmacherinnung am Mühlenort zu bringen. Zu sehen gibt es reichlich, von den filigranen Schnabelschuhen des kleinen Muck über verschiedenste prachtvoll pinkfarbene Prinzessinnenroben bis zu den riesigen Scheren, die man weniger dem tapferen Schneiderlein als den Struwwelpeter-Geschichten zuordnen würde.

In vielen Märchen spielen Textilien und ihre Verarbeitung eine prägende Rolle - sei es nun „Dornröschen“, „Rumpelstilzchen“ oder „Des Kaisers neue Kleider“. Die Geschichten spiegeln den Alltag einer Zeit wider, in der noch in jedem Haushalt ein Spinnrad stand und in der das Nähen, Weben und Flicken selbstverständliche Fertigkeiten waren. Doch Stroh zu Gold spinnen, auf einem Teppich durch die Luft fliegen oder durch den Stich an einer Spindel in hundertjährigen Schlaf fallen – das gibt es nur im Märchen.

Neun Erzählungen, von den Klassikern der Brüder Grimm bis zu unbekannteren Märchen, und ihre Figuren greift die Ausstellung „Stroh zu Gold – Spindel, Schiffchen, Märchenhelden“ auf, die bis zum 7. September 2014 im Tuchmacher-Museum Bramsche zu sehen ist. Grimms Rumpelstilzchen versinkt tobend in der Erde, Dornröschen fällt, von der vergifteten Spindel gestochen, in den hundertjährigen Schlaf, und Andersens König macht sich in seinen neuen Kleidern zum Gespött.

Die Ausstellung blickt hinter die Kulissen der Märchen und beleuchtet den historischen Hintergrund ihrer textilen Verflechtungen: Spinnräder, Garnrollen, Ballkleider, Königsroben, Leinenhemden, Tabakbeutel, Schnittschablonen und viele weitere Exponate lassen die textile Märchenwelt lebendig werden. Denn auch wenn die Erzählungen mit allerlei Fantastischem ausgeschmückt wurden, sind doch ganz reale Dinge der Alltagswelt ihre wesentliche Grundlage. Historische Miniaturtheaterkulissen, Märchenbücher und Sammelalben vermitteln ihre fantastische Inszenierung, und Textilien aus fremden Kulturen vermitteln die zauberhafte Atmosphäre außereuropäischer Märchen.

In der Ausstellung werden die Märchen mit allen Sinnen erfahrbar: Große und kleine Besucherinnen und Besucher können in Märchenkostüme schlüpfen, selbst einmal Hand ans Spinnrad legen, die unterschiedlichen Stoffe erfühlen oder die Erzählungen an den Hörstationen in der Urfassung auf sich wirken lassen. Ursprünglich wurden Märchen mündlich überliefert und unterlagen einem steten Wandel. Sie waren regional geprägt, und die Erzähler dichteten nach Belieben Neues hinzu. Erst mit ihrer Veröffentlichung wurden die Märchen unverändert bis in die Gegenwart hin übergetragen. Im Märchenzelt kann in Ruhe in Büchern geblättert oder vorgelesen werden.

Die Ausstellung wurde vom LWL-Industriemuseum TextilWerk Bocholt konzipiert und mit zahlreichen Objekten aus der Sammlung des Tuchmacher-Museums ergänzt. LWL-Kurator Martin Schmidt wird am Sonntag auch in die Ausstellung einführen. Für eine „märchenhafte“ Einstimmung sorgen Sabine Meyer vom Erzähltheater Osnabrück und das Ensemble Anderersaits mit Monika Weigelt (Violine) und Ralf Pohlschmidt (Gitarre).


Begleitprogramm

Handspinnen leicht erlernt

Workshop mit Bernhard Dankbar.

Zuerst wird mit den Händen, dann stufenweise mit Spinnstock, Astgabel, Spindel und schließlich mit dem Spinnrad gesponnen.

Für Kinder ab 6 Jahren und Erwachsene, Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Termine: Sonntag, 6. Juli, 3. und 17. August , jeweils 14.30 – 16.30 Uhr.

Kosten: 10 Euro (Erwachsene)/5 Euro (Kinder und Jugendliche), inkl. Museumseintritt

Verbindl. Anmeldung bis eine Woche vor Kurstermin: Tel. 05461/94510

Es war einmal am Mühlenort

Ein Märchen erzählt von den Tuchmachern und ihrem Alltag auf dem Mühlenort. In der anschließenden Führung wird gezeigt, wie aus der Wolle flauschige Wolldecken entstehen. Beim Drehen von Freundschaftsbändern wird das Prinzip des Spinnens spielerisch deutlich.

Sonntag, 13. und 27. Juli, jeweils 15Uhr

Kosten: 2 Euro zzgl. Museumseintritt.

Märchenfädchen – Märchen von Garn, Spinnrad und Nadeln

Erzählprogramm für Kinder und Erwachsene von Sabine Meyer, Erzähltheater Osnabrück, begleitet von Monika Weigelt (Violine) und Ralf Pohlschmidt (Gitarre).

Sonntag, 20. Juli, 15 Uhr

Eintritt: 7/5 Euro (VVK) inkl. Museumseintritt

Spinnen – kein Märchen

Das Spinnen gehört zu den ältesten Kulturtechniken der Menschen und war die Voraussetzung zur Herstellung von Geweben. Schritt für Schritt wird die Arbeit des Spinnens in den verschiedenen Epochen beobachtet – von der Spinnwirtel über das Spinnrad, die erste Spinnmaschine Spinning Jenny bis zum Selfaktor, der Hunderte von Spinnerinnen ersetzte und als Auslöser der Industriellen Revolution gilt.

Sonntag, 24.August, 15 Uhr

Kosten: 2 Euro zzgl. Museumseintritt

Die goldene Märchenspule

Märchen vom Spinnen, Weben und Nähen

Ein Erzählprogramm für alle von Sabine Meyer vom Erzähltheater Osnabrück, begleitet von Bärbel Baum (Flöte).

Donnerstag, 4.September, 16Uhr

Eintritt: 7 Euro/ 5 Euro (VVK) inkl. Museumseintritt

Führungen für Schulklassen und Gruppen auf Anfrage

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