„Fit in unserer Stadt“, Teil 11 Sportabzeichen: Im Dauerregen von Engter zu Bronze



Engter. Irgendwann, als ich zum wiederholten Male im feuchten Sand der Weitsprung-Grube liege, schwöre ich mir: „Du gehst hier ohne dieses sch… Abzeichen nicht weg.“ Bis zu diesem Moment habe ich mich schon mit mäßigem Erfolg am Schleuderball und am Kugelstoßen (7,5 kg) versucht. Nun also Standweitsprung. Beide Füße nebeneinander, tief aus der Hocke kommen und „explodieren“. Immerhin: Ich bringe es auf 1,95 Meter. Ein Silber-Wert für meine Altersklasse. So hatte ich es mir vorgestellt. Meine Jagd nach dem Deutschen Sportabzeichen hat endlich begonnen.

Die 11. Folge unserer Breitensportserie „Fit in unserer Stadt“ wird auf dem Gelände Schüttenheide allerdings von Dauerregen begleitet. Schuhe, Hose und Shirt sind zudem bei mir bereits voller Sand. Ich spüre ihn. Doch das ist erträglich, weil ich nette Mitstreiter an meiner Seite habe. Wie immer ist Rolf Kamper als Fotograf dabei. Dazu gesellen sich Helmut Stefefeld und Anke Haack als führendes Duo der Sportabzeichen-Abteilung des TuS Engter sowie Rolf Brackmann als 3. Vorsitzender des Gesamtvereins.

Am Ende werden sie sich fast zwei Stunden Zeit dafür genommen haben, um mich auf dem Weg zum Sportabzeichen des DOSB zu begleiten – und zu motivieren. Sie messen meine Weiten, stoppen die gelaufenen Zeiten, harken die Grube und sammeln die Wurfgeräte ein.

Ich selbst laufe inzwischen neuneinhalb Runden um den großen Platz. Ausgemessene 3000 Meter. Wind und Regen nerven, aber meine solide Zeit von etwas mehr als 17 Minuten hält mich bei den 40- bis 44-Jährigen zumindest auf Silber-Kurs. Ebenso mein späterer 50-m-Sprint in 8,94 Sekunden, den ich auf die rötliche „Asche“-Bahn neben dem Fußballfeld lege. Das Sportabzeichen in Gold ist nun zwar nicht mehr möglich. Aber Silber könnte es für mich werden – oder Bronze.

Doch die Disziplingruppe Koordination, in der ich noch zwingend Punkte brauche, bereitet mir ernsthaft Sorgen. Beim Schleuderball fehlten mir hier zu einer gültigen Wertung anfangs 50 Zentimeter. Der Weitsprung mit Anlauf ist auch nicht meine Stärke. Ich „fliege“ hier mehrfach nicht weit genug. Und Hochsprung oder Geräteturnen scheiden heute aus. Also muss mich das Seilspringen retten.

Helmut Stetefeld schaut dabei immer wieder in den bundesweit gültigen Anforderungskatalog des DOSB. Seilspringen steht da für meine Altersgruppe – allerdings rückwärts! Ich quäle mich. Im „x-ten“ Anlauf habe ich dann die zehn sogenannten Grundsprünge am Stück endlich geschafft. Wie gefordert, rückwärts. Eine Mindestbedingung für besagte Disziplingruppe Koordination ist damit erfüllt. Das Sportabzeichen kann mir keiner mehr nehmen. Ich bin am Ziel.

„70 bis 80 Personen legen jährlich hier in Engter das Sportabzeichen ab“, erzählt mir Helmut. Vorstandsmitglied Rolf nickt zustimmend. „Wir sind eben ein dörflicher Breitensportverein“, sagt er. Und ein sympathischer dazu.

Ich selbst bin durch und durch nass, aber sehr zufrieden. Meine drei Silber-Wertungen (3x zwei Punkte) und einmal Bronze beim Seilspringen (1 Punkt) haben total sieben Gesamtzähler ergeben. Dafür gibt es – unter dem Strich – das Deutsche Sportabzeichen in Bronze.

Anfang 2015 bekomme ich dann vom TuS die entsprechende Urkunde überreicht.


Unsere Expertin Iris Greff ist ausgebildete Fitnesstrainerin und gibt im Osnabrücker „aktivital“ Sportkurse. Sie sagt:„Niemand sollte sich etwas vormachen: Das Deutsche Sportabzeichen – vor allem nach dessen grundlegender Reform im Jahr 2013 – erwirbt man nicht „im Vorbeigehen“. Eine gesunde Fitness ist Startvoraussetzung. Wer erkrankt, angeschlagen oder verletzt ist, sollte auf jeden Fall mit einer Sportabzeichenprüfung warten.Wer schließlich zu ihr antritt, ist gut beraten, vorher geübt zu haben. Und zwar unter Anleitung eines fachkundigen Trainers. Ein solches, gezieltes Übungsprogramm – auch altersgerecht – bieten viele Sportvereine in der Region an.Das Deutsche Sportabzeichen ist dabei ein echtes Leistungsabzeichen. Es wird für überdurchschnittliche und vielseitige körperliche Leistungsfähigkeit verliehen. Wer weitere Infos sucht, findet diese online unter www.deutsches-sportabzeichen.de

Übungen aus vier Disziplingruppen:

Das Deutsche Sportabzeichen ist eine Auszeichnung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Die zu erbringenden Leistungen orientieren sich an den motorischen Grundfähigkeiten: Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination. Aus jeder Disziplingruppe muss im Rahmen der Prüfung mindestens eine Übung erfolgreich abgeschlossen werden. Zudem ist ein Nachweis der Schwimmfertigkeit Voraussetzung für den Erwerb des Sportabzeichens.

In unserem konkreten Fall hat Marcus Alwes folgende Übungen mit den geforderten Zeiten und Weiten erfolgreich absolviert: 3000-m-Lauf (Ausdauer), Standweitsprung (Kraft), 50-m-Sprint (Schnelligkeit), Seilspringen (Koordination).

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