Wirtschaft im Porträt Essen in Bramsche in Kaffeehaus-Atmosphäre

Von Christoph Lützenkirchen


Bramsche. Wer kennt das nicht? Man arbeitet jahrelang in einem Betrieb; manches gefällt, anderes weniger. „Im Spaß haben wir immer mal wieder gesagt: Wenn der mal aufhört, führen wir das weiter und machen alles besser“, erzählt Anja Meyer. „Wir“, das sind die 41-jährige Industriekauffrau und ihre Geschäftspartnerin, die Köchin Margret Wagner (60 Jahre). Seit 2003 sind sie Chefinnen des Bramscher Imbisses, Restaurants und Party-Service Jonny’s Pantry.

Und das kam so: Manfred Knölker, Vorbesitzer und Gründer des Unternehmens, hatte sich entschieden, den Betrieb nach fast 40 Jahren abzugeben. Wagner war zu diesem Zeitpunkt bereits 16 Jahre als Köchin für Jonny’s Pantry tätig, Meyer seit fünf Jahren in der Geschäftsführung. Ziemlich unerwartet wurde aus den munteren Scherzen der beiden Kolleginnen und Freundinnen der Ernstfall: Wenn nicht jetzt, wann dann? Meyer und Wagner entschieden, zwei der vier Standorte der kleinen Imbisskette zu übernehmen, die Zentrale am Lutterdamm und die Filiale in der Lindenstraße. Von Beginn an stand fest: Beim reinen Imbissbetrieb sollte es nicht bleiben. Mit einem zusätzlichen Partyservice wollten sie zeigen, dass „wir auch anders können“. Die meisten vormaligen Kollegen übernahmen sie und mussten von jetzt auf gleich die Verantwortung für zehn Mitarbeiter tragen. Die ersten zwei Jahre waren hart. Warme Sommer wirkten sich nachteilig auf die Umsätze der Imbisse aus. Doch das Geschäft mit dem Partyservice lief gut und brachte die frischgebackenen Unternehmerinnen über die Runden.

Frische Produkte

Inzwischen sind elf Jahre ins Land gegangen. Ist es Meyer und Wagner gelungen, tatsächlich alles anders und besser zu machen? Und was genau haben sie nach dem Start eigentlich verändert? „Die Qualität des Essens“, sagt Anja Meyer , ohne lange zu überlegen . Im Unterschied zum Vorbesitzer von Jonny’s Pantry würden sie viel weniger mit Tiefkühlware arbeiten, sondern ihre Produkte frisch von kleinen Partnern aus der Region beziehen. „Wir kaufen direkt beim Schlachter, beim Kartoffelbauern und beim Eierhof“, zählt sie auf: „Unsere Brötchen liefert Justus, die kommen nicht aus der Fabrik. Damit heben wir uns ab! “ Rouladen werden bei Meyer und Wagner selbst gewickelt, Schnitzel in der Küche am Lutterdamm paniert.

Außerdem richteten die beiden ihre Restaurants ganz neu ein. Dem Imbiss am Lutterdamm ist das auf den ersten Blick anzusehen. Die lang gezogene, mit Leder bezogene Sitzbank entlang der Wand im Gastraum sieht so gar nicht nach schnellem Essen im Stehen aus. Mit den bequemen Holzstühlen und den warmen Brauntönen wirkt das eher wie ein gemütliches Café. Die Wände schmücken Grafiken und Bilder aus dem historischen Bramsche. Aufgerüstet wurde auch technisch: Bei Jonny’s Pantry bekommt man heute selbstverständlich Cappuccino mit geschäumter Milch. Die Kunden sollen sich wohlfühlen und gerne wiederkommen, wünschen sich Meyer und Wagner. Viele Stammkunden würden täglich in einem der beiden Imbisse essen. Der Altersquerschnitt sei dabei ebenso bunt gemischt wie der berufliche Hintergrund. „Der Banker kommt genauso zu uns wie der Arbeiter vom Bau oder aus der Textilfabrik“, sagt Meyer: „Abends überwiegen jüngere Leute.“ Sie ist fest davon überzeugt, dass für das Wohlbefinden der Kunden auch eine möglichst geringe Fluktuation beim Personal wichtig ist. Deshalb gibt es feste Besetzungen für die Früh- und Spätschicht. „Man kennt sich“, so Meyer: „Das ist Bramsche, dafür sind wir klein.“

Auch die Chefinnen mischen nach Kräften im Tagesgeschäft mit. Beide arbeiten etwa 60 Stunden wöchentlich. „Wir tun es gern, weil es Spaß macht“, sagen sie. In der Küche am Lutterdamm geht der Betrieb montags bis freitags von acht Uhr am Morgen bis nachmittags um vier. Die Imbisslokale sind täglich von halb elf bis zehn geöffnet. „Wir kochen jeden Tag andere Gerichte für unsere Imbisse“, erklärt Margret Wagner. Hinzu kommt das typische Imbisssortiment. Der Köchin ist wichtig, dass man bei ihr günstig und regelmäßig essen kann, vom Milchreis bis zur Currywurst.

Meyer und Wagner haben die Zuständigkeiten klar untereinander aufgeteilt: Die Kauffrau kümmert sich um den Einkauf und kaufmännische Aufgaben, die Köchin leitet die Küche; beide sind Geschäftsführerinnen der gemeinsamen GmbH. Entscheidungen im Unternehmen treffen sie grundsätzlich zusammen. An jedem Morgen besprechen sie die Planung für den Tag. Weil die Mitarbeiter nicht alle gleich viel arbeiten, gehört dazu einiges Geschick.

Mensa ab 6 Uhr früh

Jüngstes Projekt der engagierten Unternehmerinnen ist die Mensa für Realschule und Gymnasium in Bramsche, die sie seit dem Sommer 2013 betreiben. Dort beginnt die Arbeit bereits um sechs Uhr in der Frühe. „Eine von uns ist dann immer da“, sagt Meyer: „Auch mittags sind wir vor Ort.“ Die ersten Schüler kommen schon um sieben, um sich Getränke und etwas zu essen zu kaufen. Meyer und Wagner bemühen sich darum, ihr Angebot auf die Wünsche der Schüler abzustimmen. Die Ergebnisse von Befragungen haben sie überrascht: Die Jugendlichen wünschen sich Gerichte wie Pfannkuchen mit Apfelmus zu Mittag. Gemüse, Salat und Obst sind wenig gefragt. Weil die Küche am Lutterdamm bereits an ihrer Kapazitätsgrenze arbeitete, haben Meyer und Wagner die Schulmensa komplett auf eigene Füße gestellt. Vier Mitarbeiter kochen dort für den Schulbetrieb. Für die Unternehmerinnen bedeutet das: Es gibt keine Synergieeffekte, ihre Arbeitsbelastung steigt. Dennoch wirken die beiden hochzufrieden mit der gemeinsamen Selbstständigkeit. „Ich will nicht mehr acht Stunden täglich im Büro sitzen“, sagt Meyer: „Bei uns passiert täglich etwas, und wir müssen uns um alle Details kümmern. Wir lernen laufend dazu und bleiben nicht stehen.“

Die Partner beider Frauen arbeiten bei Jonny’s Pantry mit, Privatleben und Firma sind eng verzahnt. Und doch sieht das Leben von Meyer und Wagner außerhalb der Arbeit so grundverschieden aus wie die beiden Frauen. Mit ihren silbernen Schuhen zur türkisfarbenen Jacke kommt Anja Meyer sportlich daher. In der knappen Freizeit beschäftigt sie sich mit Fitnesssport und ihrem Hund. Die vierfache Großmutter Margret Wagner tritt bodenständiger auf und gibt als Hobby ihren Garten an. Auch sie hält einen Hund. In den letzten elf Jahren haben die Freundinnen viele selbst gesetzte Ziele erreicht. Trotzdem sind ihre Wünsche für die Zukunft mit Jonny’s Pantry bescheiden: „Wir wollen klein bleiben und unsere Qualität halten.“


Die BN-Serie „Roter Faden – Bramscher Wirtschaft im Porträt“ stellt Firmen-Chefs und Geschäftsführer von Unternehmen in unserer Region vor. Im Mittelpunkt stehen dabei die Persönlichkeiten, die mit ihrem Engagement das Unternehmen voranbringen. Ihre berufliche Entwicklung wird ebenso nachgezeichnet wie das Wachsen des Betriebs. Das Besondere dabei: Jede/r Porträtierte schlägt unserem Mitarbeiter den nächsten Kandidaten für diese Serie vor. So zieht sich – nach und nach – ein „Roter Faden“ durch die örtliche Wirtschaft, mit dem die Bramscher Nachrichten die Vielfalt von Industrie, Handel und Gewerbe in unserer Umgebung aufzeigen.

Betreiber von Jonny’s Pantry ist die MeWa Gastro + Service GmbH von Anja Meyer und Margaretha Wagner. Das 1966 gegründete Unternehmen ist an drei Standorten in Bramsche aktiv: Die Zentrale am Lutterdamm beherbergt eine Küche und ein Imbissrestaurant, hinzu kommt ein Imbiss an der Lindenstraße. Seit Sommer 2013 betreiben Meyer und Wagner die Mensa für Realschule und Gymnasium in Bramsche. Dafür haben sie eigens eine weitere Firma gegründet und vier Mitarbeiter eingestellt. Weitere 22 Menschen beschäftigen sie in den Imbissbetrieben (Vollzeit und Teilzeit), außerdem eine Auszubildende für den Beruf der „Fachkraft für die Systemgastronomie“. Die Küche am Lutterdamm beliefert beide Imbisse mit rund 100 warmen Mahlzeiten täglich. Außerdem beziehen zwei Schulen täglich 30 bis 40 Essen von hier. An den Wochenenden wird die Küche zusätzlich durch den Partyservice ausgelastet. In Stoßzeiten – beispielsweise wenn Konfirmationen gefeiert werden – erledigt das Team sonntags sechs bis acht Aufträge. Das Sortiment umfasst neben vier Menüvorschlägen auch Buffetangebote, kalte Platten, Suppen und Desserts. Der Firmenname Jonny’s Pantry geht auf den Firmengründer Manfred Knölker zurück, er wurde „Jonny“ gerufen.

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