Der Tag nach der Wahl Pahlmann schwebt durchs Bramscher Rathaus

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Bramsche. Tür auf: Ist Heiner Pahlmann hier? Nein, schon weg. Zweite Tür auf: Hier ist er auch schon weg. Dritte Tür: Ebenfalls. Wer am Tag nach der Wahl den Sieger und kommenden Bürgermeister Heiner Pahlmann treffen will, der muss schnell sein. „Der schwebt hier irgendwo durch das Rathaus“, heißt es, während Pahlmann sich nach und nach kurz bei den Mitarbeitern der Stadtverwaltung vorstellt, deren Chef er ab November wird.

Heiner Pahlmann schwebt also am Tag nach der Wahl. Eine zutreffende Beschreibung. „Solch ein tolles Ergebnis habe ich nicht erwartet“, wiederholt er immer wieder das, was er bereits am Sonntagabend so oft gesagt hatte. Von seinen künftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird er überaus freundlich, fast herzlich begrüßt. „Es zahlt sich halt doch aus, wenn man nicht nur auf die Verwaltung eindrischt“, kann sich Pahlmann einen Seitenhieb auf seinen unterlegenen Konkurrenten Andreas Quebbemann nicht verkneifen, der im Wahlkampf immer wieder Kritik an der Arbeit im Rathaus geübt hatte . Pahlmann hat indes auch vorgesorgt und für jeden ein kleines Bestechungsgeschenk mitgebracht: Die „Himmlischen“ heißen die Pralinen, klärt er auf. „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit“, sagt Heiner Pahlmann zu seinen künftigen Mitarbeitern, bevor er zum nächsten Büro weiterschwebt und erfreut feststellt, „wie viele Leute ich hier schon kenne“.

Diesem ersten Besuch im Rathaus werden bis zum Amtsantritt am 1. November noch einige folgen. „Ich kann diese Aufgabe ja nicht Knall auf Fall antreten“, erklärt Pahlmann. Er wolle sich immer wieder in den kommenden Monaten mit den Verantwortlichen der Fachbereiche und mit Bürgermeisterin Liesel Höltermann treffen, „um dann gut vorbereitet starten zu können“, wie Pahlmann sagt.

Ob er dafür bereits kurzfristig sein Amt als Fraktionsvorsitzender im Stadtrat abgeben wird, lässt der 57-Jährige offen. „Wir werden in der Partei und der Fraktion in diesen Tagen viele Gespräche führen“, sagt er nur. Die nächsten Monate wolle er allerdings „auf jeden Fall politisch aktiv mitgestalten und begleiten“, schließlich stünden wichtige Themen an wie die mögliche Amazone-Ansiedlung in Schleptrup , „wo wir wirklich ein Einvernehmen mit den Bürgern suchen“, oder die Entwicklung der Schulstruktur.

Wolfgang Kirchner, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Bramsche, geht deshalb – „ohne dass ich da irgendetwas vorgreifen will“ – davon aus, dass Pahlmann bis zum Oktober seine Funktionen in der Kommunalpolitik behalten wird. „Er ist ja erst letztes Jahr Fraktionsvorsitzender geworden“, erklärt Kirchner. Womöglich sei es sinnvoller, hier „so lange Kontinuität walten zu lassen, wie es möglich ist“. Zumal es in der Bramscher SPD in naher Zukunft noch eine weitere gravierende Veränderung geben wird: Kirchner selbst wird sein Amt als Ortsvereins-Vorsitzender nach rund zwölfeinhalb Jahren abgeben. „Das war eigentlich schon vor zwei Jahren geplant, nun wird es aber wirklich so kommen“, kündigt Kirchner unmissverständlich an. Zwei Jahre vor der nächsten Kommunalwahl sei es ein guter Zeitpunkt, die Aufgaben zu übertragen. Wer es sein wird, „dazu sind wir noch in Gesprächen“, sagt Kirchner. Es sei für beide Ämter – Fraktions-Chef ebenso wie Ortsvereins-Vorsitzender – „zu berücksichtigen, welchen Zeitaufwand das mit sich bringt. Da ist ja bei entsprechenden Interessenten vielleicht auch erst einmal ein Gespräch mit dem Arbeitgeber nötig, ob der dieses Engagement unterstützt“, erklärt Kirchner. Mit der Einladung zur Mitgliederversammlung, die am 28. Juni stattfindet, werde ein Vorschlag unterbreitet.

Frust bei Quebbemann

Beim CDU-Kandidaten Andreas Quebbemann herrschte am Tag danach noch große Niedergeschlagenheit. „Dabei war die Stimmung bei uns so gut. Aber es ist uns nicht gelungen, Wähler außerhalb der CDU zu überzeugen“, bedauert Quebbemann. Anhänger der Grünen hätten offenbar nicht in nennenswerter Zahl für ihn gestimmt.

„In den nächsten Wochen und Monaten werde ich mich mehr um Familie und Freunde kümmern“, kündigt Quebbemann an. „Nach dem derzeitigen Stand kann ich mir jedenfalls nicht vorstellen, noch einmal zu kandidieren.“ Aber diese Frage stellt sich erst in sechs Jahren.

Dieter Sieksmeyer nimmt den Wahlausgang gelassen. Überraschend sei für ihn nur der große Vorsprung, mit dem Pahlmann gewonnen habe, kommentierte der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stadtrat das Ergebnis. „Ich kenne Heiner Pahlmann seit vielen Jahren, ich denke, wir können gut zusammenarbeiten“.

Die Grünen hätten sich im Vorfeld einen gemeinsamen Kandidaten der Neuen Mehrheit gewünscht, betonte Sieksmeyer. Aber die CDU habe auf einem eigenen Kandidaten bestanden. „Wir haben weder als Partei noch als Fraktion einen der Kandidaten unterstützt“, unterstrich Sieksmeyer. Das gelte auch für das ehemalige Grünen-Mitglied Henning Stricker, dem er ein „achtbares Ergebnis“ attestierte. Der Ortsverein der Grünen werde sich mit dem Wahlergebnis auf einer turnusmäßigen Mitgliederversammlung befassen. Für eilig anberaumte Versammlungen sieht der Fraktionsvorsitzende keinen Anlass.


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