Was die Kandidaten erwartet Bramscher Bürgermeister lebt nach Terminkalender

Am Schreibtisch im Rathaus verbringt Liesel Höltermann viele Stunden. Einen fast noch größeren Teil ihrer Arbeitszeit machen allerdings Besprechungen und Sitzungen aus, Foto: Heiner BeinkeAm Schreibtisch im Rathaus verbringt Liesel Höltermann viele Stunden. Einen fast noch größeren Teil ihrer Arbeitszeit machen allerdings Besprechungen und Sitzungen aus, Foto: Heiner Beinke

Bramsche. Von ihrem Job träumen drei Männer aus Achmer. Dabei bedeutet er viel Arbeit und jede Menge Ärger. Liesel Höltermann gibt Einblick in ihren Terminkalender und den Arbeitsalltag einer Bürgermeisterin.

Ein Bürgermeister hat drei Hauptaufgaben: die Leitung der Stadtverwaltung, das Vorbereiten und Umsetzen von Ratsbeschlüssen und das Repräsentieren der Stadt. „Vieles ist gesetzlich geregelt, der Rest liegt im Ermessen des Amtsinhabers“, erläutert Höltermann. Sie selbst habe bei der Führung der Stadt mit ihren 165 Mitarbeitern stets einen Schwerpunkt beim Thema Finanzen gesetzt. Der Haushalt ist im Bramscher Rathaus Chefsache . Es gebe durchaus Kollegen, die dieses Thema an die zuständigen Fachbereiche delegieren und sich auf anderes konzentrieren.

Der Schwerpunkt findet entsprechenden Niederschlag im Terminkalender. Der ist in den Wochen und Monaten vor der Haushaltsplanverabschiedung gespickt mit Haushaltsbesprechungen. Mit jedem Fachbereich gibt es ein erstes Gespräch zur Bestandsaufnahme, eine zweite Runde, in der Änderungen diskutiert werden und schließlich ein Abschlussgespräch, um die finalen Zahlen zu haben. „Das sind sehr intensive, gut vorbereitete Gespräche“, beschreibt die Bürgermeisterin diesen Teil des „ganz normalen Tagesgeschäftes“.

Den ganz normalen Arbeitstag beginnt sie um 8.30 Uhr. Da gibt es eine Menge Post und Vorlagen zu bearbeiten. Der Austausch mit den Verwaltungsvorstandsmitgliedern Ulrich Willems und Hartmut Greife gehört ebenfalls zur täglichen Routine. Gespräche mit Mitarbeitern, Vertretern anderer Behörden, Politikern, Unternehmern, Bürgern, die ein Problem vortragen wollen („Meine Tür steht immer offen“): Kommunikation ist die zentrale Aufgabe des Bürgermeisters.

Mittags fährt Höltermann für ein knappes Stündchen nach Hause in die Gartenstadt, danach „ziehe ich dann durch“, sagt sie. Und das heißt: Vom Schreibtisch geht es gleich weiter zu Sitzungen politischer Gremien oder Aufsichtsräten, in denen der Bürgermeister der Stadt kraft Amtes vertreten ist. Dazu kommen noch Repräsentationstermine. Im Schnitt seien es drei Abende pro Woche, in denen sie nicht vor 22 Uhr nach Hause kommt, sagt Höltermann. Nehmen wir den 28. Januar dieses Jahres: Um 8.30 Uhr gab es beim Landkreis eine Informationsveranstaltung zum Haushalt. Um 11 Uhr stand ein Gespräch mit einer Mitarbeiterin wegen eines schwierigen Ortsratsprotokolls an. Um 14.30 Uhr begrüßte die Bürgermeisterin die Teilnehmer am Projekt Schüler in die Kommunalpolitik im Sitzungssaal. Für 17 Uhr hatte sie einen Telefontermin mit Kreisrat Wilkens vereinbart, und um 18 Uhr begann die Sitzung des Ausschusses für Jugend, Sport und Soziales.

Der dritte große Aufgabenbereich eines Bürgermeisters, das Repräsentieren, findet vorzugsweise zu Zeiten statt, an denen andere Menschen Zeit haben: am Abend oder am Wochenende. Da fällt immer etwas an. Nehmen wir als Beispiel den 1. September 2013. An diesem Sonntag war Liesel Höltermann zunächst Hauptrednerin bei der Einweihung der Kinderkrippe St. Martinus . Um 14.30 Uhr begrüßte sie die Teilnehmerinnen am Damentag des Schützenbundes beim Neustädter Schützenverein, und um 15 Uhr war sie beim Jubiläum der Hallengemeinschaft Schleptrup. Keine harte Arbeit, aber eben auch keine Freizeit, wie Höltermann betont: „So ein Grußwort ist auch immer mit etwas Anspannung verbunden. Und es braucht einiges an Vorbereitung.“ Schließlich soll jedes Grußwort dem Anlass gerecht werden und kein „allgemeines Blabla“ beinhalten.

Bei der Fülle von Einladungen, die da eintrudeln, falle es schon schwer, sich mal ein ganzes Wochenende freizuschaufeln, sagt Höltermann. An diesem ist es ihr mal gelungen für einen Kurzausflug nach Lüneburg. Das Leben nach dem Terminkalender werde sie im Ruhestand bestimmt nicht vermissen, betont die Bürgermeisterin immer wieder. Immerhin steht in ihrem Kalender schon die Veranstaltung, mit der ihr Terminstress ein Ende findet: Am Mittwoch, 29. Oktober, beginnt um 16 Uhr die offizielle Verabschiedung der Bürgermeisterin in der Kornmühle des Tuchmacher-Museums. Bis dahin wird sich der Terminkalender ihres Nachfolgers, der am 25. Mai gewählt wird, schon ganz beträchtlich gefüllt haben.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN