Waffeln, Brot und etwas Politik Bramscher Wahlkämpfer genießen den Sonnenschein



Bramsche. Wahlkampf ist doch gleich etwas anderes, wenn die Sonne scheint. Vor einer Woche bei Kälte und Regen hasteten die Passanten auf dem Kirchplatz meist wortlos an den politischen Werbern vorbei. An diesem Freitag war mit den Temperaturen die Bereitschaft zum Plausch erheblich gestiegen.

Waffeln sind bei der CDU in diesem Jahr der Schlager. „Die gehen immer. Kaffee läuft dagegen bei Regen besser“, hat Imke Märkl festgestellt. Die Waffeln werden mit einem Fähnchen versehen, das für die Bürgermeisterkandidaten Andreas Quebbemann wirbt. „Das ist alles echte Handarbeit“, betont Renate Hartong.

Nebenan bei der SPD gibt es selbst gebackenes Brot mit Schmalz. „Da kann man doch gar nicht Nein sagen“, findet Edeltraut Kerzel, die auch tatsächlich nicht lange braucht, bis sie die Schnittchen an den Wähler gebracht hat.

Um mit dem Wähler ins Gespräch zu kommen, haben beide Parteien neben Flyern zur Wahl wie immer kleine Präsente anzubieten. Bei beiden Parteien gehen Einkaufschips gut. „Die kann man immer gebrauchen, die verliert man ja auch so schnell“, meint Andreas Quebbemann. Ein Renner sind bei der CDU außerdem Parkscheiben und Notizblöcke. Bei der SPD ist dagegen der Klassiker Kugelschreiber gefragt. „Die waren ganz schnell weg“, freut sich Lothar Lewandowsky.

Den Einstieg ins Gespräch liefert beiden Kandidaten meist der Flyer, mit dem sie sich vorstellen. „Darf ich Ihnen ein paar Informationen zur Bürgermeisterwahl geben?“, lautet die Einstiegsfrage. Da gibt es als Antwort auch schon mal ein knappes „Nö“, meist aber entwickelt sich ein Dialog. „Das ist natürlich alles bei so einem Wetter deutlich angenehmer“, betont SPD-Kandidat Heiner Pahlmann .

Es kommt aber auch vor, dass die Kandidaten gezielt angesprochen werden. „Die Dame hatte meinen Flyer gelesen und wollte wissen, wie ich zum Thema Inklusion stehe“, erklärt Heiner Pahlmann nach einem längeren Gespräch. Eine andere Frau erkundigt sich bei der CDU, ob Andreas Quebbemann „nicht der Kandidat aus Achmer“ sei. „Die kommen alle drei aus Achmer, warum das so ist, kann ich Ihnen auch nicht sagen“, entgegnet Margareta Hartong.

Der dritte Achmeraner, Henning Stricker , ist an diesem wie an den anderen Freitagen nicht mit dabei. Das hat auch berufliche Gründe, aber nicht nur: „Diese Art von Wahlkampf mit schwarzen Waffeln vom roten Grill und verschenkten Ostereiern gehört nicht zu meinem Verständnis von Wahlkampf. Ich glaube, die Zeiten, in denen man den Bürger mit Straßenwahlkampf erreicht hat, sind vorbei“, lässt der unabhängige Kandidat wissen.

Stricker setzt ganz auf das Internet, während Pahlmann und Quebbemann das Gespräch suchen, und zwar nicht nur freitags auf dem Kirchplatz. Beide setzen auch stark auf Hausbesuche, „rund um die Uhr und in allen Ortsteilen“, wie Pahlmann für beide feststellt. „Ich hätte nicht gedacht, dass das so eine positive Resonanz findet“, sagt Quebbemann. In diesen Gesprächen gebe es auch ganz konkrete Fragen zu Problemen, die für ihn sehr aufschlussreich seien. Auch wenn die Kandidaten an der Haustür schon einmal irrtümlich für den Lieferanten einer Tiefkühlkostfirma gehalten und gleich mit einer Eisbestellung begrüßt werden, wollen beide bis zum Wahltag weiter unterwegs sein. Sie haben beide Urlaub, bis einschließlich 26. Mai, dem Tag nach der Wahl. Da wird gefeiert oder getrauert, vielleicht aber auch nur durchgeatmet: Wenn keiner im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit schafft, ist am 15. Juni die Stichwahl.


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