Teils hohe Haftstrafen Urteil gegen Bramscher „Newcomer“ verkündet

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Die 3. große Strafkammer hat zehn junge Menschen verurteilt, die überwiegend aus Bramsche stammen. Foto: dpaDie 3. große Strafkammer hat zehn junge Menschen verurteilt, die überwiegend aus Bramsche stammen. Foto: dpa

Osnabrück. Von einem vierwöchigen Dauerarrest bis hin zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten reichen die Verurteilungen, die das Landgericht Osnabrück gegen die zehn sogenannten Bramscher „Newcomer“ ausgesprochen hat. Die 3. große Strafkammer setzte eine Strafe zur Bewährung aus, in drei Fällen nutzte die Schöffenkammer das noch relativ neue Rechtsinstitut des Bewährungsvorbehalts.

Die zum größten Teil noch minderjährigen Beschuldigten mussten sich wegen einer ganzen Reihe von Einbruchdiebstählen und Pkw-Aufbrüchen in Bramsche, Wallenhorst und Georgsmarienhütte verantworten, die sie in unterschiedlicher Besetzung im Frühjahr 2013 verübt hatten. Am sechsten und letzten Verhandlungstag standen zunächst noch die Plädoyers der Verteidiger von fünf der insgesamt zehn jungen Angeklagten aus. Die Anwälte der Beschuldigten verwiesen unisono darauf, dass ihre Mandanten im Prozess geständig gewesen seien. Auch verwiesen sie darauf, dass im Vordergrund des Jugendstrafrechts eine erzieherische Einwirkung auf die jungen Menschen im Vordergrund stehe. Die Verteidiger erklärten deshalb, die von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafen seien deutlich zu hoch. Plädiert wurde auf Bewährungsstrafen.

Dem folgte die 3. große Strafkammer indes längst nicht in allen Fällen. Ein 15-Jähriger muss für vier Wochen in Dauerarrest. Er war zwar an dem einzigen Wohnungseinbruch beteiligt, der nach § 244 Strafgesetzbuch einen besonders schweren Fall darstellt. „Schändlich“ nannte der Vorsitzende Richter diese Tat, da der Einbruch in das Haus einer alten Frau erfolgte, die sich zuvor über Jahre ehrenamtlich um diesen und weitere Jugendliche gekümmert hatte. Allerdings war der Beschuldigte zuvor strafrechtlich noch nicht in Erscheinung getreten. Ein weiterer Jugendlicher erhielt eine Strafe von acht Monaten auf Bewährung. Er war an lediglich einer Tat beteiligt. Drei Mal wandte die Strafkammer das Mittel des sogenannten Bewährungsvorbehalts an. Dabei behält sich das Gericht zunächst vor, ob es eine Strafe zur Bewährung aussetzt und macht dies von Auflagen abhängig, die erfüllt werden müssen. So wurde einem der Verurteilten, der mittlerweile in Georgsmarienhütte lebt, der Kontakt zu seinen Freunden aus Bramsche untersagt. Ein weiterer Angeklagter muss sich in eine pädagogisch betreute Wohnform begeben. In einem dritten Fall wurde dem Verurteilten aufgegeben, sich ein Jahr lang von einem Betreuungshelfer unterstützen zu lassen.

Diesen Angeklagten bezeichnete der Vorsitzende Richter als einzigen „Lichtblick“ unter den Angeklagten: Der heute 20-Jährige hatte sich aus eigenem Antrieb aus der Gruppe gelöst und sich professionelle Hilfe gesucht. Für die übrigen Verurteilten gab es harsche Worte mit auf den Weg. „Schädliche Neigungen“ und „dringenden Erziehungsbedarf“ machte das Gericht aus. „Eine ganz saubere Nummer“ habe einer der Angeklagten hingelegt, der im Verlauf des Prozesses festgenommen wurde, nachdem er bei einem weiteren Einbruch ertappt worden war: „Da überlegen wir noch, ob wir Ihnen eine Chance einräumen. Und Sie ziehen los und brechen wieder ein. Sie haben nichts gelernt! Und auf solch ein Verhalten kennt der Staat nur eine Antwort: Knast “, hieß es, begleitet von einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten. Mit Blick auf den einzigen Angeklagten, der nach Erwachsenen-Strafrecht verurteilt wurde und eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten kassierte, stellte das Gericht fest: „Der Rechtsstaat würde sich lächerlich machen, wenn er Ihnen noch einmal eine Bewährungsstrafe eingeräumt hätte.“ Eine solche hatte seine Verteidigerin gefordert, weil ihr Mandant sich nur wegen Bedrohungen durch die anderen Beschuldigten an den Straftaten beteiligt habe.


Angeklagt waren Taten, die im Winter und Frühjahr 2013 begangen wurden. Zwischen Anfang Februar und Mai sind die Angeklagten nach den Feststellungen des Gerichts in folgende Örtlichkeiten eingebrochen (in Bramsche, soweit nicht anders gekennzeichnet): Grundschule im Sande (2 x), Vereinsheim MFC Osnabrück am Flugplatz Achmer, Münzautomaten-Aufbruch an einer Kfz-Waschanlage, Honigmoor-Schule, Rollerdiebstahl in der Vockestraße, Eisdiele La Gondola (3 x), Imbiss Borsigstr. Wallenhorst, Jugendzentrum Alte Webschule, Sporthalle Im Sande mit anschl. Pkw-Diebstahl, AWO-Altenwohnheim mit anschl. Pkw-Dienstahl, Einbruch Privathaus, Alte Post, Uhren Lammers, Musikraum an der Realschule, Kindergarten St. Johannis, Wilhelm-Busch-Schule, Sanders, Bramscher Nachrichten, Niels-Stensen-Kliniken (dort zunächst Tresor-Diebstahl, mit darin vorgefundenem Schlüssel später Wechselgeldautomaten geplündert. Die Beute bei den Diebeszügen reichte von einer Portion Eis bis hin zu 4000 Euro Bargeld im Krankenhaus. Aus dem Haus einer alten Dame stahlen die Täter Geld und Schmuck im Gesamtwert von rund 4900 Euro. Hinzu kommen einige Pkw-Aufbrüche, bei denen zumeist technisches Euqipment von relativ geringem Wert die Beute war.

Die Urteile im Einzelnen: Gegen einen minderjährigen Angeklagten wurde ein Dauerarrest von vier Wochen verhängt. Weitere noch nicht volljährige Angeklagte wurden in einem Fall zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten, des Weiteren zu Jugendstrafen von einem Jahr und drei Monaten, einem Jahr und neun Monaten sowie zwei Jahren ohne Bewährung verurteilt sowie in einem Fall zu jeweils einem Jahr und zehn Monaten unter Bewährungsvorbehalt. Zwei 20-Jährige wurden nach Jugendstrafrecht verurteilt, einmal zu einer Strafe von zwei Jahren und acht Monaten, der andere zu 18 Monaten unter Bewährungsvorbehalt. Ein 26-Jähriger muss für drei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis.

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