Immer wieder freitags Tuppern ohne Party auf dem Bramscher Wochenmarkt

Von Hildegard Wekenborg-Placke

Überschüsse und Restbestände verkaufen Ilona Lehners und Torsten Laurenz. Foto: Hildegard Wekenborg-PlackeÜberschüsse und Restbestände verkaufen Ilona Lehners und Torsten Laurenz. Foto: Hildegard Wekenborg-Placke

Bramsche. Das Unternehmen, das Kunststoffartikel durch freundliche Damen auf häuslichen Partys vertreiben lässt, ist eigentlich jedem bekannt. Torsten Laurenz aus Oldenburg verkauft eben diese Salatschüsseln, Gefrierdosen oder Cornflakesstreuer mit Abschlag. Aber auf eines legt er Wert: „Wir verkaufen „diverse Haushaltswaren“. Spricht’s – und grinst.

Um das Kind nun beim Namen zu nennen – Laurenz und seine „Chefin“ Ilona Lehners „tuppern“. Aber nicht im heimischen Wohnzimmer, sondern auch auf acht Wochen- und zahllosen Flohmärkten. Dem Unternehmen mit dem ungewöhnlichen, dennoch seit sechzig Jahren profitablen Geschäftsmodell ist das allerdings gar nicht so recht, wie Laurenz in den drei Jahren beobachtet hat, in denen er von Tupper-Beraterinnen Restbestände, Überhänge und Vorführstücke aufkauft und wieder an die Frau, oder seltener den Mann, bringt. Schon mehrfach hatte er „Besuch“ von Vertretern des Unternehmens, dessen „System“ bereits mehrfach die Medien beschäftigte.

Den Markthändler Laurenz ficht das allerdings nicht wirklich an. „Wir recyclen hier lediglich ein hochwertiges Markenprodukt“, sagt er und macht sich auf die Suche nach dem Deckel für eine ganz spezielle Dose, in der Brie-Ecken aufbewahrt werden können. Die ältere Dame, in deren Beständen dieses Stück fehlte, ist ganz spontan stehen geblieben, Staunen in den Augen. „Was, das gibt’s jetzt auch hier?“ Sie mag es gar nicht glauben. Ein kurzes Gespräch und eine Minute gezielten Suchens weiter, stellt sich heraus: Früher, und das ist angesichts ihres Alters von 80 Jahren wirklich lange her, wie sie betont, war sie selbst Tupper-Beraterin. Da hat sich was angesammelt, kistenweise Schüsseln, Schüttelbecher und, und, und....Von Omas Beständen profitieren jetzt die studierenden Enkel, erzählt die rüstige Dame, die zwar verrät, dass sie gebürtig aus den Niederlanden stammt und seit 55 Jahren in Bramsche lebt, aber ihren Namen doch lieber für sich behält.

Der Fall ist offenbar nicht untypisch. „Wir verkaufen die Überschüsse, damit der Mann in der Garage wieder seine Carrera-Bahn aufbauen kann“, flachst Laurenz. Es gibt auch nicht so schöne Anlässe. „Einmal hat uns ein Mann nach dem Tod seiner Frau vier Säcke nagelneue Artikel gebracht, die er auf dem Dachboden gefunden hat“, berichtet er. Die Beraterinnen haben die Ware gekauft, bevor sie sie weiterverkaufen können. Alles ist bezahlt. Unter anderem deshalb kann das US-Unternehmen dem Markthändler Laurenz auch nichts anhaben . Er verkauft nur „Second Hand“ „Inzwischen ist das ein Selbstläufer geworden“, sagt er. In Bramsche ist er alle vierzehn Tage zu finden.