Asiatische Geschichen Märchen und Marimba im Bramscher Tuchmacher-Museum

Von Holger Schulze

Asiatische Geschichten in der Kornmühle: Hermann Helming und Werner Deflorian (von links). Foto: Holger SchulzeAsiatische Geschichten in der Kornmühle: Hermann Helming und Werner Deflorian (von links). Foto: Holger Schulze

Bramsche. In südostasiatische Märchengefilde führte ein Angebot der Reisekunst Osnabrück“. Werner Deflorian als Erzähler hatte eine ganz Reihe von Märchen in das Tuchmacher-Museum mitgebracht, „deren Geschichten durch ihre lebensnahen Weisheiten und ihre poetische Kraft faszinieren“, so die Vorankündigung.

Begleitet wurde er von Hermann Helming, Musikschullehrer und Dozent für Schlagzeug und Marimba an der Universität Osnabrück. Mit eigenen Kompositionen sowie mit Werken anderer Komponisten für das mehrstimmige Klöppelinstrument unterstrich er wirkungsvoll die Worte des Erzählers. Gemeinsam ist das Duo seit 15 Jahren zusammen und unter dem Namen „Märchen, Mythen und Marimba“ vor Publikum aktiv.

Werner Deflorian trug seine Geschichten in freier Rede vor. Die weichen, warmen Töne der Marimba verliehen dazu, mal dezent, mal virtuos, den Inhalten zusätzliche Akzente, die den beiden Märchenstunden weitere Klangfarben hinzufügten.

Von ihrer Konzeption her hatten sich die Vortragenden zum einen für ein Wechselspiel zwischen Erzählung und Musik entschieden. Doch auch parallel zu den Worten ließ Hermann Helming sein Instrument an so manchen Stellen ertönen, um die Handlungsstränge mit weiterer Spannung oder Dynamik zu untermalen.

„Und immer wieder aktuell, so erzählt man sich in China, warum es keinen Krieg geben kann“, mit diesen Worten stieg Werner Deflorian in seine Erzählerpart ein. Ein glückliches Bauernpaar mit einem Kind lebte auf dem einzigen Grundstück, auf dem die Kriegsführung Sinn machte. Um dieses Glück nicht zu zerstören, verzichteten die Kontrahenten auf die mörderische Auseinandersetzung. So schlicht kann das Motiv für Frieden sein.

Ein Märchen aus Japan ließ einen alten Mann zum Jüngling werden. Als dessen Frau ebenfalls von diesem Jungbrunnen trinken wollte, vergaß sie komplett das gebotene Maß und sie wurde zum Säugling.

Weiterhin in Japan verbleibend, erlaubte sich Werner Deflorian einen Ausflug in die Traumwelt. Hierbei wurde ein junger Holzfäller von einer fremden jungen Frau durch die „Räume der vier Jahreszeiten“ geführt. Er blieb fortan seiner Familie fern und lebte bei der jungen Frau bis zu deren Tod drei Jahre lang. All dies war jedoch nur ein Traum, und das Ende der Geschichte blieb, wie so oft bei asiatischen Märchen, offen.

„Sechs Gespenster“ forderten anschließend das Publikum zum Mitmachen auf. Mit diversen, vom Duo ausgeteilten Klanginstrumenten, unterstützte es akustisch die mystische Geschichte. Denn diese Gespenster konnten nur durch Lärm besänftigt werden. Es wurde also geräuschintensiv in der Kornmühle.

Von Japan ging es im Anschluss an die Pause nach Vietnam. Auch diese Geschichte handelte wiederum von einem jungen Holzfäller. Ein kranker, alter Mann trat unverhofft in das Leben des Holzfällers, dem er Pflege und Obdach zukommen ließ, ohne sich um eine Belohnung zu kümmern. Nach seiner Genesung zeigte der alte Mann seine Dankbarkeit dadurch, dass er dem Holzfäller und seiner Mutter genaue Instruktionen zukommen ließ, wie sie den eigentlich für die Beiden bereits feststehenden Todeszeitpunkt aufschieben konnten.

Eine andere Erzählkultur wurde durch eine tibetische Geschichte vorgestellt. Der Drache als Symbol für kosmische Gewalt, für Wolken, Wetter und Gewitter, verwandelte sich in „Das Juwel des Drachen“ in einen echten Lebensretter.

Mit einem Schlenker nach Italien, konkret mit einer bizarren Geschichte aus dem alten Venedig, ging der Erzählteil voller Poesie, Philosophie und polyphoner Musik seinem Ende entgegen. Eine Leiche aus dem Meer sorgte für Angst und Schrecken unter Fischern.

Gesang zur Marimba, auch das gab es noch an diesem Abend der „ReiseKunst Osnabrück “. Mit einem Titel von Konstantin Wecker zeigten Hermann Helming und Werner Deflorian eine weitere Facette ihres Könnens, bis schließlich eine Trilogie aus Geschichten vom Fuchs, vom Affen und von einem Herrenanzug die gern genutzte Gelegenheit zum anerkennenden Abschlussbeifall eröffnete.


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