Gartenserie Querbeet Bramscher Gärten zu selten Futterstelle für Vögel


Bramsche. Enttäuschung beim jährlichen Reinigen der Nistkästen: 20 Stück hängen schon seit Jahren in einem großen Garten mit Hecken, Obstgarten, alten Laubbäumen und einem kleinen Wäldchen, mit Wasserstellen und biologischem Gemüseanbau ohne jeglichen Gifteintrag. Bis 2008 waren in jedem Jahr fast alle Nistkästen besetzt. In den letzten fünf Jahren wurden es immer weniger Nester. In 2013 gab es nur noch neun Bruten (zwei Kleiberpärchen, ein Spatzennest und sechs Meisenbruten). Was war nun der Grund für diesen stetigen Rückgang in einem Umfeld, wo doch alles in Ordnung zu sein scheint?

Rolf Hammerschmidt, der schon fast sein ganzes Leben der Natur gewidmet hat, sagt ganz klar, dass die Vögel im städtischen Bereich nicht mehr genug Futter finden, um Nachwuchs aufzuziehen. Kleine Oasen ändern nicht viel am ganzen Bild. Es gibt einfach zu viele negative Einflüsse im gesamten Umfeld: zu viele Giftstoffe, zu aufgeräumte Gärten mit pflegeleichten Immergrünen und zu wenigen Insekten für die Aufzucht der Jungen. Die vielen Vögel an den winterlichen Futterstellen täuschen über die Menge der normalen Standvögel. Größere Gruppen von Strich- oder Zugvögeln versuchen beim Durchzug durch das hiesige Gebiet möglichst viel Futter zu ergattern und verfälschen so das Bild.

Besonders deutlich wurde der Futtermangel in der Stadt auf der Grünanlage am Raschplatz. Auf Initiative des Bauamtes hatte Hammerschmidt mit den Vogelfreunden des Naturschutzvereins Achmer in den städtischen Anlagen zwischen 1986 und 1988 Vogelschutzgehölze eingerichtet und Brutkästen aufgehängt, die zweimal im Jahr kontrolliert und vor Beginn der kalten Jahreszeit gereinigt wurden. In den Folgejahren waren die Kästen gut besetzt. Schon ab 1993 zeichnete sich ab, dass die jährliche Brutrate dramatisch zurückging, bis schließlich Anfang des neuen Jahrhunderts die Kästen leer blieben. Das veranlasste die Betreuer, die Nistkästen an die Peripherie der Stadt umzusiedeln. Insbesondere am Renzenbrink gibt es jetzt eine stabile Besetzung.

Die Hoffnung der Vogelschützer um Rolf Hammerschmidt richtet sich nun auf das Hasesee-Umfeld . Dass der Pflegekalender einem natürlichen Rhythmus angepasst wird, um das Futterangebot für Vögel zu vergrößern, konnte inzwischen mit der Stadt vereinbart werden. Das Problem „streunende Katzen “, auf deren Konto ein großer Teil der Vogelverluste geht, ist sicher nicht so schnell zu lösen. Ein Anfang ist jedoch schon die seit Januar geltende Kastrations- und Registrierungspflicht . Wichtiger noch wäre die Einsicht der Katzenhalter, ihre Haustiere in den für Brut und Jungvögel kritischen Monaten zwischen März und August im Hause zu behalten.

Der Einzelne kann also durchaus seinen Betrag zum Schutz der Vögel leisten. Vor allem dadurch, dass er seinen Garten vogelfreundlich gestaltet. Das ist schon zu erreichen, wenn alte Obstbäume nicht gefällt werden, wieder mehr Gebüsch, laubabwerfende Hecken, ungefüllte Blumen und Blütensträucher mit vogelnährenden Früchten gepflanzt werden. Dazu ist es hilfreich, die Beete im Herbst nicht komplett abzuräumen und auch, wo es passt, auch mal eine unaufgeräumtere Ecke zu tolerieren.

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