Neue Initiative formiert sich Bramsche auf dem Weg zur „essbaren Stadt“?

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Bramsche. Von Todmorden lernen möchten Silke Lewandowsky und Susanne Enge. Die beiden Mitglieder des Partnerschaftsvereins haben vom letzten Besuch in der englischen Partnerstadt eine Anregung mitgebracht, die sie hier in die Tat umsetzen möchten. „Incredible edible“ – unglaublich essbar – heißt die Idee, über die die beiden im Interview sprechen.

Frau Enge, Frau Lewandowsky, was hat es denn mit dem unglaublich essbaren Todmorden auf sich?

Silke Lewandowsky: Vor mehreren Jahren sind da einige engagierte Leute auf die Idee gekommen, öffentliche Beete, oft auch kleine Hochbeete, mit Kräutern, Gemüse oder Obst zu bepflanzen. Einzelpersonen oder Straßengemeinschaften übernehmen die Pflege, und jeder darf sich an den Erträgen bedienen. Anfangs hielten das viele für Spinnerei, aber heute ist das in Todmorden weit verbreitet . Da geht es jetzt stark in Richtung regionale Produkte, zum Beispiel gibt es eine Kampagne für in der Region produzierte Eier, und es gibt inzwischen auch ganze Felder, die von der Gemeinschaft bestellt werden, um unabhängig in der Lebensmittelversorgung zu sein. „Incredible edible“ hat sich von Todmorden aus in ganz Großbritannien und auch schon im Rest Europas verbreitet . Wir finden, da können wir von unserer Partnerstadt lernen .

Susanne Enge: Als ich im Herbst in Todmorden war, habe ich mit meinen Gastgebern einen ausgedehnten Spaziergang durch die Stadt gemacht und überall diese Beete bewundert. Da ich gerade erkältet war, habe ich mir etwas Salbei gepflückt und mir einen Tee gekocht. Ich habe jetzt im Vorgarten einen Johannisbeerstrauch gepflanzt und Mangold und Rhabarber dazu, das will ich noch erweitern, vervollständigen, einfach ausprobieren. Ein schöner Vorgarten muss ja nicht zwingend nur Rosen haben. Obst und Kräuter blühen auch sehr schön.

Und das soll nun auch auf öffentlichen Flächen in Bramsche gehen?

Enge: Da geht es erst einmal darum, dass sich jemand verantwortlich fühlt. Wenn man mit dem Fahrrad durch Bramsche fährt, findet man viele Ecken, wo man sich das vorstellen könnte. Das ist ja auch etwas für das Stadtbild, Pfefferminze, Oregano, das blüht wunderschön. Und die ganzen blühenden Pflanzen sind auch besser für die Bienen als die geharkten Wohnzimmer, in die viele ihre Vorgärten verwandelt haben. Das hat auch etwas von dem Projekt „Unser Dorf soll schöner werden“. Vielleicht nennen wir es ja „Unsere Stadt soll lecker werden“.

Lewandowsky: Interessant ist die Fläche an der Hemker Straße , weil die auch gerade durch die Debatte im Ortsrat wegen der Anpflanzung in der Diskussion ist. Die ist zwar riesig, aber man kann vielleicht mit einem kleinen Teil anfangen, an der Mauer bei Sostmann beispielsweise. Da könnte man etwas mit Spalierobst an der Wand machen. Das ist ja auch eine Anregung für andere Leute, so etwas in ihrem Garten zu tun.

Enge: Vielleicht interessiert sich auch eine Gärtnerei dafür. Als ich das gelesen habe mit der Diskussion im Ortsrat, da kam mir nur der Gedanke: Hallo, das ist die ideale Fläche um das mal auszuprobieren. Es kann schiefgehen, okay. Aber es kostet nicht viel Geld.

Wie kann man das denn nun konkret voranbringen?

Lewandowsky: Ich denke, man braucht vor allem Leute, die sich dafür verantwortlich fühlen. Sonst besteht schon die Gefahr, dass das verwildert. Das sieht man auch in Todmorden.

Enge: Ich stelle mir Jugendgruppen vor oder Straßengemeinschaften, die sich um ein Beet kümmern. Ich kann mir das auch auf Kinderspielplätzen vorstellen. Lass die Stadt doch da überall Salbeisträucher hinsetzen. Erbsen blühen auch wunderschön. Viele Kinder wissen gar nicht mehr, wie Erbsen wachsen. Man muss Garten oder Grünfläche anders definieren.

Wie steht es mit Vandalismus oder Leuten, die solche Beete als Einladung an ihren Hund verstehen, sich zu erleichtern?

Enge: Sie haben in Todmorden keine Probleme mit Vandalismus, was ja auch schnell als Gegenargument kommt. Ich glaube nicht, dass Menschen so etwas machen. Ich finde das sehr bürgernah, das ist etwas fürs Gemeinwohl. In Todmorden steht an den Flächen immer dran, wer das gemacht hat. Wir haben hier ja auch einige Gruppen, die man dafür begeistern könnte.

Lewandowsky. Ich glaube, dass da der Respekt vor Lebensmitteln dann schon da ist. Vielleicht auch bei den Hundebesitzern. Aber natürlich muss jedem, der etwas von öffentlichen Beeten verzehren will, klar sein, dass er das waschen muss.

Wer nun auf den Geschmack gekommen ist und mitmachen will, an wen wendet der sich am besten?

Lewandowsky. Da muss man jetzt Freiwillige finden. (Zu Susanne Enge:) Du könntest ja als Frontfrau vorangehen (lacht).

Enge: Wobei ich überhaupt nicht gärtnern kann. Aber wenn da Fachleute kämen und Leute, die helfen wollen, könnte ich das koordinieren. Sonst wäre das ja witzlos, wenn das keiner in die Hand nimmt. Wir brauchen Leute, die etwas sponsern, Leute, die etwas können, und Leute, die ihre Zeit einbringen. Ich kann das nur koordinieren.

Wer mitmachen will, kann sich bei Susanne Enge, Tel. 05461/1596, email fam.enge@gmx.de , melden.


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