Kartellamt verhängt Bußgelder Bramscher Tapetenhersteller beteiligte sich an Preisabsprachen

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Zu teure Tapeten: Der Bramscher Hersteller Rasch hat sich in den Jahren 2005 bis 2008 an illegalen Preisabsprachen beteiligt und sagte im Verfahren als Kronzeuge aus. Foto Jörn MartensZu teure Tapeten: Der Bramscher Hersteller Rasch hat sich in den Jahren 2005 bis 2008 an illegalen Preisabsprachen beteiligt und sagte im Verfahren als Kronzeuge aus. Foto Jörn Martens

Bramsche. Der Bramscher Tapetenhersteller Rasch hat sich offenbar zwischen 2005 und 2008 an verbotenen Preisabsprachen beteiligt. Das Bundeskartellamt hat am Dienstag Strafzahlungen in Höhe von 17 Millionen Euro gegen vier Hersteller und den Verband Deutscher Tapetenfabriken verhängt. Rasch hatte in dem Verfahren als Kronzeuge ausgesagt und bleibt damit straffrei.

Wie das Kartellamt mitteilt, hätten Verantwortliche der Tapetenhersteller A.S. Création, Rasch, Marburger und Erismann auf einer Vorstandssitzung des Verbands der Deutschen Tapetenindustrie (VDT) eine Preiserhöhung um fünf bis sechs Prozent zum 1. März 2006 vereinbart. A.S. Création sollte als Marktführer voranschreiten. Die bevorstehende Preiserhöhung habe der damalige Geschäftsführer des Branchenverbandes an alle Mitgliedsunternehmen weitergeleitet. „Verbandsarbeit ist ein ganz wichtiger Bestandteil unserer Wirtschaftsordnung“, sagt Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes. „In diesem Fall wurde jedoch die Funktion dazu missbraucht, die Absprache der Hersteller aktiv zu unterstützen.“

Zum 1. Januar 2008 folgte offenbar ein weiterer abgesprochener Preisanstieg um fünf Prozent. Diesmal war laut Kartellamt als fünfter Beteiligter der Absprache der Hersteller Pickhardt + Siebert involviert.

In diesem Verfahren tritt die Tapetenfabrik Gebr. Rasch aus Bramsche als Kronzeuge auf. Das Unternehmen brachte das Verfahren ins Rollen und bleibt durch die sogenannte Bonusregelung straffrei. „Die Tapetenfabrik Gebr. Rasch hat alles unternommen, um sämtliche Rechtsverstöße vollumfänglich aufzuklären und nachhaltig abzustellen“, erklärt der Hersteller auf Anfrage unserer Zeitung. Dies sei der einzige Weg gewesen, um zu rechtlich einwandfreiem Verhalten zurückzukehren und drohenden Schaden abzuwenden. „Rasch duldet kein kartellrechtswidriges Verhalten.“ Ein Compliance-Programm soll jegliche Kartellrechtsverstöße vermeiden.

Die Tapetenfabrik Gebr. Rasch fertigt seit dem Jahr 1861 Tapeten und beschäftigt heute weltweit rund 850 Mitarbeiter. Der Umsatz liegt bei 186 Millionen Euro. Die Wettbewerbshüter hatten ihre Ermittlungen im November 2010 mit einer branchenweiten Durchsuchung eingeleitet.

Die Strafe in Höhe von rund 17 Millionen Euro trifft die Hersteller A.S. Création Tapeten AG (Gummersbach), die Marburger Tapetenfabrik J.B. Schaefer GmbH & Co. KG (Kirchhain) Erismann & Cie. GmbH (Breisach am Rhein), Pickhardt + Siebert GmbH (Gummersbach), sowie den Verband der Deutschen Tapetenindustrie.

Bei der Aufklärung habe neben dem Kronzeugen Rasch auch Pickhardt + Siebert kooperiert. Das Verfahren gegen diesen Hersteller als auch gegen Erismann sei bereits einvernehmlich beendet worden.

Gegen die übrigen Bußgeldbescheide kann laut Kartellamt Einspruch eingelegt werden. Davon will die A.S. Création Tapeten AG Gebrauch machen, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Ad-hoc-Mitteilung. Argumente, die gegen Verstöße gegen das Kartellrecht sprechen, seien nicht ausreichend gewürdigt worden. Sollten die Vorwürfe zutreffen, hält der Hersteller die Bußgeldhöhe für unverhältnismäßig.

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