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Bramsche kocht: Eintöpfe Türkischer Weißkohleintopf wärmt die Seele im Bramscher Winter

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<em>Saftiger Wirsing,</em> Rindfleisch und pikante Würze – fertig ist der türkische Eintopf. Foto: Hildegard Wekenborg-PlackeSaftiger Wirsing, Rindfleisch und pikante Würze – fertig ist der türkische Eintopf. Foto: Hildegard Wekenborg-Placke

Bramsche. „Im Winter koche ich eigentlich mehr deutsch, im Sommer eher türkisch“, sagt Ilka-Marlen Holtgrave. Was das Gründungsmitglied der Bramscher Grünen und Ehefrau des türkischen Arztes Ümit Polat für uns auf den Tisch bringt, ist eine gelungene Symbiose beider Küchen – „etli kapuska“, ein Weißkohleintopf mit Fleisch.

„Ein guter Eintopf wärmt nicht nur den Körper, sondern auch die Seele“, heißt eine alte Küchenweisheit. Für das Gericht, den die Hobbyköchin meist mit Wirsing zubereitet, gilt das ganz besonders. Das Rezept stammt von ihrer Schwiegermutter, die aus der Nähe der ostanatolischen Stadt Hakkari stammt.

Die Winter sind hart dort, in den Bergen sinken die Temperaturen schon mal auf minus 40 Grad Celsius, berichtet Holtgrave. Die Menschen dort gehören in ihrer überwiegenden Zahl dem muslimischen Glauben an. Folglich wird „Etli Kapuska“ mit Rind- oder Lammfleisch zubereitet.

Für zusätzliche innere Wärme sorgen reichlich Zwiebeln und die typisch türkische „Bibersalsa“, eine Paprikapaste, die in verschiedenen Schärfegraden erhältlich ist. Ilka-Marlen Holtgrave gibt noch eine kräftige Prise Peperoni-Granulat dazu. „Das bringe ich immer aus der Türkei mit“, verrät sie. Aber etwas Chilischote, die sie selbst zieht, ist auch nicht zu verachten. Aus dem 3000 Quadratmeter großen heimischen Garten stammt übrigens auch das Tomatenpürree, das dem Wirsingeintopf aromatische Würze und appetitliche Farbe gibt. „Ich baue fast alles Gemüse selbst an“, erzählt die Frau mit dem im doppelten Sinne grünen Daumen.

Aber was ist das im Vergleich zu den üppigen fruchtbaren Regionen in ihrer zweiten Heimat am Bosporus. „Von Trabzon bis an die georgische Grenze wird Tee angebaut, in Gaziantep gibt es Pistazien. In den Bergen wachsen Esskastanienbäume, an den Küsten Aprikosen und Pfirsiche. In der Nähe von Istanbul wird Gemüse angebaut. Überall wächst was.“

Ilka-Marlen Holtgrave gerät ins Schwärmen. Seit 40 Jahren hat die Familie ein Ferienhaus auf einer Halbinsel unweit von Istanbul. In jedem Sommer packte sie Kinder und Koffer erst in einen Renault 4, später in einen Bulli. Dann ging es durch das damalige Jugoslawien in Richtung Türkei. Hier wartete schon die Familie von Ümit Polat. Man bereiste das Land, besuchte die weit über das Land verstreute Verwandtschaft, erkundete die kulturellen Reichtümer der Türkei ... und kochte.

Von der Schwiegermutter stammt auch das Rezept für den würzigen Wirsingeintopf. Der wärmt die Seele nicht nur im verschneiten Anatolien, sondern auch im winterlichen Osnabrücker Land.


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