Mit Leckerli Angst überwinden Welpenspaziergang in der Bramscher Innenstadt

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Wichtige Lektion: „Die Angst überwinden schmeckt gut“ – dank jeder Menge Leckerlis trauen sich Frida und Teddy nach anfänglicher Skepsis ganz dicht an die Werbefigur heran. Foto: Ulrike HavermeyerWichtige Lektion: „Die Angst überwinden schmeckt gut“ – dank jeder Menge Leckerlis trauen sich Frida und Teddy nach anfänglicher Skepsis ganz dicht an die Werbefigur heran. Foto: Ulrike Havermeyer

Bramsche. Plus drei Grad. Nieselregen. Reste von Schnee auf dem Pflaster. Dazu ein steifer Ostwind. Ein Wetter, bei dem, wer nett ist, keinen Hund vor die Tür schickt. Barbara Möhlenkamp tut es trotzdem – und Frauchen und Herrchen gleich mit dazu.

Um es klarzustellen: Nett ist die Leiterin der Hundeschule Kalkriese dennoch allemal. Und den acht Vierbeinern, die leicht zitternd auf dem Trottoir in der Bramscher Innenstadt geduldig der Dinge harren, denen es heute mit Würde und Anstand zu begegnen gilt, soll es nicht schlecht ergehen bei ihrem ersten offiziellen Stadtspaziergang in der Welpenschule: Mit jeder Menge Leckerlis und menschlichem Wohlwollen werden ihre Besitzer sie vorbeilocken an den – aus Hundesicht – oft beunruhigenden Phänomenen des urbanen Dschungels.

Zwischen drei und sechs Monaten sind sie alt – eine Horde neugieriger kleiner Racker, denen der Schalk ins Gesicht geschrieben steht. Bei Hundetrainerin Barbara Möhlenkamp haben sie und ihre Zweibeiner in den vergangenen Wochen bereits einiges gelernt. Beagle Wallace beispielsweise geht schon souverän „bei Fuß“ – oft hängt die Leine zwischen seinem Halsband und Frauchens Faust in einem lässigen Bogen durch: Zwei- und Vierbeiner pflegen ganz offensichtlich ein entspanntes Verhältnis zueinander. So soll es sein.

Aber auch Ben und Frida, Teddy und Bounty, Lotte, Lulu und Schmuddel haben die ersten Benimm-Lektionen verinnerlicht: Sie hören auf ihren Namen. Sie kommen, wenn man sie ruft. Und manchmal lassen sie sich, wenn das Kommando „Sitz!“ ertönt, auf ihre Hinterbeine nieder. Manchmal aber auch nicht.

„So ein erster Gang durch eine Stadt ist für eure Hunde eine stressige Situation“, erläutert Hundetrainerin Möhlenkamp die anstehende Herausforderung. Unbekannte Gerüche. Fremde Geräusche. Merkwürdiges Menschenwerk. Auf die Finessen von Disziplin und Gehorsam komme es daher zunächst nicht an, sagt die Lehrerin. Heute seien vor allem zwei Dinge wichtig: „Erstens: Ich will sehen, dass ihr vorausschauend lauft. Zweitens: Findet heraus, wovor eure Hunde Angst haben, und helft ihnen dabei, ihre Angst zu überwinden.“ Klare Ansagen – los geht’s. Das bunte Rudel nimmt Kurs auf die Einkaufsstraße. „Und denkt daran – ihr bestimmt, wo ihr hingehen wollt“, ruft Barbara Möhlenkamp mit pädagogischem Nachdruck ihren Schützlingen hinterher. Gemeint sind wohl die Zweibeiner.

Während Frida amüsiert den ersten Fahrradständer ihres Lebens beschnüffelt und Bounty sich intensiv mit einem Gullydeckel beschäftigt, glänzen Ben und sein Herrchen in Sachen „vorausschauendes Laufen“: Sie haben die kleinen Kinder früh genug entdeckt, sind ausgewichen und haben so eine Begegnung vermieden. „Wir können nicht wissen, ob vielleicht jemand Angst vor Hunden hat, oder ob unser Tier vor lauter Freude an einem Passanten hochspringt, obwohl wir das nicht erlaubt haben“, erklärt Barbara Möhlenkamp. Daher gilt die Regel: Wer einen Hund führt, muss Rücksicht nehmen. Am besten, indem er Konflikte von Anfang an umgeht.

Als dramaturgischer Höhepunkt des Wochenendspaziergangs erweist sich eine rot bemalte Werbefigur vor einem Friseurgeschäft. Die ist größer als ein Bernhardiner, hält eine silberfarbene Schere in der Hand und fixiert mit strenger Miene jeden, der ihren Weg kreuzt. Lotte trippelt nervös auf der Stelle und wäre jetzt viel lieber auf Frauchens Arm. Auch Lulu und Teddy wirken eher skeptisch. Und selbst Ben, Schmuddel und Wallace halten sich diskret im Hintergrund. „Sprecht eure Tiere an“, fordert Hundetrainerin Möhlenkamp. „Ermuntert sie. Zeigt ihnen, dass das Ding nicht gefährlich ist.“ Den Hunden die Angst nehmen, das sei deswegen so wichtig, erklärt sie, weil verängstigte, eingeschüchterte Tiere oft unberechenbar und aggressiv reagierten. Selbst, wenn sie ansonsten ganz brav seien.

Aber wie erklärt man einem kleinen, unerfahrenen Welpen, was er fürchten muss und was eben nicht? „Sprecht mit ihm, lobt ihn, wenn er sich herantraut – und gebt ihm ein Leckerli“, rät die Expertin. „Der Hund muss lernen, wie gut es schmeckt, seine Angst zu überwinden.“ Na also – klappt sogar: Keine fünf Minuten später ist für die acht Hundekinder die komische rote Figur bloß noch eine komische rote Figur. Brav gemacht!

Der Ausflug nähert sich seinem Ende, das Ziel ist erreicht: Gelassen trotten die Pärchen an Warenauslagen, Belüftungsschächten und kulinarischen Verlockungen vorbei. Genug gelernt. Jedenfalls für heute.


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