Grüne laden Gegner ein Bramsche: Informationen zum Thema Fracking

Von Ulrike Havermeyer

Fracking - ein umstrittenes Thema. Im Nordkreis haben sich bereits Gegner formiert. In Bramsche informierten sie jetzt auf Einladung der Grünen. Archivfoto: dpaFracking - ein umstrittenes Thema. Im Nordkreis haben sich bereits Gegner formiert. In Bramsche informierten sie jetzt auf Einladung der Grünen. Archivfoto: dpa

Bramsche. Es geht um Hohlräume, Risse und Löcher: Einerseits um solche, die mit hohem technischen Aufwand in Gesteinsschichten bis zu 2500 Metern Tiefe gebrochen („gefrackt“) werden, um an das dort gebundene, sogenannte Schiefergas zu gelangen. Andererseits um Wissenslücken: Wie funktioniert das Verfahren namens „Hydraulic Fracturing“, welche Risiken birgt es und wo könnte es angewendet werden?

Der Ortsverein der Grünen hatte vor diesem Hintergrund einen Informationsabend mit dem Verein „Interessengemeinschaft Fracking-Freies Artland“ organisiert. Maria Entrup-Henemann und ihr Mann Andreas Henemann aus Quakenbrück lieferten ihren Zuhörern jede Menge Fakten. Auf der Homepage des Vereins www.fracking-freies-artland.de informieren sie darüber hinaus über technische Details und geologische Zusammenhänge des „Hydraulic Fracturing“, stellen Gutachten und Studien zum Thema zur Verfügung und verweisen auf die Mitteilungen des Unternehmens Exxon Mobile, mit dem die Bürgerinitiative regelmäßig Gespräche führt genauso wie auf die als Online-Petition ausliegende Korbacher Resolution der Fracking-Kritiker.

Ob sich mit dem Fracking grundsätzlich auf wirtschaftliche und umweltverträgliche Weise Schiefergas gewinnen ließe, dazu haben Maria Entrup-Henemann und Andreas Henemann eine klare Meinung. „Um ein Bohrfeld zu erschließen, muss bereits im Vorfeld ein gigantischer Aufwand betrieben werden“, erklärte Henemann. „Allein der Transport des Materials, der Bau von Zufahrtsstraßen - da werden täglich enorme Mengen bewegt: Das alles muss man auf Klimatauglichkeit hinterfragen.“ Sei ein typisches Bohrfeld auf einer Fläche von rund 200 Quadratkilometern mit 20 bis 22 Bohrtürmen erst einmal errichtet, führte er weiter aus, dann würden dort pro Bohrung („Frac“) rund 1600 Kubikmeter Wasser verbraucht. „Trinkwasserqualität - wohlverstanden“, betonte er. Bei 22 Bohrtürmen komme man dabei auf einen Endverbrauch von sieben Millionen Kubikmeter Trinkwasser.

Neben dem Wasserverbrauch und der fragwürdigen Klimabilanz nannte Henemann als weitere Gefahren die Beimischung diverser Chemikalien in die „Stützflüssigkeit“, die mit Hochdruck ins Erdreich getrieben werde. Ob die Bohrschächte dabei tatsächlich dicht hielten, da seien sich selbst die Herstellerfirmen der Rohre nicht ganz sicher, gab erdas Risiko eines Lecks mit 50 Prozent an.

Was ein Leck oder ein oberirdischer Chemieunfall für die Grundwasser führenden Schichten bedeuten würde? „Wie können das nicht beurteilen, denn die Firmen halten die Mischung ihrer Chemikalien streng unter Verschluss“, räumte Henemann ein. Auch was das systematische Zertrümmern der geologischen Schichten mit der Stabilität des Gesteins anstelle, sei unklar. „Darüber wissen auch die Wissenschaftler noch viel zu wenig“.

Aufgrund der diversen nicht kalkulierbaren Faktoren des Fracking-Verfahrens hat der Verein sämtliche Gemeinden, die im „Aufsuchungsfeld Bramsche Erweiterung“ liegen, angeschrieben und aufgefordert, sich beim Landesamt für Bergbau für eine Beteiligung auf kommunaler Ebene stark zu machen. Denn die Behörde in Hannover wird im März 2014 darüber entscheiden, ob die „Erlaubnis zur Aufsuchung“ für die Firma Exxon Mobile im Schiefergasgürtel des Landkreises verlängert wird. Die Samtgemeinde Neuenkirchen hat bereits eine solche Resolution verabschiedet.