Vortrag im Krankenhaus Infos zur Palliativmedizin in Bramsche

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Bemühen sich um einen offenen Umgang mit dem Tod (von links): Professor Winfried Hardinghaus (Direktor des Zentrums für Palliativmedizin der Niels-Stensen-Kliniken, NSK), Sigrid Hoekstra (Schriftführerin des Fördervereins der NSK Bramsche), Helga Rolfes (Klinische Krankenhausseelsorgerin), Siegfried Schulz (Vorsitzender NSK-Förderverein) sowie Ulrich Krupp (Oberarzt für Palliativmedizin in den NSK Bramsche). Foto: Ulrike HavermeyerBemühen sich um einen offenen Umgang mit dem Tod (von links): Professor Winfried Hardinghaus (Direktor des Zentrums für Palliativmedizin der Niels-Stensen-Kliniken, NSK), Sigrid Hoekstra (Schriftführerin des Fördervereins der NSK Bramsche), Helga Rolfes (Klinische Krankenhausseelsorgerin), Siegfried Schulz (Vorsitzender NSK-Förderverein) sowie Ulrich Krupp (Oberarzt für Palliativmedizin in den NSK Bramsche). Foto: Ulrike Havermeyer

Bramsche. Dass der eigene Tod unvermeidlich ist, mag bedauerlich erscheinen, ist aber eindeutig nicht zu ändern. Dass aber jeder Mensch zumindest einen gewissen Einfluss auf die Umstände seines Sterbens nehmen kann, erläuterte Professor Winfried Hardinghaus den rund 70 eines Vortrags, zu dem der Förderverein der Niels-Stensen-Kliniken (NSK) eingeladen hatte. Hardinghaus ist Direktor des Zentrums für Palliativmedizin im NSK-Verbund.

Der Mediziner riet seinen Zuhörern nachdrücklich dazu, eine aktuelle und mit Bedacht ausgefüllte Patientenverfügung den persönlichen Unterlagen hinzu zu fügen.

Das Thema „Sterben“ ist eines, das man gerne aufschiebt. In jeder Hinsicht. Eine heikle Sache eben. Man kann es nicht üben. Das Sterben hat, bereits von außen betrachtet, etwas existenziell Dramatisches, final Beängstigendes, an sich. Verständlicherweise. Was nachher kommt, weiß keiner. Wer allerdings von Berufs wegen mit dem Tod zu tun hat, geht zwangsläufig nüchterner mit dem Phänomen der Endlichkeit um. Muss sich auf einer sehr pragmatischen Ebene damit auseinandersetzen, wie Menschlichkeit und humaner Umgang miteinander auch während des letzten Lebensabschnitts praktikabel ist. Als Chefarzt für Palliativmedizin der Niels-Stensen-Kliniken in Ostercappeln und am Harderberg in Georgsmarienhütte behandelt und begleitet Winfried Hardinghaus seit vielen Jahren Patienten, deren Sterben begonnen hat. Als Palliativmedizin wird jenes Fachgebiet bezeichnet, das sich mit der Behandlung von Patienten mit einer nicht heilbaren, fortgeschrittenen Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung beschäftigt.

Die Worte „Ich will sterben!“ höre er als Arzt immer wieder, berichtete Hardinghaus aus dem Krankenhausalltag. Von Menschen, die gerade erfahren hätten, dass sie unheilbar erkrankt seien. Von Patienten, die unter starken Schmerzen oder psychischen Qualen litten. Die niemanden hätten, der sich um sie kümmere. „Aber fast Alle meinen etwas anderes, nämlich: „Ich will so nicht weiter leben“, fuhr der Mediziner fort. Und genau hier setze eine gute Palliativversorgung an. „Es geht darum, die Lebensqualität bis zuletzt so gut es geht zu erhalten.“ Das könne, je nach Wunsch und Zustand des sterbenden Menschen, stationär oder ambulant - oft auch zu Hause oder im Pflegeheim – gestaltet werden. „Die Palliativversorgung ist eine Wunsch erfüllende Medizin.“ Eine, die sich darum bemüht, den Patienten möglichst schmerzfrei und in Würde sein Leben beenden zu lassen.

Die von den Sterbebegleitern sehr ernst gemeinte Frage „Was können wir noch für sie tun?“ führe dann oft zu berührenden Momenten. Hardinghaus berichtet von bewusst als solche erlebten Abschiedsfeiern im Familienkreis, von letzten Ausflugsfahrten, einem letzten sonnigen Nachmittag im Klinikgarten - oder dem eigenen Hund, der sich in der Palliativstation neben den Patienten auf dessen Bettdecke schmiegen darf. „Ja, natürlich erfüllen wir auch solche persönlichen Wünsche“, betont der Mediziner und fasste seine Erfahrungen so zusammen: „Man kann auch schön sterben.“

Doch die Voraussetzung, die Umstände für das eigene Sterben mit zu gestalten, sei eben, sich mit dem so gern auf später vertagten Thema „Tod“ zu beschäftigen, forderte der Palliativmediziner die Zuhörer auf, sich zum Handeln zu überwinden. „Sprechen sie darüber - mit ihrer Familie, mit ihren Freunden.“ Ein Anlass für das Auseinandersetzen sei das Ausfüllen einer Patientenverfügung, die juristisch verbindlich festlege, wie im Falle einer Bewusstseinstrübung beim Prozess des Sterbens mit dem jeweiligen Menschen umgegangen werden solle. Dazu gab Winfried Hardinghaus, der über den Förderverein des Ostercappelner St.-Raphael-Krankenhauses „Spes Viva“ selbst an der Formulierung einer solchen Verfügung mitgearbeitet hat, sehr konkrete Ratschläge: Die Patientenverfügung solle immer gemeinsam mit einem vertrauten Arzt ausgefüllt und von diesem auch mit unterschrieben werden, damit es keine Missverständnisse über die medizinischen Auswirkungen einer getroffenen Entscheidung gebe. Außerdem sei es ratsam, die Verfügung alle zwei Jahre zu aktualisieren. Als Bevollmächtigte könnten nicht nur Ehepartner, die eigenen Kinder oder Verwandte eingesetzt werden, sondern auch gute Freunde oder der Hausarzt.

Vordrucke für Patientenverfügungen können kostenlos beim Förderverein „Spes Viva e. V.“, Bremer Str. 31, 49179 Ostercappeln, oder unter spesviva@krankenhaus-st-raphael.de bestellt werden.


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