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Von Ehering bis Taucheranzug Fundsachen: Bramscher Rathaus birgt Kuriositätenkabinett im Keller

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Bramsche. Wenn Gegenstände Geschichten erzählen könnten, gäbe es reichlich Gesprächsstoff in der Tiefgarage des Bramscher Rathauses: Dort lagern in einem Gitterverschlag Fundsachen, die im Bürgerservice abgegeben werden. Zwei- bis dreimal in der Woche liefern Finder etwas ab, schätzt Kathrin Brüggemann, Verwaltungsfachangestellte im Bürgerservice. Es handelt sich „überwiegend um Fahrräder und Schlüssel“.

Unter den insgesamt 190 Fundsachen, die die Verwaltung im vergangenen Jahr registrierte, waren 81 Räder. Und 45 Schlüssel. Einer von ihnen fand schnell wieder zu seiner Besitzerin zurück: Kurz vor 16 Uhr rief eine Frau im Bürgerservice an, deren Schlüssel tagsüber abgegeben worden war. Im Bürgerservice wurde der Feierabend kurzerhand unbürokratisch hinausgezögert. „Da sind wir gerne zehn Minuten länger geblieben“, erinnert sich Brüggemann an die glückliche Zusammenführung des Fundstücks mit seiner Besitzerin.

Schlüssel finden sich auch bei der Gemeindeverwaltung in Rieste ein, aber dort sind ebenfalls Fahrräder mit Abstand „das, was am meisten gefunden wird“, sagt Paul Plottke. Oft handele es sich um Drahtesel, „die nicht mehr so wertvoll sind“. Die Räder werden beim Bauhof eingelagert, den die Gemeinde zusammen mit Alfhausen betreibt. Kleinere Fundstücke werden im Rathaus eingeschlossen, aber dort sei im vergangenen Jahr „nichts Außergewöhnliches“ dabei gewesen, sagt Plottke.

In Neuenkirchen-Vörden hat die Verwaltungsangestellte Carolin von Wahlde durchaus einen besonderen Eintrag im Fundbuch verzeichnet: Seit September lagert ein Ehering im Tresor. Wenn er bis Ende März nicht von seinem rechtmäßigen Eigentümer abgeholt worden ist, bekommt ihn der Finder. Sollte zuvor jemand vorsprechen, der den Ring vermisst, könnte zumindest noch ein Finderlohn für den Mitbürger herausspringen, der das Schmuckstück im Rathaus ablieferte.

Wer den Ring für sich reklamiert, müsse seinen Anspruch nachweisen, erklärt Von Wahlde. „Für so etwas Wertvolles hat man vielleicht noch die Quittung“, sagt sie. Als Beweis komme aber auch eine exakte Beschreibung der Gravur in Betracht.

Auch in Bramsche müssen die Gegenstände bei der Abholung genau beschrieben werden: Wie viele Schlüssel sind an einem Bund? Gibt es einen markanten Anhänger? Bei vielen Fundstücken könnten die Eigentumsrechte nicht mehr – etwa durch den Kaufbeleg – nachgewiesen werden, sagt Stadtsprecherin Dagmar Paschen. Durch die Beschreibung werde sichergestellt, dass Fundsachen wirklich an ihren Eigentümer ausgehändigt werden. Um nicht zu viele Details preiszugeben, werden im virtuellen Fundbüro auf der Internetseite der Stadt keine Fotos veröffentlicht.

Wer glaubt, dass alle Besitzer intensiv ihren Schlüsseln hinterherjagen, irrt übrigens: „Fahrräder werden häufiger wieder abgeholt als Schlüssel“, sagt Kathrin Brüggemann. Das ist eine der Kuriositäten im Bramscher Fundbüro. Womöglich gingen die Verlierer davon aus, dass ihre kleinen Schlüssel sowieso nicht gefunden und abgegeben würden, vermutet Brüggemann, die bei manchen Fundstücken vor einem Rätsel steht.

Nordic-Walking-Stöcke fanden sich direkt nach dem heißesten Tag des vergangenen Jahres in einem Gebüsch am Hasesee. Ob bei der Hitze die Lust am Sport vergangen ist? Die Mitarbeiter im Bürgerservice können darüber nur Vermutungen anstellen. Gleiches gilt für die Geschichte hinter dem Rollstuhl, der herrenlos am Hasesee gefunden wurde. Dass es sich um eine „wundersame Heilung“ gehandelt haben könnte, mutmaßt Dagmar Paschen mit einem Augenzwinkern.

Bei solch kuriosen Fundstücken, zu denen auch ein Taucheranzug und ein originalverpacktes Navigationsgerät gehören, „überlegt man sich schon, wie jemand so etwas verlieren kann“, sagt Brüggemann. Die Liste lässt sich beliebig erweitern: Beispielsweise um eine Uhr, die auf dem zugefrorenen Hasesee zurückblieb, und um einen Motorroller. „Letztes Jahr hatten wir auch schon einen“, berichtet Brüggemann. Manches werde vielleicht einfach nicht mehr gebraucht und stehen gelassen, vermutet die Verwaltungsfachangestellte.

Von den 190 Fundsachen wurden im vergangenen Jahr 47 wieder bei der Stadt abgeholt. 34-mal fand sich der Eigentümer. 13-mal machten die Finder von ihrem Recht Gebrauch, nach der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist von sechs Monaten den Fund für sich zu reklamieren. Für mindestens ein halbes Jahr muss die Stadt Fundsachen aufbewahren. Schlüssel werden danach vernichtet. Andere Stücke kommen zur Versteigerung – genau wie in Neuenkirchen-Vörden, wo der Fahrradkeller im Rathaus schon gut gefüllt ist für die nächste Kirmes-Versteigerung.

In Bramsche hat es sich nach Dagmar Paschens Worten seit 2008 „gut bewährt“, Fundsachen meistbietend abzugeben. Fahrräder erlösen mal 15, mal 65 Euro. Reichtümer für den städtischen Haushalt erwirtschaftet die Verwaltung damit nicht, wie die Stadtsprecherin sagt, aber zumindest werde in der Tiefgarage des Rathauses „wieder Platz geschaffen“. Für die nächsten Fundstücke und ihre womöglich abenteuerlichen Geschichten. In Bramsche sind seit Jahresbeginn allein 13 Fahrräder eingetrudelt.


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