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1,5 Millionen Kilometer gefahren Zweimal zum Mond und zurück: Malteser übernahmen vor zehn Jahren Rettungswache in Bramsche

Von Julia Kuhlmann


Bramsche. 1,5 Millionen Kilometer: Gut zweimal zum Mond und wieder zurück oder fast 40-mal um die Erde – das ist die Entfernung, die die Malteser mit ihren Fahrzeugen seit der Übernahme der Rettungswache in Bramsche im nördlichen Landkreis zurückgelegt haben. Und das ist am Sonntag genau zehn Jahre her.

Vor zehn Jahren übernahmen die Malteser die Bramscher Rettungswache, die bis dahin vom Deutschen Roten Kreuz betrieben wurde. Zehn Jahre – eine Zeit, in der wahrlich viel passiert ist.

Ein Rettungswagen (RTW) und ein Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) waren vor zehn Jahren rund um die Uhr im Einsatz, dazu ein zweiter Rettungswagen am Tag. Daran erinnert sich Michael Knappheide, Leiter der Bramscher Rettungswache, noch ganz genau. Im Vergleich zu heute war das eine geradezu spartanische Ausstattung, auch in personeller Hinsicht.

Arbeiteten damals 16 Leute im Bramscher Rettungsdienst, sind heute 37 Mitarbeiter hier beschäftigt, nebenberufliche Kräfte mitgezählt.

Heute sind neben dem Rettungswagen und dem Notarzteinsatzfahrzeug, die 24 Stunden rund um die Uhr einsatzbereit sind, an der Bramscher Rettungswache außerdem ein weiterer Rettungswagen von 7 bis 23 Uhr stationiert und ein weiterer tagsüber.

Die Zahl der Einsätze, zu denen die Bramscher Rettungsdienstler aufbrechen, stieg in den zehn Jahren von damals knapp 5000 auf heute 7500 Einsätze. Bramsche gehöre damit zu den Schwerpunktwachen im Landkreis, sagt Michael Knappheide. Das liege zum einen an dem großen Einsatzgebiet, das von der Bramscher Rettungswache aus bedient wird.

Es reicht von der Osnabrücker Stadtgrenze bis zum Alfsee sowie nach Mettingen und nach Kalkriese. Wenn in angrenzenden Bereichen alle Kapazitäten ausgeschöpft sind, fahren die Bramscher aber auch weiter. Etwa 150000 Kilometer kommen so jährlich zusammen, hat Knappheide ausgerechnet.

Dass sich die Zahl der Einsätze sowie die Weite der Wege und damit auch die Anforderungen an die materielle sowie personelle Ausstattung der Rettungswache so gesteigert haben, liege aber auch an der Zentralisierung und Spezialisierung größerer medizinischer Zentren, sagt Knappheide. Auch der demografische Wandel spiele eine Rolle dabei, dass der Rettungsdienst öfter gerufen werde und sich das Einsatzspektrum verändere.

Dass der Hausarzt, der seine Patienten auch außerhalb der Sprechstunden zu Hause besucht, auch seltener werde, trage darüber hinaus dazu bei.

Weil die alte Rettungswache zwischen Rathaus und Krankenhaus marode und räumlich zu begrenzt geworden war, wurde Anfang letzten Jahres ein Neubau hinter dem Krankenhaus fertiggestellt, in dem Mitarbeiter, Fahrzeuge und Material genügend Platz haben.

Auf Aus- und Weiterbildung legen Rettungswachen-Leiter Michael Knappheide und Geschäftsführer Sören Berndt, selbst Rettungsassistent, großen Wert. In den zehn Jahren, in denen die Malteser die Wache betreiben, seien 32 Leute zu Rettungsassistenten ausgebildet und als solche in ein Arbeitsverhältnis übernommen worden.

Zum 1. April wechseln weitere vier Mitarbeiter, die ihre Ausbildung hier absolviert haben, in ein festes Arbeitsverhältnis, berichtet Knappheide erfreut über diese Entwicklung. Die Bramscher Rettungsdienstler sind selbst neben der praktischen auch in der theoretischen Ausbildung des Nachwuchses aktiv, indem mehrere Mitarbeiter an der Malteser-Rettungsdienstschule in Nellinghof unterrichten.

Außerdem gehören fünf Mitarbeiter der landkreisweiten Gruppe „Organisatorische Leitung Rettungsdienst“ an und verpflichten sich somit, auch außerhalb ihrer eigentlichen Dienstzeiten für größere Einsätze im Landkreis zur Verfügung zu stehen.

„Ohne anderen die Qualität ihrer Arbeit absprechen zu wollen“, sagt Sören Berndt, „können wir mit Stolz behaupten, dass wir die Ersten waren, die mit Qualitätsmanagement im Rettungsdienst angefangen haben und wir immer noch die Einzigen sind, die ein zertifiziertes Qualitätsmanagement-System flächendeckend leben.“ Auch dass die Bramscher Rettungswache bei der letzten Prüfung von den Auditoren den Status Premiumwache verliehen bekommen habe, sei nur möglich, weil Leitung und Geschäftsführung zu jeder Zeit auf ihr hoch qualifiziertes Team bauen könnten, sagt Berndt.

In diesem Fall sei es der stellvertretende Rettungsdienstleiter und Dienstplaner Marc Hillers, der als Qualitätsbeauftragter unermüdlich das System vorantreibe, in der Aus- und Fortbildung hingegen ziehe Lehrrettungsassistent Daniel Hülsbusch die Fäden, und für die Arbeitssicherheit und Hygiene zeichne Hermann Pues verantwortlich.

„Alle Männer der ersten Stunde, die auch beim Start vor zehn Jahren schon dabei waren“, ergänzt Knappheide. Auch auf die Beauftragten für die auf den Rettungsmitteln vorgehaltenen Medizinprodukte, die hoch technisierten Fahrzeuge und die Lagerverwaltung könne man sich jederzeit verlassen, loben Knappheide und Berndt ihre Mitarbeiter. Die beiden wissen genau: Die Mitarbeiter im Rettungsdienst müssen professionell agieren, darüber hinaus ihre Aufgabe aber auch mit Menschlichkeit und Empathie verrichten, denn im Rettungsdienst begegnen sie Menschen im Grenzbereich ihres Lebens.


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