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Umstrukturierung im Rettungsdienst? Die Not mit dem Arzt in Bramsche

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<em>Der Notarzt-Einsatz</em> in Bramsche ist zurzeit in der Diskussion. Foto: Julia KuhlmannDer Notarzt-Einsatz in Bramsche ist zurzeit in der Diskussion. Foto: Julia Kuhlmann

Bramsche. Der Ärztemangel macht sich überall bemerkbar. Wie unsere Zeitung aus sicherer Quelle erfuhr, führen die Probleme, die das Bramscher Krankenhaus hat, Notarzt-Dienste zu besetzen, zu Überlegungen, den Notarztstandort nur noch tagsüber zu besetzen und dafür eine 24-Stunden-Bereitschaft in Ankum einzurichten. Feuerwehrleute und Rettungsdienst-Mitarbeiter laufen dagegen Sturm. Bramsches Bürgermeisterin sieht die medizinische Versorgung gefährdet.

Es mangelt an Ärzten, besonders an solchen mit Notarzt-Lizenz. In Bramsche, wo die Klinik den Notarzt tagsüber – wie andere Krankenhäuser auch – aus dem laufenden Betrieb stellt, führt die Ärzteknappheit oft dazu, dass das Haus den Arzt abmeldet, weil er unabkömmlich ist. Nachts hat ein Notarzt Dienst auf der Rettungswache am Krankenhaus. Die Besetzung dieses Dienstes ist oft nur unter Einsatz teurer Honorarkräfte möglich.

Auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt Burkhard Riepenhoff, Pressesprecher des Landkreises, Überlegungen, die Verteilung der Notärzte im nördlichen Landkreis umzustrukturieren. Unlängst habe der Niels-Stensen-Verbund mitgeteilt, er habe aufgrund einer dünnen Personaldecke Probleme, alle Notarztstandorte zu besetzen. Es habe ein Gespräch zwischen dem zuständigen Verwaltungsvorstand im Landkreis, Winfried Wilkens, mit Vertretern des Niels-Stensen-Verbundes sowie Vertretern des Christlichen Krankenhauses Quakenbrück gegeben.

Riepenhoff verweist auf die niedersachsenweit einmalige Situation, dass im Landkreis Osnabrück alle sieben Akutkrankenhäuser am Notarzt-System mitwirken. „Wir würden uns sehr wünschen, dass es so bleibt“, sagt der Landkreis-Pressesprecher, rechtlich sei eine Umstrukturierung aber kein Problem. Nach dem Rettungsmittelbedarfsplan sei der Landkreis verpflichtet sicherzustellen, dass das erste Rettungsmittel nach 15 Minuten eintreffe. Das sei in der Regel der Rettungswagen. Diese Flächenversorgung sei im Landkreis gewährleistet.

Mit den Krankenhaus-Vertretern seien verschiedene Varianten diskutiert worden. Riepenhoff bestätigt, der Vorschlag, nachts keinen Notarzt in Bramsche einzusetzen und in Ankum eine notärztliche 24-Stunden-Bereitschaft vorzusehen, zähle dazu. Der Landkreis warte nun auf Vorschläge vom Niels-Stensen-Verbund.

Dr. Bernd Runde, verantwortlich für Personalfragen beim Niels-Stensen-Verbund, sagte auf Anfrage, am Ziel, jedes Akutkrankenhaus weiter an der notärztlichen Versorgung teilnehmen zu lassen, wolle auch der Verbund festhalten.

„Es gibt aber nicht unendlich viele Notärzte“, sagte er zur aktuellen Lage. Runde kündigte an, in diesem Jahr werde sich strukturell nichts ändern. „Wir sind in der Lage, Notärzte aus dem Verbund einzusetzen, der Verbundgedanke wächst bei uns.“ In enger Abstimmung mit dem Landkreis solle nun ein Modell entwickelt werden, das „frühestens im Jahr 2014 realisiert“ würde. Es ginge um eine „enge Verzahnung von Bramsche und Ankum mit dem Ziel, eine echte 24-Stunden-Versorgung von Ankum und Bramsche“ zu gewährleisten.

In Feuerwehr- und Rettungsdienstkreisen hat die Ankündigung, in Bramsche werde nachts womöglich künftig kein Notarzt mehr sein, Unruhe ausgelöst. Sehr deutliche Worte findet Herbert Kempe, Gemeindebrandmeister der Samtgemeinde Neuenkirchen. Eine solche Umstrukturierung wäre in seinen Augen eine „extreme Verschlechterung“: Kempe: „Das wird Menschenleben kosten, das Gebiet ist für den Notarzt aus Ankum viel zu groß.“ Er sieht nun die Politik gefordert.

Die Stadt Bramsche sei in die Pläne, die Besetzung des Notarztstandorts zu verändern, nicht einbezogen worden, sagte Bramsches Bürgermeisterin Liesel Höltermann. Sie habe Kontakt zum Landkreis sowie zum Krankenhaus aufgenommen.

Höltermann erinnerte daran, dass die Stadt der Klinik – seinerzeit noch unter Leitung der Johanniter – einen Zuschuss von 100000 Euro für den Bau der Rettungswache gegeben habe. Argument sei gewesen, die Wache müsse am Krankenhaus bleiben, damit der Notarzt von dort aus starten könne. Der Notarztstandort sei damals auch als Stärkung des Krankenhauses angeführt worden, erinnert sich Höltermann. Die Wache hätte sonst auch an einem verkehrsgünstigeren Ort gebaut werden können.

In einer notärztlichen Versorgung Bramsches vom Standort Ankum aus sieht das Stadtoberhaupt eine Gefahr. „Man tauscht hier Fläche gegen Einwohner, ich kann nicht einsehen, warum der Notarzt in Ankum und nicht in Bramsche sein soll“, kritisiert sie. Vor allem um den „ganz normalen Notfall, der sich zu Hause ereignet“, fürchtet Höltermann.

„Weder der Landkreis Osnabrück noch das Krankenhaus Bramsche haben uns bisher offiziell darüber informiert, dass es Planungen gäbe, den Umfang der Vorhaltung der notärztlichen Versorgung an der Rettungswache Bramsche zu reduzieren oder diese einzustellen“, sagt Sören Berndt, Geschäftsführer der Rettungswache Bramsche. Allein im Einsatzbereich Bramsche und Wallenhorst wären davon direkt circa 55000 Einwohner betroffen, rechnet Berndt vor. Deshalb sei es „unvorstellbar, dass es überhaupt ernsthafte Überlegungen geben kann, die im nördlichen Landkreis insbesondere das Bramscher Notarzteinsatzfahrzeug betreffen“. Die Malteser würden alles ihnen Mögliche dafür tun, dass der Status quo erhalten bliebe.

Auch Dr. Peter Cramer, Bramscher Internist und Sprecher der niedergelassenen Ärzte im Notdienstbereich Bramsche, wünscht sich die Fortsetzung einer Rund-um-die-Uhr-Besetzung des Bramscher Notarztstandortes. Der Weg aus Ankum sei weit. Das Notarzteinsatzfahrzeug aus Bramsche habe im vergangenen Jahr 1600 Einsätze gehabt, das aus Ankum 800, teilt er mit.


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