Bramscher Kneipengeschichten Aus der "Waldesruh" in Hesepe wäre beinahe eine Disko geworden

Die Sommerfrische Waldesruh in Hesepe war über viele Jahre eine gute Adresse. Beinahe wäre daraus noch eine Disko geworden.Die Sommerfrische Waldesruh in Hesepe war über viele Jahre eine gute Adresse. Beinahe wäre daraus noch eine Disko geworden.
Sammlungen Gottlieb

Bramsche. Das Kaffeehaus "Waldesruh" in Hesepe hat es deutlich länger als angenommen gegeben. Ein ehemaliger Nachbar erzählt, wie daraus beinahe eine Disko für Bramsche geworden wäre.

Das Heseper Kaffeehaus "Zur Waldesruh" an der Straße nach Ueffeln sei wohl schon in den 60er- oder 70er- Jahren verfallen, hieß es in unserem Bericht über die alten Kneipen in den Bramscher Ortsteilen, die der Heimat- und Verkehrsverein Bramsche in seinem Jahreskalender 2022 mit alten Fotos vorstellt. Doch da irrten wir und der Heimatverein, wie Leser in Kommentaren klarstellten. Fußballer und Handballer des SV Hesepe/Sögeln hätten dort noch in der zweiten Hälfte der 70er Jahre Siege gefeiert und Niederlagen betrauert, berichtete zum Beispiel Wolfgang Kirchner. 

Nachbar berichtet

Noch genauer weiß es Karl-Heinz Glindkamp, und zwar nicht nur, weil sein Urgroßonkel Heinrich Glindkamp das Haus um 1900 erbaut hat. Er hat auch fast 30 Jahre in Hesepe schräg gegenüber von der Gaststätte "Waldesruh" gewohnt. Glindkamps Eltern hatten hier 1968 ihre Hochzeit gefeiert.

Heiner Beinke
Karl-Heinz Glindkamp weiß als ehemaliger Nachbar einiges über das Heseper Kaffeehaus "Waldesruh".

In den 70er-Jahren haben nach seinen Angaben Hildegard Kirschniak, geborene Beckmann und Tochter des langjährigen Wirtes, und ihr Mann Hubert den Betrieb geführt. Karl-Heinz Glindkamp hat noch eine Anzeigensonderseite der Bramscher Nachrichten aus dem Jahr 1973 aufbewahrt, auf der über die Sanierung des Hauses und den Bau der ersten Bundeskegelbahn in Hesepe berichtet wird. 21 Clubs hätten sich bereits verbindlich für die Bahnen angemeldet, heißt es in dem Bericht, der deutlich macht, dass die "Waldesruh" zu dieser Zeit ein sehr angesagtes Lokal gewesen ist.

Der erste Bruch kam im Mai 1980 mit dem Tod von "Beckmanns Hilde", wie die Wirten auch nach der Heirat genannt wurde. Nur wenig später habe ihr Mann Hubert das Lokal "dichtgemacht", erinnert sich Glindkamp. Wenig später versuchten Ursula Wiemann und Heinz Koch einen Neustart. Wegen seines voluminösen Vollbarts sei Heinz Koch in Hesepe als "Vadder Abraham" von den Schlümpfen bekannt gewesen. "Meine Schwester und ich haben damals viel mit deren Kindern gespielt", erzählt Karl-Heinz Glindkamp. Doch weil die beiden kein geeignetes Personal für die Küche fanden, seien bald die Gäste weggeblieben. 1984 gaben die beiden das Lokal auf.

Karl-Heinz Glindkamp
Aus Waldesruh wurde Waldblick: So sah das Lokal relativ kurz vor dem Abriss aus.

Abriss erst 1994

Danach gab es Gerüchte, aus dem Lokal, das inzwischen zum "Waldblick" hieß, werde eine Diskothek werden. Der Umzug des "Remember" aus Bramsche habe im Raum gestanden, erzählt Karl-Heinz Glindkamp. Er kann sich erinnern, dass der Giebel bereits gestrichen und eine Stahltür eingesetzt worden war. Doch dann sei der Bau "mittendrin stillgelegt" worden. Aus der Traum von der Disko und vom Ausflugslokal. Im November 1994 wurde das Lokal dann tatsächlich abgerissen, viel später als auch vom Heimatverein angenommen. "Man findet da wirklich nur sehr wenig drüber", weiß Karl-Heinz Glindkamp, der nun dazu beigetragen hat, das zu ändern.


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