Fragen zur Kommunalwahl 2021 Welche Ideen haben Bramsches Parteien für die Zukunft der Innenstadt?

Die großen Online-Anbieter und die Corona-Krise machen dem stationären Einzelhandel das Leben schwer: Das ist nicht nur in Bramsche ein Problem. Die Frage ist, wie man wieder mehr Menschen für die Innenstadt begeistern kann (Archivbild).Die großen Online-Anbieter und die Corona-Krise machen dem stationären Einzelhandel das Leben schwer: Das ist nicht nur in Bramsche ein Problem. Die Frage ist, wie man wieder mehr Menschen für die Innenstadt begeistern kann (Archivbild).
Heiner Beinke

Bramsche. Die Corona-Krise hat Einzelhandel und Gastronomie auch in Bramsche geschadet. Welche Ideen haben die Bramscher Parteien, die für den Stadtrat antreten, um wieder mehr Leben in die Innenstadt zu bekommen? Wir haben nachgefragt.

Der Einzelhandel hat es nicht leicht: Dass immer mehr im Internet bestellt wird, macht den lokalen Geschäften schon seit längerer Zeit zu schaffen. Dann kamen auch noch Lockdowns und Zugangsbeschränkungen wie das Einkaufen nur mit Terminvereinbarung hinzu. Nicht anders in der Gastronomie: Die Betriebe mussten gleich zwei Mal für jeweils mehrere Monate geschlossen bleiben, Auflagen gibt es bis heute. Wir haben deshalb die Parteien, die für den Bramscher Stadtrat antreten, gefragt: Was wollen Sie tun, um die Innenstadt als lebendigen Ort zu erhalten und Handel und Gastronomie konkurrenzfähig zu halten?

Die Antworten der Parteien im Wortlaut:

SPD

"Hier haben wir einen ganzen Strauß von Maßnahmen. Zu den bekannten und etablierten Projekten unserer Stadtmarketing GmbH wie Stadtfest, Sommerkulturprogramm, Weihnachtsmarkt und vielem mehr kommt ganz aktuell der Stadtgutschein hinzu – schon jetzt ein Erfolgsmodell. 

Wir fördern über das Programm „Zukunftsräume Niedersachsen“: 1. Unter anderem einen Wettbewerb „Lokalhelden“ zur Aufwertung und Ansiedlung von (Außen)-Gastronomie, 2. Aufwertung der innerstädtischen Plätze (Erneuerung der Straßenbeleuchtung), 3. Aufbau eines Lieferdienstes, 4. Möblierung mit Fokus auf Kommunikation, 5. Coworking Spaces anbieten. Das Förderprogramm „Perspektive Innenstadt“ unterstützt ebenfalls die oben genannten Punkte. Hinzu kommen noch Maßnahmen für besondere kulturelle Highlights und zur Förderung des innerstädtischen Radverkehrs."

CDU

"Gastronomie und attraktiver Einzelhandel sind für eine lebendige Innenstadt wichtig. In den letzten Jahren wurde die grundsätzlich gemütliche und schöne Fußgängerzone kaum weiterentwickelt. Nur wenn Einkaufen ein positives Erlebnis ist, wird die Innenstadt dauerhaft hinreichend besucht. Dazu gehört ein gesunder Mix an Geschäften. 

Wenn irgendwann nur noch wenige Sortimente in der Innenstadt vertreten sind, wird diese kaum noch besucht werden. Kostenlose Parkplätze sind ein wichtiger Standortfaktor. Wir sprechen uns daher als einzige Partei ohne Wenn und Aber für den Erhalt der Parkmöglichkeiten auf dem Markplatz aus. Auch Veranstaltungen der Stadtmarketing GmbH sind wichtig für eine lebendige Innenstadt."

Die Grünen

"Durch den immer stärker werdenden Online-Handel braucht es neue Konzepte, um die Besucherhäufigkeit und damit die Kaufkraftbindung für den stationären Einzelhandel in der Innenstadt zu stabilisieren. Nicht nur Einkauf, sondern Dienstleistungen, Freizeit, Gastronomie und ein größeres Wohnangebot erhöhen die Frequenz. 

Wir schlagen vor, auf stadteigenen Flächen zwischen Große Straße, Heinrichstraße und Georgstraße eine attraktive innerstädtische Wohnbebauung zu schaffen, wobei die Untergeschosse für Geschäfte, Gastronomie, Cafés oder soziale und kulturelle Angebote vorgehalten werden sollen. 

Dem sich ändernden Mobilitätsverhalten sollte dadurch Rechnung getragen werden, dass man die Fußgängerzone für Fahrradfahren freigibt. Dafür sollten Fahrradbügel und Parkmöglichkeiten für Lastenfahrräder angeboten werden. Die Aufenthaltsqualität der Innenstadt ließe sich z. B. durch eine Aufwertung des Platzes vor dem ehemaligen Fotostudio Kröger mit zusätzlichen Bäumen und Beeten erreichen."

FDP

"Wir wollen Bramsche als attraktive Einkaufsstadt fördern. Das Einkaufen in Bramsche ist ein Stück Lebensqualität. Leerstände sollen beseitigt und die Besucherfrequenz in der Fußgängerzone bzw. Innenstadt erhöht werden. Die FDP will Kaufkraft und Umsatz in Bramsche steigern. Einzelhandel und Gastronomie müssen gestärkt und Zukunftskonzepte erarbeitet werden. 

Die Innenstadt muss barrierefrei umgestaltet und die Fußgängerzone dafür dringend überarbeitet werden. Parkplätze sollen erhalten und weiterhin kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Ein Mix aus Einzelhandel, Gastronomie, Kultur und Wohnen ist anzustreben, wozu auch Krippenbauten in der Innenstadt möglich sind.

Die Förderung von Einzelhandels- und Gastronomie-Startups und von digitalen Services sind weiter auszubauen und der stationäre Einzelhandel in die Onlineangebote zu integrieren. Die Fördermittel des Landes sollten für diese Projekte gezielt eingesetzt werden. Dem Stadtmarketing kommt dabei eine entscheidende Rolle zu."

Die Positionen der Parteien

Wie soll sich Bramsche in den kommenden Jahren weiterentwickeln? Unsere Redaktion hat dazu in sechs verschiedenen Themenbereichen um die Stellungnahmen der Parteien gebeten, die bei der Kommunalwahl 2021 für den Bramscher Stadtrat antreten. Dabei gab es lediglich eine Längenvorgabe, die Antworten werden ansonsten im Wortlaut wiedergegeben.
Die Auflistung erfolgt nach der Fraktionsstärke im bisherigen Stadtrat, der 2016 gewählt wurde. Neben dem Bürgermeister gehören dem Gremium an: SPD (19 Sitze), CDU (11 Sitze), Bündnis 90/Die Grünen (5 Sitze), FDP (3 Sitze). Die Linke hatte zunächst 2 Sitze, beide Ratsmitglieder wechselten allerdings zur SPD. Die AfD tritt zur Kommunalwahl 2021 in Bramsche erstmals für den Stadtrat an.

Die Linke

"Die Verödung der Innenstädte ist kein alleiniges Bramscher Phänomen. Die (Innen-)Stadt Bramsche muss für die Zukunft aber neu gedacht werden. Im Zeitalter von Online-Shopping und Verbrauchermärkten auf der grünen Wiese ist ein Angebot für den täglichen Bedarf in einer 1A-Innenstadtlage kaum noch lukrativ für den Einzelhandel. 

Wenn wir auch künftig an dem Konzept einer Fußgängerzone festhalten wollen, so werden wir uns dafür einsetzen, die Fußgängerzone z.B. in eine Erlebnis- und Eventzone umzustrukturieren. Auch das gezielte Ansiedeln von Handwerks- und Fachgeschäften, die Handel und Dienstleistungen über den täglichen Bedarf hinaus decken könnten, wäre eine gute Gelegenheit. 

Doch noch besser wäre es, wenn wir auch die Jugend genau dort vor Ort einbringen könnten. Skaterbahnen und Treffpunkte können der Verödung der Innenstadt entgegenwirken und Lebendigkeit zurückbringen. Die Jugend kann und sollte dabei eine zentrale Rolle spielen und nicht z.B. in Außenbereiche gedrängt werden.

AfD

Nicht „Corona“ hat den Innenstädten und den dort ansässigen Gastronomen und Einzelhändlern schwer geschadet, sondern die völlig überzogenen Corona-Maßnahmen der Politik.

Abgesehen davon ist der ökonomische Druck auf die Innenstädte aber nicht neu, sondern in erster Linie eine Folge des ständig wachsenden Online-Handels. Dadurch sind weniger Menschen in den Innenstädten, die zudem weniger Geld ausgeben. Wie ja auch beispielsweise die IHK glaubt, muss sich die „Innenstadt“ völlig neu erfinden. Neben Einzelhandel und Gastronomie muss dort künftig auch Handwerk, Behörde, Dienstleistung und Wohnen stattfinden. 

Der Besuch der (Bramscher) Innenstadt muss zu einem Erlebnis werden, welches durch die Möglichkeit, hier alles erledigen zu können und Freunde und Bekannte zu treffen, eben eine Abkehr von dem reinen „Shopping-Event“ darstellt. Gibt es das, steigt auch wieder die Neugierde auf unsere Zentren. Hier muss die Kommune unterstützen, wo es geht."


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