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Rottmann sieht Zukunftspotenzial Germanicus ist der nächste Held in Kalkriese

<em>Seit 2005 Geschäftsführer in Kalkriese: </em>Joseph Rottmann. Foto: Hermann PentermannSeit 2005 Geschäftsführer in Kalkriese: Joseph Rottmann. Foto: Hermann Pentermann

Bramsche. 25 Jahre Archäologie in Kalkriese. Viel ist passiert von den ersten Funden bis heute, da der hier vermutete Ort der Varusschlacht zum viel beachteten Lern- und Forschungsstandort geworden ist. Maßgeblich dazu beigetragen hat zweifellos Joseph Rottmann, seit 2005 Geschäftsführer von Museum und Park.

Es kann nicht unerwähnt bleiben: Anfang dieses Jahres kürzten der Landkreis Osnabrück und die Sparkassenstiftung das Budget für Museum und Park um jeweils 50000 Euro jährlich. Dies betrifft die Jahre 2013 bis 2015 und war umso bemerkenswerter, als der Arbeit in Museum und Park von mehreren unabhängigen Gutachtern eine herausragende kuratorische und museumspädagogische Arbeit bescheinigt wird.

Joseph Rottmann möchte das Thema „nicht prolongieren“, es sei für ihn beendet. „Ein Wirtschaftsplan liegt vor, damit haben wir eine Arbeitsgrundlage“, sagt der Geschäftsführer. In der Umsetzung dieses Plans habe es eine moderate Erhöhung des Eintrittsgeldes für Erwachsene gegeben, „die aber auch mit einem erweiterten Angebot verbunden ist“, betont Rottmann. Gemeint sei das „Fenster zur Archäologie“, das an mehreren Sonntagen den Besuchern Einblicke in die Arbeit von Archäologen, Grabungstechnikern und Restauratoren liefere. „Wir müssen mehr an Wertschöpfungsketten denken“, lautet Rottmanns Devise, die den Ausbau von Tagungsgeschäft und Dienstleistungen propagiert, wie etwa Restaurierungen für Dritte sowie die Vermarktung von Ausstellungen an andere Museen. Aber auch das Einwerben von Drittmitteln werde verstärkt werden müssen, sagt Rottmann. Fördergelder seien überlebensnotwendig für Forschung, Ausstellung und Museumspädagogik, zu den Förderern von Kalkriese hätten in den vergangenen Jahren fast alle namhaften niedersächsischen Stiftungen gezählt. „Moneyhunting“ gehöre eben auch zu seinen Aufgaben, sagt Rottmann. „Das Geld ist immer knapp, das ist Arbeitsalltag. Wir wollen auch unter den veränderten Bedingungen möglichst unverändert und ohne Abstriche weiterarbeiten. Ich gehe guten Mutes in die nächste Runde“, will er das Thema nun aber abgeschlossen wissen.

Rottmann, von Haus aus Volkswirt, sieht sich als Manager, Museum und Park Kalkriese als Unternehmen, das sich am Markt behaupten muss. Rund 70 überwiegend in Teilzeit beschäftigte Mitarbeiter sind in den Bereichen Archäologie, Verwaltung, Ausstellung und Service beschäftigt. Das Areal umfasst 24 Hektar, auf denen sich Museum, Besucherzentrum und Verwaltungsgebäude befinden, die in Schuss gehalten werden müssen. „Managen“, so Rottmann, „bedeutet ja ,things done by the others‘“. Ein Scherz, denn selbstverständlich hat er einen engen Bezug zu Ort und Thema.

2005 zum Geschäftsführer von „Varusschlacht im Osnabrücker Land – Museum und Park Kalkriese“, so der etwas sperrige Name des Unternehmens, bestellt, hat Rottmann das Projekt Kalkriese schon seit 1991 begleitet. Seinerzeit noch in seiner Funktion als Erster Kreisrat des Landkreises Osnabrück. In dieser Funktion habe er den Museumsbau von 2002 in seiner außergewöhnlichen Architektur als mutige Weichenstellung sehr befürwortet. Als Geschäftsführer sei er federführend für die Planung des Veranstaltungsjahres „2000 Jahre Varusschlacht“ im Jahre 2009 gewesen. Ebenso für den Bau des Besucherzentrums, das – ebenfalls im Jahre 2009 – fertiggestellt werden konnte. Mit Letzterem wurde der Grundstein für Wechselausstellungen gelegt, wodurch sich immer wieder neue Anlässe für einen Besuch in Kalkriese ergeben.

Rottmann hält viel von Teamarbeit, von Zusammenspiel und Potenzialentfaltung der Akteure, „zumal ich eine sehr motivierte Mannschaft hinter mir habe“, lobt er seine Mitarbeiter. Der Erfolg gibt ihm recht: Allein im Jubiläumsjahr kamen mehr als 200000 Besucher nach Kalkriese, mit etwa 160000 war gerechnet worden. Das Medienecho war enorm, Journalisten von Funk und Fernsehen, von Magazinen und den großen überregionalen Zeitungen gaben sich die Klinke in die Hand.

Die Kalkrieser Funde sorgen dabei nicht eben durch ihre Menge, sondern durch ihre Einzigartigkeit für Aufsehen – vereinfacht gesagt: Die Kalkrieser Sandalennägel sind einmalig. Dennoch würden die Fundstücke ohne entsprechende Präsentation und Einbindung in einen historischen, politischen oder kulturellen Kontext vermutlich nicht in dem Maße wahrgenommen. In Kalkriese gelingt dies mit Formaten wie den Römertagen an Pfingsten und dem Oster-Leuchten, die im jährlichen Wechsel stattfinden. „Mit diesen Events haben wir Marken gesetzt“, sagt Rottmann.

Das nächste Großprojekt, die nächste Sonderausstellung, ist in Vorbereitung, sie ist Germanicus gewidmet, einer der schillerndsten Figuren der römischen Antike. Seiner Familie gehörten so berühmt-berüchtigte Figuren der Geschichte an wie Drusus, Caligula und Nero. Er raubte Arminius‘ Frau und Sohn, Thusnelda und Thumelicus, und rächte die Legionen des Varus in einem Feldzug, bei dem er acht Legionen nach Germanien führte. Wie diese logistische Meisterleistung überhaupt möglich war, auch dem will die Sonderausstellung nachgehen – unter anderem mithilfe von Wegeforschern und Logistikern der Bundeswehr. Als Begleitprogramm, so ist es angedacht, soll 2015 die Nachbildung eines römischen Kriegsschiffes auf dem Mittellandkanal unterwegs sein. Für Rottmann ist der Zug des Germanicus „ein Thema von allgemeinem historischen Interesse, aber auch ein Thema mit regionalem Bezug.“ Der ist ihm wichtig. „Menschen der Region an uns zu binden und für Projekte zu gewinnen, ähnlich wie seinerzeit beim Bau des Osnabrücker Theaters geschehen“, ist seine Vision.

Große Projekte, wie die Germanicus-Ausstellung, hätten drei bis fünf Jahre Vorlauf. Am Anfang stünden die wissenschaftlichen Grundlagen, daraus würden Ideen entwickelt, wie diese zu vermitteln seien. Dann gehe es daran, Fördergelder einzuwerben und schließlich um die Umsetzung, die Darbietung und Bewerbung. Bevor sich aber in Kalkriese alles um Germanicus drehe, stünden noch weitere interessante Themen auf dem Programm: Das laufende Jahr sei ganz den Gladiatoren gewidmet, 2014 gehe es um Reisen in die Unsterblichkeit, um Mumien und die antike Vorstellung vom Jenseits.

Im Mai 2013 sei eine Zukunftskonferenz geplant, bei der geladene Teilnehmer aus der Region ihre Einschätzung von Kalkriese heute und im Jahre 2030 entwickelten. Für Rottmann einmal mehr Anlass, auf das Potenzial des Themas hinzuweisen: „Kalkriese“, so skizziert er, „zeigt die Entwicklung einer lokalen Grabung zur interdisziplinären Schlachtfeldforschung. Hier lässt sich die Rezeptionsgeschichte vom historischen Arminius zum germanischen Held Hermann in Musik, Malerei und Literatur unter dem Blickwinkel der jeweiligen Epoche veranschaulichen.“ Germanen als Perspektivthema, Friedens- und Konfliktforschung, Tourismus – Rottmann hat viele Ideen, „die aber“, so der Geschäftsführer, seriöserweise nicht von der Inhaltsbindung abweichen sollten.“ Sein Fazit: „Der Varus-Plot trägt eben.“


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