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Vor 32 Jahren ausgewandert“ Ahmet Irmak fand eine neue Heimat in Bramsche

<em>Ahmet Irmak</em> erzählte von seiner Jugend mit vielen Umzügen und dem Neuanfang in Deutschland. Foto: Sascha KnapekAhmet Irmak erzählte von seiner Jugend mit vielen Umzügen und dem Neuanfang in Deutschland. Foto: Sascha Knapek

Bramsche. Unter dem Motto „Mein Leben, meine Heimat, meine Kultur“ lädt die „Bramscher Initiative zum Miteinander der Kulturen“ (BIKU) in unregelmäßigen Abständen zu Erzählabenden ein. Bei der aktuellen Ausgabe berichtete Ahmet Irmak von seiner türkischen Heimat und seinem Lebensweg, der ihn vor 32 Jahren nach Bramsche geführt hat.

Irmaks Erzählungen beginnen im kleinen Dorf Kuruagil in der Provinz Ankara. Hier erblickte er im Jahr 1965 das Licht der Welt und lebte zusammen mit seinen Eltern und Großeltern in einem Haus. „Spielzeug bastelten wir uns aus leeren Olivenöldosen oder alten Autoreifen. Wir hatten keinen Strom oder Leitungswasser, aber es war eine sehr glückliche Kindheit“, erzählt der heute 47-Jährige. Besonders war dabei vor allem das Verhältnis zum Großvater. „Bis ich fünf Jahre alt war, habe ich meine Mutter als Tante und meinen Vater als großen Bruder bezeichnet. Mein Opa war für mich der Papa“, erinnert sich Irmak.

Den ersten von nicht wenigen Ortswechseln erlebte der kleine Ahmet mit knapp fünf Jahren. Die Familie folgte dem Vater in die Großstadt Kayseri, wo der gelernte Weber Arbeit gefunden hatte. „Ich war sehr traurig darüber, unser kleines Dorf zu verlassen, und anfangs hatte ich Schwierigkeiten, mich in der neuen Umgebung zurechtzufinden“, schildert Irmak. Bis 1973 wohnte die Familie in Kayseri, dann entschied sich der Vater, als Gastarbeiter nach Deutschland zu gehen, und ohne Familienoberhaupt vor Ort ging es für Ahmet, seine Mutter und seine Geschwister wieder zurück zu den Großeltern nach Kuruagil.

Als sich die Irmaks nach der fünften Klasse dafür entschieden, dass Ahmet weiter zur Schule gehen sollte, stand der nächste Ortswechsel auf dem Plan. Der Vater kam in den Sommerferien nun nicht mehr nach Kuruagil, sondern in die größere Stadt Kirsehir zu Besuch. Ahmet Irmak ging dort bis zum Ende der 70er-Jahre in die Schule und träumte davon, Lehrer zu werden oder Jura zu studieren. Als die politische Lage in der Türkei jedoch immer instabiler wurde und einer seiner Klassenkameraden erschossen wurde, entschied die Familie, gemeinsam nach Deutschland zu gehen.

Wenn man Ahmet Irmak danach fragt, wann genau er nach Deutschland gekommen ist, folgt die Antwort in Windeseile. „Am 1. August 1980 bin ich mit meinem Vater nach Hannover geflogen und von dort aus nach Bramsche“, erzählt Irmak, der dieses Datum und den damit verbundenen Neuanfang nie vergessen wird. Zwei Monate dauerte es, bis der Rest der Familie nachkommen konnte. „Eine schwere Zeit für mich. Ich war allein in einem neuen Land, und meinen Vater kannte ich ja nur von den kurzen Besuchen im Sommer“, erinnert er sich. Deutsch lernte er dabei mithilfe eines Lexikons und eines Wörterbuches. „Vor allem die Aussprache bereitete mir Probleme. Ich habe mehr oder weniger Bayrisch gesprochen“, scherzt der Vorsitzende der Türkisch-Islamischen Gemeinde.

Kurzzeitig packte die Irmaks jedoch noch einmal das Heimweh. Die Kinder und ihre Mutter gingen Anfang der 80er-Jahre zurück in die Türkei, und Ahmet war entschlossen, dort zu bleiben. „Bis mich mein Onkel davon überzeugt hat, dass ich in Deutschland bessere Chancen habe“, erzählt Irmak, der 1982 zurück nach Bramsche kam und endgültig Wurzeln schlug. Der mittlerweile 17-Jährige fand Arbeit in einer Weberei und fing an, beim FCR Fußball zu spielen. Zuerst in der A-Jugend, dann in verschiedenen Herrenmannschaften, als Trainer der Mini-Kicker und später als viel beschäftigter Schiedsrichter. Ein wichtiger Integrationsschritt, wie der Türke rückblickend weiß.

Heute lebt der Vater von vier Kindern immer noch in Bramsche. Nach den vielen Umzügen in seiner Kindheit habe er als Erwachsener mit dem Thema Ortswechsel schnell abgeschlossen, erzählt der Türke. „Bramsche ist meine Heimat. Ich bin jetzt seit 32 Jahren hier und ein echter Bramscher“, sagt Ahmet Irmak mit einem Lächeln im Gesicht. Wenn ihn heutzutage Heimweh packt, dann denkt er an die Hasestadt und nicht an die Provinz Ankara.


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