zuletzt aktualisiert vor

„Es muss Leben drin sein“ Bramscher Fotografin und ihre Geschichten

Meine Nachrichten

Um das Thema Bramsche Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Bramsche. Ob Kleinkind oder Großfamilie, Passbild oder Haustierporträt – Margret Kröger braucht vor allem eins, wenn sie auf den Auslöser drückt: „Es muss Leben drin sein.“ Die Ergebnisse hängen zuhauf in ihrem Fotostudio an der Mühlenstraße. „Zu jedem Bild kann ich eine Geschichte erzählen“, sagt die Fotografenmeisterin.

Kröger kann einem Teil ihrer Kunden beim Erwachsen-Werden zuschauen. „Viele kommen über Jahre und lassen sich fotografieren. Die begleitest du dann teilweise in ihrem Leben“, erzählt sie. Aus Babys werden Kinder, aus Kindern Jugendliche, „und irgendwann fragt man, ob man eigentlich noch ,du‘ sagen darf.“ Oft darf sie. Das sei doch schon immer so gewesen, bekommt Kröger dann zu hören. Seit dem 1. Januar 1992 ist ihr Geschäft ein fester Anlaufpunkt für die Kunden.

Von der Fotografie ist Kröger bereits begeistert, als sie selbst noch in einem Alter ist, in dem sie ganz selbstverständlich geduzt wird. „Mein Vater hat immer Aufnahmen gemacht. Davon war ich schon als Kind fasziniert.“ Als es darum geht, eine Lehrstelle zu finden, fällt die Wahl nicht schwer. Der Beruf der Fotografin ist genau der richtige, sagt sie auch heute noch, inzwischen 54 Jahre alt. Kröger kann sich dafür begeistern, „mit Menschen zu arbeiten und hinterher zu sehen, wie glücklich sie über die Bilder sind“. Mit Hochzeitsbildern und Familienfotos werde „eine Erinnerung für immer“ geschaffen, „etwas, das bleibt“. Natürlich nimmt Kröger auch andere Motive in den Fokus, allerdings nicht jedes beliebige: „Sachfotografie, bei der man nur mit Produkten arbeitet, ist nicht mein Ding. Ich brauche Leben um mich rum.“

Manchmal muss die Fotografin nachhelfen: Bei einem Fotoshooting „musst du Entertainment machen – bei Kindern ganz extrem, weil sie sich nicht so lange konzentrieren können.“ Die Stimmung im Studio muss passen. „Jeder Mensch ist anders“, sagt Kröger, die vor der Herausforderung steht, bei aller Unterschiedlichkeit ihrer Modelle Ergebnisse zu liefern, die in einem Punkt gleich sind: „Der Fotografierte muss sich im Bild wiedererkennen und auch gefallen.“ Dafür „muss es nicht immer ein übermäßiges Strahlen sein“, das der Fotografin präsentiert wird.

„Bei Kindern erwartet man immer, dass die Augen leuchten und der Gesichtsausdruck freundlich ist“, sagt Kröger, die nach einem Fotoshooting genau die entgegengesetzte Richtung einschlug: Das Kind weinte, „wir haben ein Bild mit Kullertränen vergrößert und ins Fenster gehängt. Ihre Oma kam dann zu uns und sagte: Genau das ist das Kind.“ Der Charakter war getroffen. Solche Momente erfreuen Kröger, genauso wie die Termine, bei denen sich jemand unfotogen fühlt und später das Gegenteil bewiesen bekommt.

Die Fotografin hat im Laufe ihres Lebens etliche Bramscher ins rechte Licht gerückt. „Du musst dein Handwerk beherrschen und mit Licht arbeiten können.“ Nicht umsonst werde die Fotografie als „Schreiben mit Licht“ bezeichnet, sagt Kröger. „Man muss sich vorher überlegen, was man als Ergebnis haben will.“ Dann sei es auch egal, ob man eine digitale oder eine analoge Kamera in der Hand hält oder vielleicht sogar ein Modell, das heute zu den Relikten der Vorzeit zählt: „Meine ersten Passbilder habe ich mit einer Plattenkamera fotografiert“, berichtet Kröger. Die Einstellungen anpassen, zum Abdunkeln ein Tuch über Kamera und Fotograf werfen und auslösen – was Mitte der 70er-Jahre noch Usus ist, „könnte man heute nicht mehr machen“, sagt Kröger. Das braucht viel zu viel Zeit und geduldige Models.

Nichtsdestotrotz gilt für die technischen Entwicklungen: „Alles hat seine Reize. Selbst Glasplatten, mit denen vor 100 Jahren gearbeitet wurde, kann man heute noch verarbeiten.“ Bei digitalen Speichermedien wie CDs sei hingegen zweifelhaft, ob sie in 100 Jahren noch verarbeitet werden können. Die digitalen Daten müssten womöglich „immer wieder neu gespeichert werden“. Dafür ermögliche die Digitalfotografie „bei der Bearbeitung viel mehr Möglichkeiten“. Die lasse sich aber nicht mal eben nebenbei erledigen, sondern sei „zum Teil sehr zeitintensiv“.

Wichtiger als die Nachbearbeitung am Computer ist allerdings die Atmosphäre im Fotostudio. Dem einen reichen schon die Bauklötze, die Kröger in ihrem Geschäft parat hat; andere werden bei einem Witz locker. „Man muss die Leute packen, damit sie vergessen, dass Aufnahmen gemacht werden. Sonst können sie nicht entspannt rüberkommen“, sagt Kröger. Dass die Fotografierten die Welt um sich herum vergessen, ist gar nicht weiter tragisch – die Fotografenmeisterin sorgt schon für eine bleibende Erinnerung.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN