Greselianer in Neuengamme Bramscher Gymnasiasten besuchen KZ-Gedenkstätte

Die KZ-Gedenkstätte Neuengamme im Südosten von Hamburg haben Schüler des Greselius-Gymnasiums Bramsche besucht. Mit Steinen gefüllte Gabionen zeigen dort die Umrisse der ehemaligen Häuser. Foto: dpa/Angelika WarmuthDie KZ-Gedenkstätte Neuengamme im Südosten von Hamburg haben Schüler des Greselius-Gymnasiums Bramsche besucht. Mit Steinen gefüllte Gabionen zeigen dort die Umrisse der ehemaligen Häuser. Foto: dpa/Angelika Warmuth

Bramsche. Zu welchen Folgen die Propaganda der Nationalsozialisten geführt hat, erlebten die Zehntklässler des Greselius-Gymnasiums jüngst im ehemaligen Konzentrationslager Neuengamme.

In dem dortigen Klinkerwerk erfuhren die Schülerinnen und Schüler die Enge und die Kälte des Systems hautnah, indem sie sich mit den Geschichten der inhaftierten Opfer auseinandersetzten.

„Wer in einem KZ war, kann sich zwar noch immer nicht vorstellen, wie man bis zu 60.000 Menschen an einzelnen Tagen ermordet hat. Aber aus der direkten Konfrontation mit dem Ort des Verbrechens und der Auseinandersetzung damit erwachsen Wachsamkeit und Verantwortung“, begründet Geschichtslehrer Christoph Grave, warum sich die Greselianer Jahr für Jahr aufmachen, ein Konzentrationslager zu besuchen, statt sich mit Informationen aus Film und Lehrbuch zu begnügen. Auch die Zeitzeugen werden rar. „Wenn die Zeugen verstummen, dann sprechen nur ihre Schuhe, ihre Brillen und ihre Zahnbürsten“, so Grave.

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Vorbereitet wurde der Besuch im KZ durch weitere Aktionen. Am Holocaust-Gedenktag wurde schulweit der Opfer des NS-Terrors gedacht und in allen Klassen über die Verfolgung durch die Nationalsozialisten informiert.

Die Zehntklässler erlebten zudem im "Universum"-Kino, wie geschickt die Nationalsozialisten mit filmischen Mitteln die Bevölkerung in ihrem Sinne manipuliert hatten. Angeleitet vom Fachmann für NS-Propaganda, Medienpädagoge Michael Kleinschmidt, analysierten sie die unterschwelligen Botschaften des zeitgenössischen Films „Hitlerjunge Quex. Ein Film vom Opfergeist der deutschen Jugend“. Grave hält diese Kino-Veranstaltung, die sein Kollege Rolf Ast seit Jahren organisiert, für einen wesentlichen Baustein der Fachgruppe Geschichte im Kampf gegen den zunehmenden Populismus: „Es war ein alles in allem einprägsames Erlebnis für alle Beteiligten, erlebten die Schülerinnen und Schüler die Gefahren der NS-Propaganda doch hautnah.“

Wie erreicht man Menschen, die unter dem Deckmantel von Sätzen wie "Man wird doch noch sagen dürfen..." antisemitische und rassistische Äußerungen von sich geben? Diese Frage ist für die Historiker des Greselius-Gymnasiums ein zentrales Anliegen. „Solchen Tendenzen keinen Nährboden zu geben und unsere Schülerinnen und Schüler zu weltoffenen und toleranten Bürgern zu erziehen, ist das Anliegen der Fachgruppe Geschichte mit ihren außerschulischen Aktionen“, so Grave. „Wir müssen heute und auch zukünftig unserer Verantwortung gegenüber den Opfern und gegenüber der Gesellschaft gerecht werden.“


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