Aktuelle Entwicklungen in Deutschland Wie Rechtsextreme zu erkennen sind: Sozialpädagoge klärte in Bramsche auf

Von Holger Schulze

Auf diesen Zeitstrahl bis in die Gegenwart machte Tim Reinermann die verschiedenen rechtsextremen Vereinigungen sichtbar. Aus Selbstschutzgründen möchte der Sozialpädagoge nicht selbst ins Bild. Foto: Holger SchulzeAuf diesen Zeitstrahl bis in die Gegenwart machte Tim Reinermann die verschiedenen rechtsextremen Vereinigungen sichtbar. Aus Selbstschutzgründen möchte der Sozialpädagoge nicht selbst ins Bild. Foto: Holger Schulze

Bramsche. "Symbole und Codes im Rechtsextremismus“ war der Titel eines Seminar in der Volkshochschule Bramsche. Der Sozialpädagoge Tim Reinermann sprach auf Einladung der Volkshochschule Osnabrück-Land und der Initiative „Demokratie leben in Bramsche“ über aktuelle Entwicklungen in Deutschland sowie über existierende Organisationen und Parteien.

In Bramsche sei der Rechtsradikalismus zum Glück noch kein Thema, stellte Stefanie Uhlenkamp vom Projekt „Demokratie leben in Bramsche“ zu Beginn der Veranstaltung fest. Entsprechend handverlesen war das Publikum. Wer kam, der war an der Schule tätig, kam, weil das Thema unbekannt war, hat als Polizist mit der Materie zu tun oder engagiert sich in der Straffälligenhilfe.  

Glatze, Springerstiefel und Bomberjacke: So eindeutig ist es nicht mehr

Für den Referenten jedoch ist seine Tätigkeit im Thema, bezogen auf die eigene Person, nicht ganz  unproblematisch. Er bat aus Selbstschutzgründen darum, nicht mit einem Foto publiziert zu werden.

Glatze, Springerstiefel und Bomberjacke sind längst nicht mehr die einzigen Erkennungszeichen der rechten Szene, da sich deren Auftreten geändert hat.

Alle Mitglieder dieser Szene vereint, dass Rechtsextremisten primär auf die Herkunft ihrer Opfer abstellen und sich über alle Werte, auch über die Menschenrechte, hinwegsetzen. Sie wollen einen Führer mit schlichten Antworten. Sind gegen Demokratie, Freiheit und Individualismus. Rechtsextremisten sind Antisemiten, leugnen oder verharmlosen die NS-Verbrechen und verbreiten Verschwörungstheorien. Gewalt ist für sie Ausdruck von Stärke und wer stark ist, hat recht. Mehr als 24000 Personen werden hierzulande vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft. Rund die Hälfte davon ist gewaltorientiert und 4000 Personen sind Mitglied der NPD. Dies waren die Fakten, die Tim Reinermann in einem ersten Block abhandelte.

Die in der rechtsextremen Szene verwendeten Logos. Foto: Holger Schulze

Zugehörigkeitsgefühl

Die Szene vermittelt das Gefühl, zu einer eingeschworenen Elite zu gehören, steigert das eigene Wertgefühl und rekrutieren über Musik den Nachwuchs. Kinder werden als kleine Kameraden behandelt und haben sich anzupassen. Es werden heidnische Rituale gepflegt und über Kinderfeste sollen Familien anlockt werden. Jugendcamps mit Drill und Gehorsam schaffen ein Zugehörigkeitsgefühl. Das eigene Volk und der Kampf gegen das System stehen im Vordergrund, so schilderte Tim Reinermann die innere Verfassung der Szenenangehörigen.

„Auch Frauen spielen eine große Rolle, sind nicht selten radikaler als die Männer und treiben diese an“, so Tim Reinermann. Zu den Informationen von Tim Reinermann zählte auch die, dass viel Geld mit szenetypischen Kleidungsmarken verdient wird. 

Nachwuchsrekrutierung

Fußball, Musik und neuerdings auch Kampfsport gehören außerdem zu den eingesetzten Mittel der Nachwuchsrekrutierung. Wobei mit den Texten der Musiktitel oft Formulierungen verbreitet werden, bei denen die Staatsanwaltschaft Gründe zum Aktiv werden ziemlich zwanglos finden kann.

Im letzten Teil des Seminars wurden noch die seit 1949 gegründeten und bei Verbot unter einem neuen Namen erneut ins Leben gerufenen Vereinigungen von Rechtsextremen angeschaut. Ferner lernten die Zuhörer die entsprechenden Kleidungsmarken und Logos der rechtsextremen Szene kennen.


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