Im Tuchmacher-Museum Kornmühlenkonzert in Bramsche besticht mit Sturm und Drang

Von Irina Doelitzsch-Kaufmann

Roger Morelló Ros und Alica Müller erfreuten das Publikum in der Bramscher Kornmühle auch mit einer Zugabe. Foto: Irina Doelitzsch-KaufmannRoger Morelló Ros und Alica Müller erfreuten das Publikum in der Bramscher Kornmühle auch mit einer Zugabe. Foto: Irina Doelitzsch-Kaufmann

Bramsche. Wieder einmal hatte die Reihe der Kornmühlenkonzerte im Bramscher Tuchmacher-Museum Stipendiaten der Werner Richard – Dr. Carl Dörken Stiftung zu Gast: den Cellisten Roger Morelló Ros sowie seine Duopartnerin, die Pianistin Alica Müller.

Stiftungsstipendiaten gewährleisten eine gute Qualität, so auch in diesem Fall. Robert Schumanns „Fünf Stücke im Volkston“ bildeten den Beginn des Abends. Volltönend und energisch griff Morelló Ros in die Saiten und ebenso Müller in die Tasten. Ein erstaulich schwerfälliges Stück, dessen Überschrift „Mit Humor“ lautete. Würde man bei einem humorigen Musikstück eher etwas Leichtes und Heiteres vermuten, begegnete einem hier zwar schöner Melodiereichtum, aber eben auch behäbiger. Die nächsten Sätze präsentierte Morelló Ros kantabel und herrlich klangvoll, souverän begleitet von Müller. Sie zeigte sich als so einfühlsame instrumentale Begleiterin, dass man sich gelegentlich mehr Durchsetzungskraft gewünscht hätte. 

José Bragato, Komponist und selbst Cellist, schrieb die Stücke „Milontan“ und „Graciela y Buenos Aires“. Sie spiegeln musikalisch eine Bandbreite von Melancholie über Filmmusik zu Tango wider. Dieser Stil lag dem Duo besonders. Hier konnten die jungen Musiker ihren ganzen Sturm und Drang an den Tag legen, die synkopierten Rhythmen auskosten und die Melancholie genießen. Völlig zu Recht erhielten sie hierfür laute Beifallsbekundungen.

Sieben Variationen aus Mozarts Zauberflöte

Akustisch entspannen konnten die Zuhörer bei den sieben Variationen über „Bei Männern, welche Liebe fühlen“ aus Mozarts Zauberflöte. Komponiert hatte die Variationen Ludwig van Beethoven. Trotz aller Liedhaftigkeit im Cello wäre etwas mehr Leichtigkeit schön gewesen. Dramatik und Leidenschaft vermochte Morelló Ros an jeder Stelle wunderbar umzusetzen. Musikalische Anmut ließe sich noch steigern.

Friedrich Wieck, Vater der berühmten Pianistin Clara Schumann, hatte ihr für ihre Konzerte geraten, mit dem anspruchsvollsten Stück zu beginnen. Morelló Ros und Müller hatten die Cello-Sonate von Sergej Prokofjew ans Ende gestellt, was nicht unbedingt die beste Wahl war. Ein Werk, das von so starken thematischen Kontrasten und Emphase lebt, kann man als Zuhörer besser am Anfang erleben. Das Duo bot die Sonate in höchster Dramatik und sehr spannungsvoll dar und an anderer Stelle im Programm hätte sich sowohl die leidenschaftliche Musik wie ebensolcher Vortrag besser eröffnet.

Mit Johannes Brahms hinreißend schönem und ebenso schön gespieltem Abendlied „Guten Abend, gute Nacht“ verabschiedete sich das Duo und ließ ein beseeltes Publikum zurück.

Übrigens: Wer noch (oder schon) ein Weihnachtsgeschenk sucht, dem sei ein Abonnement der Kornmühlenkonzerte 2020 im Tuchmacher-Museum empfohlen. Ein paar gäbe es noch, so die Veranstalter.

Weiterlesen: Von Kammermusik bis Jazz - die Kornmühlenkonzerte 2020


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