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Gerd Lührmann im „1823 Justus“ Eingängige Improvisationen bereichern Bramscher Kneipenkulturprogramm im Café

Von Holger Schulze

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<em>Gerd Lührmann</em> improvisierte am Klavier im Café Justus 1823. Foto: Holger SchulzeGerd Lührmann improvisierte am Klavier im Café Justus 1823. Foto: Holger Schulze

Bramsche. Einmal nicht in der Kneipe, sondern in einem Café machte am Samstagnachmittag das Kneipenkult(o)urprogramm Station. Gerd Lührmann, im Hauptberuf Klavierbauer aus Ibbenbüren, setzte sich neben der Theke im „1823 Justus“ an ein Piano. Freie Improvisationen zwischen Kuchen und Latte macchiatto standen auf dem Programm.

Die Konzerte von Gerd Lührmann sind ungewöhnlich. „Ich weiß eigentlich noch gar nicht, was ich konkret spielen werde“, ließ er in einem Vorgespräch durchblicken. Das Abarbeiten einer feststehenden Programmabfolge ist ihm fremd. Ein paar thematische Eckpfeiler mit Anlehnungen an Mozart, Händel, Melodien von Georg Kreisler oder den Animals dienten dem Pianisten als Einstieg. Für den unwahrscheinlichen Notfall einer plötzlich auftretenden Einfallslosigkeit ruhte in der Aktentasche eine geheim gehaltene Liste mit weiteren Titeln für die Wiederbelebung der Inspiration. Noten hingegen fanden beim Auftritt keinerlei Gebrauch.

Gerd Lührmann spielte spontan drauflos. Wenige Blicke vorab in das Publikum gaben anhand dessen Altersstruktur den groben Rahmen für ihn vor. Ansonsten spielte der Mann am Klavier all das, was ihm in der konkreten Situation längs der bereits erwähnten Phrasenblöcke in den Sinn kam. Klassik und Kaffeehausmusik wurden von Gerd Lührmann zur wohlklingenden Melange zusammengestellt.

Melancholische Melodienstränge verarbeitete der Pianist eigenstilistisch weiter, und überließ sie den Gesprächsfetzen des Publikums sowie dem Geschirrgeklappere der Mitarbeiterinnen von Justus. Hieraus entstand ein eigenwilliges Klangbild, bestehend aus gesprächiger Geschäftigkeit und pianistischer Fingerfertigkeit.

Gerd Lührmann ist ein gelassener Musiker des Hintergrunds. Ungewöhnliche Auftrittsorte sind ihm gleichfalls nicht fremd. So war auch schon der Ruheraum in der Varustherme einer seiner Gastspielorte.

Ohne selbst angesagt zu werden und auch ohne eigene Worte unterhielt er mit Boogie und Blues die Gäste. Es war ein Kammerkonzert mit leichtläufigen Phrasen, eingängigen Melodieabfolgen, reichlich viel Eigenem vom Pianisten und vor allem liebevoll wie unprätentiös vorgetragen.


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