Kulturabo mit Hans-Martin Stier Ein Gefühl vom Seemannsleben im Bramscher "Universum"

Von Holger Schulze

Mit selbst erlebten Seemanngeschichten und dazu passenden Songs eröffneten Hans-Martin Stier und die Shipping Company das Kulturabo Herbst im Bramscher "Universum". Foto: Holger SchulzeMit selbst erlebten Seemanngeschichten und dazu passenden Songs eröffneten Hans-Martin Stier und die Shipping Company das Kulturabo Herbst im Bramscher "Universum". Foto: Holger Schulze

Bramsche. Hans-Martin Stier und die "Shipping Company" haben am Donnerstagabend mit dem Programm „60000 Seemeilen“ das Kulturabo Herbst im Bramscher "Universum" eröffnet.

Eine Kurzgeschichte über einen ermatteten Albatros machten den originellen Auftakt zu einem Abend voller selbst erlebter Geschichten von Hans-Martin Stier aus seinen Zeiten auf See in den 1960/70 Jahren.  

Hans-Martin Stier bot dem Publikum von ihm gemachte Erlebnisse auf einem weit über 100 Meter großen Frachtschiff, festgemacht in Vancouver, von einem Fest mit Demonstrationen und knüppelndem Polizeieinsatz im Downtown von Chicago, er schilderte lebendig das Wachegehen und Feiern am Kap der guten Hoffnung oder den Transport von 6000 Schafen bei ruhiger See, bei dem das Schiff dennoch um ein Haar aufgrund eines technischen Defektes mitsamt der Mannschaft untergegangen wäre.

Mit all diesen Geschichten erzeugte die tiefe, voluminöse, lange Jahre auf klar und deutlich geschulte Schauspielerstimme von Stier ein authentisches Gefühl vom Seemannsleben, von weiter Welt, schönen Mädchen im Hafen, wilden Landgängen der Crew und riskanten Kurswechselmanövern.

Es waren Geschichten, die auch dann einfach lebhaft interessant gewesen wären, hätte es sich bei ihnen um Seemannsgarn gehandelt. „Selbst erlebt“ lautete die Ankündigung von Hans-Martin Stier allerdings zu Anfang seiner Vorstellung. Dem zu misstrauen gab es keinen Anlass.

Lesung und Musik im Wechsel

Im Wechsel mit seinen Lesungen sang Hans-Martin Stier mal bluesig gedehnte Titel, mal melancholische Balladenkadenzen oder dann wieder lautstark treibende Rocksongs. Begleitet wurde er dabei von Stefan Kaspring am Keyboard, Thom Brill mit der Gitarre und der Stimme sowie Thomas Lensing, Schlagwerk und Gesang.

Auch mit 70 Jahren ist Hans-Martin Stier immer noch ein erstaunlich jung gebliebenes Intensitätsbündel, das die Bühne einfach nicht loslässt. Gemeinsam mit seiner Musikercrew erzeugte er einen kurzweiligen Abend mit spannender Seemannsliteratur, gekonnter Klang- und Geräuschkulisse, dies auch während der Lesungen, passend zu den Geschichten ausgewählten Songs und insbesondere eine Stimmung voll von Seefahrts- und Hafenerlebnissen ohne Kitsch und frei vom Klabautermann.  

Wie packend seine Darstellungskunst ist, konnte an der aufmerksamen Konzentration abgelesen werden, die während der Vorstellung im Publikum herrschte.

Beim Schlussbeifall jedoch zeigten die Zuhörer deutlich, dass es ihnen gefallen hatte. Zwei Zugaben beschlossen den Abend und mit einem markig vorgetragenen Lied von Hans Albers wurde das Publikum schließlich entlassen.

Ein Wermutstropfen aus Sicht der Veranstalter: Dass bekannte Namen nicht automatisch für ein ausverkauftes Kino sorgen, war bei dieser Vorstellung nicht zu übersehen. Das Herbstabo darf sich noch warmlaufen sowie im Hinblick auf die Besucherzahlen noch entwickeln.

Weiterlesen: Comedy, Konzerte und Kabarett beim Bramscher Kulturherbst


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN