100 Jahre Waldorf-Pädagogik Viele Besucher beim Herbstfest der Johannesschule Evinghausen

Buntes Treiben beim Herbstfest im Innenhof der Johannesschule.
Fotos: Andreas WenkBuntes Treiben beim Herbstfest im Innenhof der Johannesschule. Fotos: Andreas Wenk

Bramsche. Das Herbstfest der Johannesschule in Evinghausen ist in dieses Mal mit dem Jubiläum 100 Jahre Waldorf-Pädagogik zusammengefallen.

Die Sporthalle ist komplett besetzt und dennoch herrscht auf dem Innenhof reges Treiben während Chöre singen und Susanne Voigt die Geschichte der Waldorf-Pädagogik erzählt und dabei ein flammendes Plädoyer für die Schulform hält. Vor allem weil die Johannesschule eine Förderschule mit den Schwerpunkten Förderschwerpunkten Lern-, emotional-soziale und geistge Entwicklung ist, lege man hier besonderen Wert auf eine potenzial- statt auf eine defizitorientierte Pädagogik.

Mitmachchor: Lauren Smith dirigiert den dreistimmigen Happy-Birthday-Kanon, gemeinsam gesungen von Schülern, Eltern und Besuchern zum 100-jährigen Jubiläum der Waldorfschulen.

Silvana Pütz aus Ibbenbüren bestätigt das. Ihre Tochter geht in die vierte Klasse und ist froh, hier für sie einen Platz gefunden zu haben. Ihre zweite Tochter geht in Ibbenbüren auf eine reguläre Grundschule und würde gerne wechseln. Was Pütz erzählt, klingt nach einer ultimativen Lobrede für die Johannesschule. Hier dürften alle Kinder nach ihrem Tempo lernen. Außerdem, berichtet sie, habe ihre Tochter ein Ernährungsproblem. Doch mit der Vollwert-Mischkost hier komme sie gut zurecht und der Umgang der Lehrer mit den Schülern sei sehr warmherzig. 

Ein gutes Zeugnis für die Johannesschule, aber ist das zugleich eine dicke Watschen für das reguläre Schulsystem? Für Silvana Pütz trifft es das in jedem Fall. Auch Birgit Schreiners Kinder gehen in die Waldorf-Schule, allerdings die nebenan. Dennoch will sie ihren Kindern zeigen, wie an der Johannesschule gearbeitet wird. Das ist ihr wichtig, zumal die Kinder alle in einem Schulbus fahren, was schon mal zu Henseleien führt. Sie ist überzeugt von dem pädagogischen Konzept der Waldorfschulen, zumal sie als Psychologin beruflich nur allzu oft mit den Opfern des regulären Schulbetriebs zu tun hat, wie sie sagt.

Eine Kostprobe, was Kinder trotz Förderbedarf schaffen können, erhielten Eltern und Freunde während der Aufführung in der Turnhalle. Etwa mit dem Oberstufen-Chor, der unter der Leitung von Andrea Gerhards Adiemus und Kayama einstudiert hatte oder durch den Unter- und Mittelstufenchor, der zusammen mit Susanne Voigt die Gäste begrüßt hatte. Das knapp einstündige Programm überforderte die Aufmerksamkeit der Besucher streckenweise, war aber dennoch hörens- und sehenswert. So wie die von Schülern in der vorangegangenen Projektwoche selbst gebauten Spielzeugautos. Die bestanden überwiegend aus alten Dosen oder einer mit Kronkorken gefüllten Flasche.

Ein mit Kronkorken gefüllte Flasche und viele Dosen haben Kinder in der Johannesschule zu Spielzeugautos zusammengebaut.

Dass solche Aktionen kein reines Vorzeigeprojekt für das Herbstfest sind, weiß Pütz zu berichten. Sie schwärmt von einem Projekt, bei dem Ihre Tochter unter Aufsicht eines gelernten Tischlers mithelfen konnte, einen Schrank zu bauen. „Das hat alles Hand und Fuß“, sagt sie.

Die Waldorf-Pädagogik verdankt ihren Namen dem Unternehmer Emil Molt und dessen Zigaretten-Fabrik Waldorf-Astoria. In Zusammenarbeit mit dem Anthroposophen Rudolf Steiner entstand 1919 die erste Waldorfschule, mittlerweile gibt es laut Voigt weltweit 1.280 davon.


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