Veranstaltung des Feierabendkreises Künstliche Intelligenz und die Kirche - Vortrag in Ueffeln

Von Holger Schulze

Wie Künstliche Intelligenz und Digitalisierung unser Leben verändern, dazu gab es einen Vortrag in Ueffeln. Symbolfoto: Gert WestdörpWie Künstliche Intelligenz und Digitalisierung unser Leben verändern, dazu gab es einen Vortrag in Ueffeln. Symbolfoto: Gert Westdörp

Ueffeln. „Digitalisierung und künstliche Intelligenz – Wie sich unsere Arbeit und unser Leben verändern wird“, zu diesem aktuellen Thema hatte der Feierabendkreis der Ev.-luth. Marienkirchengemeinde Ueffeln am Dienstagabend in das Gemeindehaus eingeladen.

Pastor Dr. Matthias Jung, Landessozialpfarrer und Leitender Referent für den Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt, war als Vortragender gewonnen worden. Begrüßt von Uwe Schrader, der eine erste Einführung in die Thematik gab, lauschte ein relativ kleiner Kreis den informativen Ausführungen von Matthias Jung.  

„Es ist wichtig, dass wir als Menschen den digitalen Wandel mitbestimmen“, hob Uwe Schrader gegen Ende seiner Einführung hervor und verwies auf die Ungewissheiten die entstehen, wenn sich Maschinen womöglich verselbstständigen. Die Digitalisierung setzte Matthias Jung auf eine Stufe mit den „bahnbrechenden Erfindungen Rad, Schrift und Buchdruck“. Aufgebaut auf den Zahlen Eins und Null sei sie nach Sarah Spieckermann „gesiebte Natur“, also ordentlich, nicht mehr einzigartig, festgefügt und beliebig oft unverändert reproduzierbar. Die „Digitalisierung ist der Versuch, so viel wie möglich von dem, was wir Welt und Leben nennen, dem Prinzip Null und Eins einzufügen“, hielt Matthias Jung fest.  

Roboter in Pflegeheimen

Ein Blick auf die Anfänge der Digitalisierung mit den Handys und den PCs, über die Entwicklungen des Internets bis hin zu den heutigen Möglichkeiten, einer Datenmenge, die sich jedes Jahr verdoppelt und gegenwärtig 52000 Gigabyte pro Sekunde durch die Leitungen laufen lässt, ließ Jung zu dem Schluss kommen, dass Digitalisierung nach den Erfindungen der Wasser und Dampfkraft, der elektrischen Energie sowie dem Beginn der Automatisierung heute die vierte industriellen Revolution darstelle. Die fünfte Stufe werde dann die selbstständige Kommunikation der Computer miteinander sein. Bereits heute werden Roboter in japanischen Alten- und Pflegeheimen eingesetzt, erfuhr das Publikum Reiseplanungen und Bezahlung der Tickets bei der Bahn nur noch über das Handy sind auch bei uns möglich.  

Über Digitalisierung und Künstliche Intelligenz referierte Pastor Dr. Matthias Jung am Dienstagabend im Gemeindehaus von St. Marien Ueffeln. Foto: Holger Schulze

Nach einem Blick auf die dunklen Seite des Netzes, inklusive Betrug, Mobbing und Ausbeutung sowie der Kampf um private Daten, wandte sich Matthias Jung der Künstlichen Intelligenz (KI) zu. Dies sind Technologien, die menschliche Intelligenz in bestimmten Grenzen nachahmen und sich am Ende selbst trainieren, um menschliche Aufgaben zu übernehmen. „KI ist aber nicht in der Lage, bestimmte Grenzen zu überspringen. Nur im Rahmen der ihr zugewiesenen Ordnung kann die Künstliche Intelligenz bislang etwas lernen. Diese Ordnung zu überspringen ist ihr jedoch nicht möglich, es sei denn, unsere Enkel oder Urenkel finden Wege, unsere Gehirne mit einem Computer zu verbinden“, war sich Jung sicher. 

„Wir als Kirche haben ein Interesse zu fragen: Was macht das mit dem Menschen?“, riet Jung zur Aufmerksamkeit. Von Martin Luther habe er gelernt, genau hinzugucken, nicht allzu schnell auf alle Züge aufzuspringen, aber sich auch auf Neues einzulassen. Keine Verteufelung, aber genaues Hinsehen und abwägen, was macht Sinn und was macht keinen Sinn, lautete sein Votum im Umgang mit der KI.

Regeln im digitalen Raum

Dem fügte zum Abschluss der Veranstaltung Uwe Schrader noch einige Worte von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hinzu. Dieser rief Politik und Gesellschaft dazu auf, intensiver an Regeln und Standards im digitalen Raum zu arbeiten und forderte, „das Spiel zu unterbrechen und die Spielregeln zu überprüfen". Was einmal gestaltet worden sei, könne neu gestaltet werden, einmal Programmiertes umprogrammiert werden.

In seiner Grundsatzrede beklagte Steinmeier die Passivität bei der Gestaltung der Digitalisierung. Man dürfe den technologischen Fortschritt niemals als „monströses Naturereignis" ansehen, sondern müsse verstehen wollen, „was unser Menschsein und unseren Zusammenhalt gefährdet".


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