Thema Bienensterben Erstmals Filmvorführung in der Thomaskapelle Lappenstuhl

Gebannt verfolgten die Zuschauer in der Thomaskapelle den Film "More than honey". Foto: Reinhard FanslauGebannt verfolgten die Zuschauer in der Thomaskapelle den Film "More than honey". Foto: Reinhard Fanslau

Lappenstuhl. Experiment gelungen. Gut 40 Besucher nahmen am Freitagabend das erstmalige Angebot an, in der Thomaskapelle in Lappenstuhl einen Film anzuschauen und im Anschluss mit drei Experten darüber zu diskutieren.

 Auf dem Programm stand der vieldiskutierte Dokumentarstreifen „More than honey“, der das Thema „Bienensterben“ behandelt. Die Filmvorführung war eine Gemeinschaftsprojekt des „Runden Tisch Natur Bramsche“, der Stiftung Thomas, des Ortsrats und der Macher des Kulturprogramms in der Thomaskapelle. Besorgt hatte den Film das Universum Kino. Moderator Ralf Hörnschemeyer ging in seinen einführenden Worten darauf ein, dass die Handlung sehr gut in das Gotteshaus passt, da es vor allem auch um den Erhalt der Schöpfung geht. Als Experten standen Imker Werner Ballmann, Dr. Karsten Igel und Karin Müller (Runder Tisch Natur) zur Verfügung. 

Vor sieben Jahren entstand die Dokumentation des Schweizer Regisseurs Markus Imhoof und wird seitdem in vielen Ländern diskutiert, so auch nach der Aufführung in der Thomaskapelle, wie sich herausstellen sollte. Zunächst sahen die Zuschauer im Film einem bereits sich in fortgeschrittenem Alter befindlichen und traditionell arbeitenden Imker in den Schweizer Bergen zu. Demgegenüber stellte der Regisseur als nächstes einen leitenden Angestellten in einer Mandelbaummonokultur in den USA vor, für den das Summen der Bienen „The sound of money“ („Der Klang des Geldes“) ist. Weiter erzählt Imhoof, Enkel eines Imkers, mit beeindruckenden Aufnahmen und Kamerafahrten von Killerbienen in Mexiko, von Königinnenzüchterinnen in Österreich und von chinesischen Arbeitern, die Blüten mit der Hand bestäuben, weil es in der Region keine Bienen mehr gibt.

Nicht nur Honigbienen

„Wir dürfen nicht nur von Honigbienen sprechen. Das ist nur eine von 450 Bienenarten“, klärte in der Diskussion Werner Ballmann. „Für die Bestäubung der Pflanzen sind Wildbienen genauso wichtig“, fuhr der Imker fort. Den Gedanken führte Dr. Karsten Igel weiter: „Die Wildbiene wird oft vergessen und fällt hinten rüber. Sie ist aber auch sehr wichtig, für den Obstanbau zum Beispiel.“ Passende Tipps dazu kamen von Karin Müller: „Wichtig für Wildbienen sind freie Sandflächen. Ob diese auf einer Ebene oder an einem Hang sind, spielt keine Rolle.“ Die Expertin plädierte darauf, im Garten Vielfalt zuzulassen und nicht alle Flächen zu pflastern oder mit Humus zu versehen. Ob auch Hummeln für die Bestäubung wichtig sind, wollte eine Fragestellerin wissen. „Sehr wichtig“, antwortete Imker Ballmann, „weil Hummeln einen längeren Saugrüssel haben als Bienen und auch an tiefer gelegene Blütenkelche kommen.“

Eine Besucherin wollte wissen, ob sich stark dezimierte Bienenpopulationen wieder erholen könnten. Darauf antwortete Dr. Igel: „Insekten haben rasante Vermehrungsraten. Wenn die Bedingungen da sind, vermehren sich auch Bienen wieder sehr schnell. Diese Bedingungen müssen wir schaffen.“ Mit dem Naturschutzgebiet Achmer Sand und neu angelegten Blühstreifen in Ueffeln nannte Igel abschließend zwei positive Beispiele aus der Region.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN