"Das schweigende Klassenzimmer" Waldorfschüler aus Evinghausen spielen Drama über DDR

Von Holger Schulze

Eine simple Schweigeminute brachte die Schülerinnen und Schüler im Jahre 1956 in der noch jungen DDR bereits in persönliche Schwierigkeiten. Das Zwölftklass-Spiel an der Waldorfschule greift diese wahre Begebenheit auf. Foto: Holger SchulzeEine simple Schweigeminute brachte die Schülerinnen und Schüler im Jahre 1956 in der noch jungen DDR bereits in persönliche Schwierigkeiten. Das Zwölftklass-Spiel an der Waldorfschule greift diese wahre Begebenheit auf. Foto: Holger Schulze

Evinghausen. Am Freitag, 6. September, Samstag, 7. September, sowie Sonntag, 8. September öffnet sich an der großen Bühne in der Waldorfschule Evinghausen wieder der Vorhang. Dann führt die Jahrgangsstufe 12 das DDR Drama „Das schweigende Klassenzimmer“ auf.

„Vor dem Hintergrund der jungen DDR erzählen wir eine wahre Begebenheit, in der es um Mut, Zusammenhalt und Freiheit geht“, so fasst der Einladungstext der Schule kurz das Theaterstück zusammen. Es erzählt, basierend auf den persönlichen Erlebnissen und der gleichnamigen Buchvorlage von Dietrich Garstka, wie eine einfache menschliche Geste einen ganzen Staatsapparat in Rage bringt, mit einschneidenden Folgen für die Biografie von Schülern. 

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Vier intensive Wochen mit Probentagen, die in der letzten Phase der Vorbereitungen schon mal von 8.15 Uhr bis deutlich nach 22 Uhr dauern konnten, haben sich die Schülerinnen und Schüler auf die Vorstellung vorbereitet. Angeleitet wurden sie hierbei von Simeon Wutte, Schauspieler und Theaterpädagoge aus Leipzig, der bereits 2018 die Regie beim damaligen Zwölftklass-Spiel übernommen hatte.  

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Ganz kurzfristig hatten sich die Schüler mit 95 Prozent der Stimmen für „Das schweigende Klassenzimmer“ entschieden. „Sie wollten ein Stück mit einem Bezug zur Gegenwart“, berichtete der Regisseur vom Zustandekommen der Entscheidung für das Schauspiel.

Wutte bescheinigte der Schauspielertruppe einen „großen Einsatz. Sie wollten ein cooles Stück machen. Dafür standen sie auch ein, selbst wenn sie in den Seilen hingen, und schlugen sich sehr tapfer“. Insgesamt seien die Wochen „schön anstrengend aber auch absolut erfolgreich gewesen“. 

Voller Einsatz

Ähnlich äußerte Michael Posch: „Es war einfach großartig, der überwiegende Teil hat einfach Lust und zog mit. Auch die neue Herausforderung mit der Lifeband wurde ebenfalls hervorragen gemeistert“, fand der Klassenbetreuer, der auch schon Produktionen erlebt hatte, die nicht von einem derartigen Engagement begleitet worden waren.

„Die vier Wochen waren intensiv, aber die Gemeinschaft war durchgehend gut gelaunt“, berichtete Johanna Renard, die eine der größeren Rollen im Stück übernommen hatte. Lobende Worte fand Lena Böttcher auch für den Regisseur. „Er war sehr motivierend, weil er selbst motiviert ist. Man merkte, wie er in seiner Arbeit aufgeht“, verriet sie das Erfolgsrezept für eine Regiearbeit mit jungen Erwachsenen.  

Dass die Produktion des Stückes sehr anstrengend war, wollte Theo von Lehmden nicht verschweigen. Dennoch sei es „sehr schön gewesen, weil wir als Jahrgang zusammengewachsen sind, da wir so viel Zeit miteinander verbracht haben“.

Hochwertig

Theo von Lehmden spielt eine der beiden Hauptrollen. „Gewählt habe ich sie, weil ich die Rolle super spannend fand und mich damit identifizieren konnte. Es ist für ein Schülerprojekt ein hochwertiges Stück geworden, mit Tanz, Musik und Kampf und einer Geschichte, die wirklich so passiert ist. Auf jeden Fall regt die Geschichte zum Nachdenken an, sich für etwas einzusetzen, wie es die heutige Schülergeneration ja auch macht.“

Dass es Hauptrollen gibt, die nicht im Vordergrund der Bühne stattfinden, wird an der Rolle von Jannik Meyer zu Strohe zu sehen sein. Nicht als Schauspieler, sondern zuständig für Musik und Pressearbeit, leistete er bis zu 16 stündige Arbeitstage als Musiker und Layouter des Plakates sowie des Programmheftes.

Livemusik

„Musik ist meine Leidenschaft. Ich konnte an manchen Tage acht Stunden lang durchgängig Musik machen“, umriss Jannik Meyer zu Strohe seinen Beitrag zum Stück. „Ich habe zum Teil absolut neue Erfahrungen gemacht. Das Stück wird vor allem anders gut dadurch, dass wir Livemusik haben“, verspricht er für die kommenden Vorstellungen, bei denen er mit Liveimprovisationen vom Bühnenhintergrund aus zu hören sein wird.

Am Freitag und am Samstag beginnen die Aufführungen um 20 Uhr. Am Sonntag hebt sich bereits um 17 Uhr der Vorhang zum „Schweigenden Klassenzimmer“.

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